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Friedhof Ricklingen, Hannover (13)

Region Hannover


100 Jahre Stadtfriedhof Ricklingen vormals Hauptfriedhof Linden

Schon vom Haupteingang aus ist über die Allee aus amerikanischen Roteichen die alte Kapelle zu sehen. Es handelt sich um ein hübsches weißes Gebäude mit hohem Dach, ein Prachtstück des Lindener Architekten Carl Ahrend von 1910. Die neue Kapelle links davon wird durch den dichten Bewuchs leicht verdeckt, zeigt sich aber farblich schön auf das ältere Gebäude abgestimmt. Wer sich dann mal auf eine der Bänke setzt, denkt zunächst nicht an einen Friedhof, denn es sind keine Gräber zu sehen.

Der Charakter der östlichen Hälfte des Friedhofs ist geprägt von dem alten Baumbestand, hauptsächlich Rotbuchen, aber auch Lärchen und andere Nadelbäume stehen hier in großer Zahl. Die meisten der großen alten Alleebäume stammen noch aus der Gründungszeit des Friedhofs vor mehr als 100 Jahren.

Damals platzte Linden aus allen Nähten. Die wegen der Industrialisierung rasant wachsende Stadt - 1885 waren es 26.000 Einwohner - hatte keine ausreichend große Grabanlage. Die Alleen mit ihren großen Bäumen strukturieren die Fläche, so dass der Friedhof den Charakter eines großzügigen Parks erhält. Offensichtlich schätzen die zahlreichen Eichelhäher und die vorwitzigen Eichhörnchen diesen Baumbestandenen Teil des Geländes. Am Rande dieses Teils befindet sich die Grab- und Gedenkstätte für den SPD-Politiker Kurt Schumacher (1895-1952).

Folgt man dem Weg noch ein Stück, gelangt man zur neu gestalteten Stillen Andacht. In diesem offenen Andachtsraum, in dessen Mitte eine große Birke steht, kann man inmitten des Grüns an Gedenkandachten oder geistlichen Konzerten teilnehmen. Der Raum ist kreisrund gestaltet, und der Kreis als Symbol für den immerwährenden Kreislauf.

Entlang des Weges schaut man in weitere Rotbuchen- und Weißdornalleen, die die Weitläufigkeit der Anlage unterstreichen. Auch hier sind wieder keine Gräber zu sehen, es entsteht der Eindruck eines gepflegten Landschaftsparks.

Eine Besonderheit sind die vielen Wasserschöpfbecken im östlichen und nördlichen Bereich, Unikate allesamt. Der Künstler Heinrich Lange hat sie gestaltet und einige Skulpturen angebaut. Zum Beispiel sitzt da ein Frosch wie im Märchen am Beckenrand des Brunnens und scheint auf die Prinzessin.

Geht man auf der Mittelachse in Richtung Kapelle, gelangt man auf den Ehrenfriedhof für die Opfer des Krieges. Rechteckige Platten mit den Namen der Gefallenen sind in die Rasenfläche eingelassen, an deren Ende ein riesiges Kreuz auf die Stätte herabsieht. Von hier aus kann man das Auge noch einmal über den großen Park schweifen lassen, der auch nach hundert Jahren und zwei Weltkriegen nicht den Tod repräsentiert.


V.i.S.d.P. Region Hannover


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