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Erdkeil und Regenpfeifer
Die beiden Wietzebrücken im Park sind so etwas wie ein Symbol. Sie überbrücken teilweise die Gegensätze vom Spaßsee im Osten mit Beachvolleyball, Badestrand und dem schwungvollen Restaurant und Biergarten „Seehaus Wietzepark“ (da gibt es auch Tanzpartys) mit dem westlichen Wiesenbereich, bei dem Planer öfter mal zum Lineal gegriffen haben.
Der rund 30 Hektar große Park ist ein Beispiel eines gelungenen Gemeinschaftsprojekts zweier Kommunen (Isernhagen im Osten und Langenhagen im Westen) sowie der Region Hannover, das fast keine Wünsche offen lässt. Schon der neue Eingang im Süden zieht einen hinein: Der Fuß- oder Radweg führt durch zwei Schrägbeete hindurch. Die Umrandung - vorn 1,10 Meter hoch, seitlich abfallend - ist aus rostfarbenem Stahl. Der symbolisiert den für die Gegend typischen Raseneisenstein. Aus dem Material ist zum Beispiel der Turm der Langenhagener Elisabethkirche gebaut worden. Man hat das Gefühl, die Erde öffnet sich und will zeigen, was sie in sich hat. Mitten hindurch führt der Weg. Einem langen, schmalen Teppich gleich laden große, anthrazitfarbene Betonplatten den Gast zum Betreten des Parks ein.
Passend zum Thema Eisen sind die Staudenbeete mit Eisenkraut bestückt. Krümel aus Raseneisenstein liegen dazwischen, damit man dieses oberflächennahe Gestein auch mal zwischen den Fingern reiben kann. Es war der Bremer Landschaftsarchitekt Stefan Villena-Kirschner, der dieses Eiseneckenportal entwarf und dabei auch ein wenig die Idee des durchschnittenen Erdkeils aufgriff. Der liegt weiter hinten.
Doch vor einem öffnet sich nun der geometrische Südteil auf der Langenhagener Seite des Parks. Mit Dreieck und Zirkel schufen die Planer Wege und Rondelle sowie einen kleinen See. Dort zu sitzen, am Sandufer den Kindern beim Spielen mit dem umgekippten Boot zuzusehen oder die großen Steine im Wasser und die Insel zu begutachten, ist pure Entspannung. Manchmal sind Flugzeuge zu sehen und zu hören, die in Langenhagen landen oder gerade gestartet sind.
Der große Wiesenbereich ist mit Baumreihen aus Spitzahorn, Vogelkirsche und Linde garniert, zeigt aber ansonsten, wie weiträumig der Park ist. Der lang gezogene Plattenteppich am Eingang sog einen schon in diesen großen Wiesenbereich. Da können sich die Hunde austoben. Ganz weit im Westen des Parks wachsen Obstbäume. Ein Schlenker dorthin lohnt sich immer, besonders zur Erntezeit, denn es wachsen dort nicht nur seltene Sorten. Sie tragen auch schmackhafte Früchte. Da wurden gerade noch ein paar Vitaminspender nachgepflanzt.
Wer dann weiter nach Norden geht oder radelt, sieht einen auffälligen, mit Rasen bewachsenen Erdkeil in der Landschaft. Er weist nach Osten und ist von einem Weg durchtrennt. Wer die paar Meter hinaufgeht, hat nicht nur den besten Überblick über den Wietzepark, sondern erkennt über die Keilspitze hinaus am Horizont das andere große Thema der Anlage - den naturnahen Bereich.
Es sind Altarme der Wietze, die beidseits des Flusses die Lebensgrundlage für eine Vielfalt an Pflanzen und damit auch Tieren gewährt. Kopfweiden wurden gesetzt. Gartenrotschwanz und Grauschnäpper brüten darin gern. Holzstege führen vom Hauptweg stichartig in die vernässten Bereiche. Da strahlt einen etwa das gelbe, schmalblättrige Kreuz- oder Greiskraut an. Es stammt aus Südafrika und blüht, wenn auf der Südhalbkugel Frühling ist, also im Herbst des Nordens. Das weiße Asternkraut ist zu sehen, Hagebutten, Holunder und Weißdorn wachsen. Rund ums Jahr buhlen immer andere Blüten um die Blicke der Besucher.
Es gibt im Norden auch so genannte Offenbodenbereiche. Da ist der gelbe und rote Untergrund mit Raseneisenstein zu erkennen. Es wachsen Birken, Eschen, Erlen und Kräuter, die sich ohne Zutun des Menschen dort verbreiten. Gepflanzt wurden etwa die Sommerlinden mit ihren rotviolett glänzenden Knospen, die Stieleichen oder auch die Silberweiden. Sie tragen rötliche, gebogene Spitzen und graues Flaumhaar.
Ein Rundweg führt zur nördlichen Wietzebrücke. Von dort lässt sich der schnurgerade Weg entlang der Wietze nach Süden gehen, oder man wechselt in den Osten und umrundet den Hufeisensee. Im nördlichen Teil wird noch Sand abgebaut. Doch entlang der Straße Landwehrdamm nach Süden hat sich Neues getan: Ein Nebenarm reicht jetzt von der Wietze ins Ostufer.
Die Freiraumplanerin Christine Früh hat dort Vogelschutzflächen entstehen lassen. Sie mussten eingezäunt werden, denn für Hunde ist der Bereich wegen der bodenbrütenden Vögel tabu. Schnell haben sich Strandläufer auf den aufgeschütteten Kiesflächen sehen lassen. Der Flussregenpfeifer, im Sommer sonst weiter nördlich an der Wietze zu Hause, lässt sich öfter hier blicken.
Wenn der Vogel unterwegs in den Süden ist, galoppieren am Hubertustag in jedem Jahr viele Reiter die Wietze entlang. Es ist eine unblutige Jagd. Spürhunde folgen einer künstlich gelegten Fuchsfährte. Mit Jagdhörnern und viel Gebell ist die durchziehende Meute in jedem Herbst eine Attraktion. Reiter sind auch sonst im Park unterwegs - auf den dafür vorgesehenen Wegen.
Im Sommer aber ist der Hufeisensee mit seinen Badebuchten und Spielflächen der Gästemagnet. Der große Fahrradständer ist dann meist voll, der Parkplatz am Reuterdamm auch. Viele kommen auch mit dem Linienbus, weil es sogar die Haltestelle Wietzepark gibt.
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