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| Baumruine | |
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| Das schmiedeeiserne Tor zum Park | |
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Was die Bäume flüstern
Er ist auf dem Weg, eine Oase für alle in Gehrden zu werden. Er liegt ideal zwischen Krankenhaus, Schwesternschule, Siedlungen, Altenwohnungen und dem Gehrdener Berg. Der mehr als drei Hektar große Park, vor 50 Jahren von seinem Besitzer Baron Ottmar von Reden (1888-1959), Bürgermeister von Gehrden, dem Landkreis Hannover geschenkt, bietet heute schon Licht und Schatten. Teilweise ist die ursprüngliche Struktur überwuchert, teilweise offenbaren sich wunderschöne Fleckchen. Es fehlen ein paar gestaltende Eingriffe. Die Region Hannover als heutige Besitzerin nimmt das jetzt in die Hand.
Doch da sind bereits offene Rasenflächen zum Spielen vorhanden, sogar mit Holzspielgeräten. Da sind Feuchtgebiete im Osten. Der Blütenpfad und der „dunkle Tann“ liegen ebenfalls dort und ziehen den Besucher an. Ein Rhododendrenwald schließt sich im Südosten an. Und dann ist da diese stattliche Allee aus 150 Jahre alten Sommerlinden und Esskastanien - der Schmuck des Parks. Ach, wenn sie doch sprechen könnten!
Vielleicht erzählten sie vom früheren Herrenhaus. Von ihm ist nur noch eine Andeutung des Grundrisses im Rasen zu erkennen. Doch auf der Fläche rollen immerhin Boulekugeln im Sommer. Sie wird also schon von den Bürgern genutzt. Das Haus, das da stand, wurde 1967 abgerissen. 1780 hatte Friedrich-Otto von Reden es an Stelle eines niedergebrannten Fachwerkhauses bauen lassen. Aus jener Zeit stammt der gesamte Park. Schon um 1650 gab es an der Stelle das Castum Franzburg. An das Rittergut erinnert nur noch der Name Franzburger Straße hinter der historischen Sandsteinmauer des Parks am Gasthaus im Schützenhaus.
Vom Herrenhaus führte die prächtige, hallenartige Allee zu einem schmiedeeisernen Tor mit einem für das Rittergut angefertigten Wellenmuster. Dieses Muster ist so etwas wie ein Symbol des Parks. Die Struktur ist einmalig, es könnte ein Wahrzeichen werden. Zwar steht das Tor nicht mehr dort, aber es ziert heute den Eingang an der Parkstraße. Irgendwann soll es wieder an seinen alten Platz zurückkehren. Die gedachte Verlängerung der Allee führt über die Von-Reden-Straße hinauf zum Köthnerberg (137 Meter), wo sich unter Bäumen der Familienbegräbnisplatz befindet.
Wenn die Bäume sprechen könnten, wüsste die Jahrhunderte alte Buche am Parkende Richtung Robert-Koch-Krankenhaus sicher am meisten. Sie ist wohl die älteste im Park, aber leider nur als Baumruine erhalten, ein dicker Stamm ohne Äste und Blätter. Dafür prahlt der Gigant - ein Mammutbaum. Die Hainbuche nahe der „Festwiese“ gluckst vor Freude, denn sie ist für Kinder da. Sie hat viele tiefe Äste, auf denen sich so gut herumklettern lässt und erinnert an einen siebenarmigen Leuchter. Die Kastanien am Ende der Allee signalisieren Einsamkeit - sie wollen mehr Ihresgleichen in der Nähe, um sich nicht so fremd unter Linden zu fühlen.
Zu einem Gruppenerlebnis zusammengeflüstert haben sich schon die kompakten Schwarzkiefern mit den hellen Birken vor der Sandsteinmauer. Ein besonderer Fall sind Philemon und Baucis. Sie standen einst eng verschlungen im südlichen Teil des Gehrdener Parks - eine Esche und eine Buche. Sie waren so ineinander verwachsen, dass man annehmen könnte, es sei ein von Göttern verwandeltes Liebespaar. Nach der griechischen Mythologie ging die Geschichte so: Als Zeus und sein Sohn Hermes als Menschen verkleidet mal einen Abstecher zur Erde machten, wurden sie zunächst überall abgewiesen. Niemand wollte ihnen Einlass gewähren oder sie gar bewirten. Die beiden Götter schüttelten den Kopf und waren verärgert. Herzliche Gastfreundschaft fanden sie jedoch schließlich bei dem alten Liebespaar Philemon und Baucis. Das freute sie so sehr, dass sie die beiden an deren natürlichen Ende belohnen wollten. Und da Götter sich mit Unsterblichkeit auskennen, schenkten sie den beiden ein Weiterleben nach dem Tod als zwei verschlungene Bäume. So zwei standen auch hier im Park nahe der Baumruine im Südteil, doch ein Sturm ließ sie stürzten. Heute ruht nur noch ein Stamm auf dem Boden. Doch der erinnert an das einst verschlungene Baumliebespaar.
Die Gastfreundschaft im Park wird nicht nur durch das Gasthaus gesichert, es laufen mehrere Veranstaltungen. Anfang Mai lädt Dagmar von Reden zum „Life and Garden Festival“ ein. Zwischen Rosenduft und Erdbeerminze erklingen Jazz und Musicalmelodien. Zu gewissen Terminen zeigt ein Freiluftkino Filme. A-Capella-Gruppen treten auf. Kinder- und Familienfeste werden gefeiert. Wenn daraus noch mehr wird, kann das ehemalige Gärtnerhaus am Nordeingang eines Tages eine Theaterkasse beherbergen, als Künstleratelier dienen und die Schaltzentrale für viele, schöne Freiluftprogramme sein.
Doch jetzt ist erstmal wieder Frühling, Zeit der Geophyten. Da blühen Blümchen im Frühling weiß (Anemonen), andere hellblau im November (Herbstkrokusse). Da wachsen üppige Stauden und pralle Früchte. Und auf der „Sonnenterrasse“ in der Südostecke sitzen manchmal Gäste und lesen, oder es gibt dort Lesungen. Kinder tollen auf den Rasenflächen im Norden. Schon jetzt zeigt sich der Park bürgernah.
Geöffnet: frei zugänglich, kostenlos, weitgehend barrierefrei.
Veranstaltungen: Anfang Mai Lustwandeln im Park mit Livemusik, veranstaltet von Dagmar von Reden, www.lifeandgardenfestival.de
Tel. 05108 / 42 30 - Fax 05108 / 87 95 67
Zeitbedarf: 30 Min. für den etwa 3 Hektar großen Park.
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