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Hinüberscher Garten Marienwerder (12)

Region Hannover
Hinüberscher Garten


Begehbares Gemälde

Auf der von Buchen bewachsenen Düne steht eine Turmruine. Was mag den Turm zum Einsturz gebracht haben? Feindliche Truppen? Steigt man den Hügel hinauf, versteht man, dass das Türmchen nie dazu gedient hat, ein feindliches Heer zu erspähen.  Es ist auch keinem solchen zum Opfer gefallen ist: Man hat es bereits als Ruine erbaut. Der so genannte Hexenturm dient seit jeher als Aussichtsplattform.

Von ihm aus hat man einen wunderschönen Blick über den Park des Klosters Marienwerder, einen der ersten Landschaftsparks Deutschlands. Er wurde um 1766 angelegt, etwa 50 Jahre vor dem berühmten Georgengarten in Hannover. Der Amtmann des Klosters, Jobst Anton von Hinüber, hatte 1766 eine Reise nach England unternommen, und die sollte Folgen für den Klosterpark haben. Hinüber hatte die aus England stammende Mode der Landschaftsparks im Gepäck. Er brachte nicht nur die Idee künstlicher Ruinen mit, sondern ein ganz neues Prinzip: Parks sollten wie natürliche Landschaften wirken. Ein begehbares Landschaftsgemälde sollten sie sein, malerisch im Wortsinne. Und genau das ist hier der Fall.

Vom Hexenturm aus erblickt man einen sich durch sanfte Hügel schlängelnden Weg, der durch ein nahezu naturbelassenes Gehölz führt, das Quantelholz. Man sieht prächtige Stauden und alte Einzelbäume, die wie zufällig angeordnet sind. Der Blick vom Turm geht weit über die Grenzen des Parks hinaus und schweift über die umliegenden Auen und Weideflächen, wo Pferde grasen. Dadurch wirkt die Anlage wesentlich größer als ihre 40 Hektar.

Verlässt man den Turm und folgt dem Weg ein Stück an der Leine entlang, befindet man sich in dem natürlichen Element der Anlage, der Leineaue. Hier findet sich naturbelassene Vegetation und Unmengen von Vögeln, darunter viele der selten zu sehenden Schwanzmeisen. Sie suchen in der Uferböschung nach Nahrung. Der Teich mit der Blumeninsel darin ist dagegen künstlich. Er wurde gerade entschlammt, die Ufer wurden neu gestaltet und die üppige Blumenpracht der Insel wurde erneuert.

Auf der Rasenfläche kurz vorm Quantelholz steht eine junge Eiche. 1996 gepflanzt erinnert sie an die so genannte Königseiche, die König Ernst August anno 1846 zu fällen untersagte, da sie eine „Naturmerkwürdigkeit“ sei. Wenn sie noch stünde, würde sie sicher erfreut die heutigen Bemühungen zur Kenntnis nehmen, mit denen der Park wieder behutsam in seine historische Form versetzt werden soll. Diese Form lebt von ihren malerischen Kontrasten.

Hat man das dichte und dunkle Quantelholz durchquert, öffnet sich erneut der Blick auf die Leineaue und man sieht, wie die Leine glitzernd und in sanften Windungen in der Ferne verschwindet. Man nähert sich dem Kloster. Erneut ein Kontrast: Nach dem Landschaftspark nun der Klostergarten. In einem Abschnitt liegen Gräber, teils mit Efeu bewachsen, in einem anderen zieht man Gemüse. Bohnen ranken sich die Stangen empor. Große Lauchstangen und saftig grüne Salatköpfe gedeihen hier, und einige Beete sind von Heckenrosen gesäumt. Auf einem kleinen Rasenstück stehen drei oder vier Bienenkörbe.

So stellt man sich einen Klostergarten vor. Auch hier könnte ein Maler ein Motiv finden, nur wäre es sicher kein englischer Landschaftsmaler, sondern eher ein niederländischer Meister des kleinen Idylls. Und wenn erst einmal der Amtmannteich wieder mit Seerosen bewachsen sein wird, hat auch der Freund impressionistischer Malerei seine Freude. Der Hinübersche Garten – ein begehbares Gemälde für jeden Geschmack.


V.i.S.d.P. Region Hannover


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