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Das grüne C
Die Eilenriede, so steht es in einigen Stadtführern, sei der größte Stadtwald Europas. Und in der Tat ist sie mit 650 Hektar (600 Fußballfeldern) sogar fast doppelt so groß wie der New Yorker Central Park (318 Fußballfelder). Nahezu ein Drittel der Fläche Hannovers füllt die Eilenriede aus. Vom Wort her ein Erlensumpf. Es gibt kaum einen Stadtteil rechts der Leine, der nicht an sie grenzt.
130 Kilometer Wege durchziehen das Gebiet - von Fußwegen mit recht erstaunlichen Namen wie Spitzbubenweg oder Philosophenpfad, über Rad- und Reitwege bis zum Messeschnellweg, der seit den fünfziger Jahren eine Schneise durch den Wald schlägt. Vom Maschsee bis nach Kirchrode erstreckt sich die grüne Lunge Hannovers in Form eines umgedrehten Buchstabens C. Schon im Mittelalter wussten die Hannoveraner den Wald zu schätzen; sie trieben das Vieh zum Fressen hinein und nutzten das Holz zum Brennen der Backsteine, etwa für die Marktkirche. Doch diese Informationen über die Größe und den Nutzwert sagen nicht viel aus. Was den Wald ausmacht, kann nur das unmittelbare Erleben vermitteln. Also: Eintreten bitte!
Von der Oststadt aus umfängt einen bereits nach wenigen Schritten kühles Dunkel. Der Wald spricht alle Sinne an: In Frühling duftet es nach Waldmeister, im Herbst nach feuchtem Laub und Waldboden. Im Sommer ist es hier einige Grad kühler als wenige Meter weiter in der Stadt, und in den Nächten um die Sommersonnenwende kommen die Glühwürmchen zu Hunderten aus dem Unterholz und tanzen auf den Lichtungen. Davon gibt es reichlich. Viele werden als Liegewiesen genutzt, einige haben Spielplätze oder Terrassen mit Gastronomie. Auf ausgewiesenen Flächen können Hundehalter ihre Vierbeiner von der Leine lassen. Ausgelassen tollen sie in großen Rudeln über die Wiese. Auch Minigolfanlagen und einen Tennisplatz findet man am Rand des Forstes, und sowohl Rodler als auch Radfahrer kommen auf ihre Kosten.
An der Waldgaststätte Steuerndieb, wo früher eine Motorradrennstrecke vorbeiführte, wird die Straße am Wochenende für den Autoverkehr gesperrt und gehört ganz den Skatern. Auch Reitwege gibt es reichlich und allenthalben trifft man auf Jogger und Walker.
Aber die Eilenriede ist zuerst und zuletzt ein Wald. Zonen mit dichtem Unterholz beherbergen zahlreiche Vögel und andere tierische Waldbewohner. Um diese besser kennen zu lernen, empfiehlt sich ein Besuch in der Waldstation. Am Rande des ehemaligen Vogelschutzgehölzes steht ein umweltpädagogisches Zentrum für Groß und Klein bereit. Hinter dem Gebäude, das neben den Büros auch einen Seminarraum enthält, beginnt ein Parcours mir 28 Stationen, die zahlreiche Informationen rund um das Thema Wald auf anschauliche Weise vermitteln. Man hat sich bemüht, zu jedem Thema möglichst lebendiges Anschauungsmaterial auszustellen, und so begegnen dem Besucher auch einige höchst lebendige Exponate: Ein neugieriges Iltis-Pärchen reckt schnuppernd die Hälse, eine Ameisenstraße kreuzt den Weg, und wenn man Glück hat, lassen sich Bewohner des großen Insektenhotels blicken. An einer anderen Station kann man durch eine Glasscheibe in einen Bienenstock schauen, und das geschäftige Treiben da drinnen bestaunen. Den Honig gibt es im Haus zu kaufen.
In Schaukästen am Wegesrand liegen Krankenblätter. Sie geben Auskunft über Patienten der Vogelkrankenstation. Für verletzte oder untergewichtige Fledermäuse stehen eine Aufzuchtstation und ein Winterquartier zur Verfügung. In der Dämmerung kann man mit etwas Glück beobachten, wie verletzte Abendsegler in ihrer Voliere das Fliegen üben und geschickt die Futterschalen mit den Mehlwürmern ansteuern. Ein überdimensionales Spinnennetz, ein Ententeich und eine Ausstellung der im Hause erhältlichen Nistkästen runden den kleinen Spaziergang ab, der noch viel mehr zu bieten hat.
Das neueste Projekt der Waldstation ist ein hölzerner Turm, auf dem der Besucher die verschiedenen Lebensräume, die ein Baum den Waldbewohnern vom Boden bis zur Krone bietet, aus nächster Nähe betrachten kann. 28 Meter hoch soll er werden. Der Besucher wird wie das Eichhörnchen Elli, das kindgerechte Maskottchen der Waldstation, den Baum emporsteigen können, um die Besonderheiten der verschiedenen Ebenen selbst zu entdecken.
Wer die Waldstation erlebt hat, sieht den Wald mit anderen Augen. Das Rascheln im Gebüsch lässt einen aufhorchen, ein Baumstamm am Wegesrand ist nun nicht mehr nur ein Stück totes Holz, sondern ein Biotop für Kleinstlebewesen.
Ein Spaziergang durch die Eilenriede wäre unvollständig ohne die Besichtigung einiger weiterer Besonderheiten. So gibt es im Norden eine bronzene Statue, die zwei Pelikane zeigt, eine Erinnerung an den Gründer der gleichnamigen Schreibwarenfabrik. Nicht weit davon liegt „das Rad“, ein Rasenlabyrinth, das vermutlich eine vorchristliche Kultstätte war. Zeugnisse der langen Geschichte des Waldes sind außerdem der Hanebuthwinkel, benannt nach dem berüchtigten Räuber, der im 30-jährigen Krieg hier sein Unwesen trieb, und die zahlreichen Türme am Rande der Eilenriede.
Jedem Rad- oder Autofahrer ist der Pferdeturm bekannt, an der Walderseestraße steht der Lister Turm, hinter dem sich ein schöner Biergarten befindet, und der Name des Gasthauses Steuerndieb geht auf den Wachturm gegen Holzdiebe zurück.
So verbindet die Eilenriede nicht nur die östlichen Stadtteile miteinander, sondern auch Naturkunde, Freizeitgestaltung und Stadtgeschichte. Erstaunlich, was alles in diesem Wald steckt!
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