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| Quelle: Christian Stahl | |
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| Quelle: Christian Stahl | |
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Einige sind beschriftet, für andere erbitten die Bildende Künstlerin Anne Nissen sowie die Freiraumarchitekten Gudrun Baingo und Walter Jöris vom Büro „Grün plan“ die Besucher um Vorschläge. Beide Ateliers haben das gesamte Garten-Eden-Projekt erdacht und umgesetzt. Doch was ist das? Drei große Zellen aus Weidengeflecht liegen auf dem Conrad-Wilhelm-Hase-Platz vor der Kirche. Sie sollen einen Vorgeschmack auf das Innere geben, das Paradies.
Wer den Garten Eden sehen will, betritt zunächst mal das Portal der Kirche. Er schüttelt den Alltag ab. Er sieht blaues Licht. Er hört Stimmen, die sich überlagern. Manchmal sind nur Wortfetzen wahrzunehmen, dann wieder dringen ganze Sätze ans Ohr. Es sind Hannoveraner, die da sprechen und ihre Antworten auf zwei Fragen geben: Gibt es ein Paradies auf Erden? Gibt es Ängste für Sie?
Der abgedunkelte Innenraum der großen, hohen Kirche teilt sich in ein äußeres, altes Paradies und einen 23 Meter langen und sieben Meter hohen Kokon in der Mitte. Das ist das neue Paradies.
Wer außen herumgeht durch das verlorene Paradies, findet viele echte Palmen, Blätter und Wege zu vier Nebelbecken. Sie symbolisieren die aus dem Paradies herausfließenden Flüsse. Doch wer in den herauswabernden Nebel schaut, sieht immer wieder andere Filmsequenzen, die von oben wie auf eine Milchglasscheibe projiziert werden. Es sind kurze, verschwommene Einblicke in die Grundbedürfnisse des Menschen zu sehen. Ein Bauer mäht Getreide mit der Sense. Ein Liebespaar läuft am Strand entlang. Ein Säugling lächelt. Es geht um soziale Kontakte, den Einklang mit der Natur, den respektvollen Umgang mit Tieren und die Fortpflanzung. Dann aber betritt der Gast das Innere, den Kokon. Mehrere Eingänge stehen dazu offen.
Unter der halbtransparenten Gaze herrscht meist Stille. Wer hier steht oder sitzt, erlebt eine reduzierte Umgebung, die zur Meditation einlädt. Doch es ist nicht dunkel in diesem neuen Paradies, in das der Mensch sich hineinsehnt. Von außen schicken sechs Beamer blütenähnliche Elemente in den Kokon. Sie verändern sich langsam in Form und Farbe. Sie leuchten aber so kräftig, dass sie ein Wohlgefühl auslösen und die Phantasie anregen. Dann ist auf dem Boden der Schatten einer sich im Wind wiegenden Baumkrone zu sehen. Das symbolisiert den Baum der Erkenntnis oder auch den Baum des Lebens. Auch ein wirklicher Baum steht ein paar Meter weiter. Es ist eine Olive.
Der Olivenbaum steht für den Menschen, der im Einssein mit Gott und der Natur gedeiht. Dazu braucht er Wasser, die Quelle des Lebens. Und die befindet sich direkt daneben. In der Offenbarung des Johannes, Kapitel 22, heißt es: Und er zeigte mir einen lautern Strom des lebendigen Wassers, klar wie ein Kristall, der ging aus von dem Stuhl Gottes und des Lammes.
Hier ist die Quelle des Lebens ein niedriger Brunnen mit etwa 1,5 Meter Durchmesser. In dieser Größe sind nacheinander immer wieder andere Gesichter darin auf einer Projektionsfläche zu erkennen. Mal sind die Porträts unscharf, dann werden sie klar für ein paar Sekunden, danach verschwinden sie wieder langsam, es taucht das nächste Gesicht auf. Vom Baby bis zum Greis, Männer wie Frauen, Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen - sie alle steigen aus der unversiegbaren Quelle des Lebens vor die Augen des Betrachters.
Wer dann den Raum der Wandlung, den Kokon, wieder verlässt, kann noch einen Nebenraum des Paradieses besuchen, die Oase. Da liegt ein Gästebuch aus. Erkenntnisse, Gedanken, Empfindungen - alles hat dort Platz. Und es geht um Vorschläge für die Beschriftung des Schilderwaldes draußen vor der Kirche. Gespannt warten die Initiatoren auch auf Vorschläge ausländischer Besucher in ihrer Muttersprache.
Am Rande:
Der mächtige neugotische Backsteinbau am Nordwestende des Klagesmarktes wurde 1859 bis 1864 nach den Plänen von Conrad Wilhelm Hase errichtet. Die erste neue Kirche in Hannover seit 1747 wurde von König Georg V. maßgeblich finanziert. Sie hat ungewöhnlich reichen Bauschmuck aus hellem Deistersandstein. Er wurde damals in der Nähe der heutigen Freilichtbühne in Barsinghausen abgebaut. 1995 ließ man neue Buntglasfenster einbauen, die sich an den historischen Vorbildern orientieren. Die 1996 umgestaltete Taufkapelle bietet auf zwei Ebenen Raum für Begegnungen und Andacht. Es ist eine „Oase im Turm“.
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