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Park der Sinne, Laatzen (21)

Region Hannover
Langreder
©   Langreder
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Reizvoller Spielraum

Die Moislinger Klangschale aus dickem Stahl hat zwei Meter Durchmesser und steht voller Wasser. Schon bald nach dem rhythmischen Anstoßen dieses unteren Abschnitts einer großen Kugel schwingt die Schale. Das lässt sich hören, wenn man das Ohr dranhält. Das lässt sich sehen, weil die Schwingungen hier Wasser in Wellen presst, die starr stehen. Das lässt sich spüren, wenn man den Finger ins Wasser hält.

Auf diese Weise sind schon mal drei Sinne angesprochen. Der Park der Sinne hält noch viel mehr bereit, was zu einer Reizüberflutung im positiven Sinne beiträgt. Denn der Mensch ist heutzutage arm dran, was seine Sinne angeht. Zwei davon werden dauernd überfordert - das Sehen und Hören. Der Rest verkümmert.

Es ist dem Landschaftsarchitekten Hans-Joachim Adam zu verdanken, dass die ehemalige Hausmülldeponie mit reichlich Bodenaushub vom Expo-Gelände zu einem sinnvollen Stück Erde wurde. Adam setzte auf den Hausmüll einen Lehmdeckel, so sickert kaum Wasser in die Tiefe. Er legte einen bis zu neun Meter hohen Wall um die Kuhle, aus der bis 1938 Sand für die nahen Ziegeleien gebaggert wurde. So entstand ein Talkessel, in dem sich der Besucher geborgen fühlt und vom Lärm der Umgebung abgeschirmt ist. 15.000 Wildrosen am Wall vermischen im Mai und Juni die Laatzener Luft mit ihren betörenden Duftstoffen. Und dann erinnerte sich Adam an Hugo Kükelhaus.

Der Pädagoge, Handwerker, Philosoph, Forscher und Schriftsteller (1900-1984) hatte schon früh erkannt: Wo die Sinne nichts zu tun bekommen, wo die Technik die Umwelt ersetzt, da verarmt der Mensch innerlich. Die Sinne brauchen Spielraum. Kükelhaus baute deshalb schon 1939 Holzspielzeug für Kleinstkinder. Er sah auch bei vielen Erwachsenen die leiblichen und seelischen Kräfte aus dem Lot geraten. Im Park der Sinne lassen sie sich wieder einpendeln.

Dieser Weg wird ein wenig steinig sein - am besten geht es sich barfuß über die paar Meter Stock (runde Holzbohlen) und Stein (gebrochene Platten). Grobe Kiesel oder Sand, spitze Brocken oder Ziegel - schön, wer dabei die Augen schließen kann. Er spürt mehr. Er träumt von dem, was ihm seine Erinnerung serviert, wenn die Füße jeweils anderen Bodenkontakt bekommen.

Ein paar Schritte weiter kann jeder mal den Kopf in einen Stein stecken. Der mannshohe Summstein hat ein Kopfloch. Es mag komisch aussehen, sicher klingt es auch so, aber wer dann in dieser Höhle laut an zu summen fängt, spürt seinen Körper vibrieren. Er hat vielleicht sogar das Gefühl, Kopf und Körper seien voneinander getrennt. Ein emotionales Erlebnis.

Der „Ort der Idylle“ mit dem kleinen Teich und der Pergola ist das Richtige für Verliebte. Hochzeitspaare eilen vom Laatzener Standesamt herbei, um sich da fotografieren zu lassen. Es sind die Stauden, die Blüten, das Wasser, die Ruhe und der Schutz der runden Steinmauer, die dem Ort seinen Liebreiz geben. Experimentierfreudige Gäste haben herausgefunden, dass sich ihre in die tiefen Fugen der Mauer geflüsterten Worte wunderbar weit übertragen.

Das geht noch besser zwischen zwei senkrechten Schalen, die an Parabolantennen erinnern, und auf dem Rasen 30 Meter voneinander entfernt stehen. Über diese Distanz lässt sich einem anderen mühelos etwas flüstern. Ganz in der Nähe werden Kräuter aufgetischt. Wer sich auf die Bank am Tisch setzt, gerät mit der Nase leicht zwischen die Blütenstempel. Auch das ist ein Erlebnis.

Im Heckenlabyrinth tauchen plötzlich Tastsäulen auf. Sie verkörpern Elemente aus dem Märchen Schneewittchen wie Spiegel, Tellerchen oder den gläsernen Sarg. Dann steht da ein Sabbat-Tisch im Steindesign - alles hübsch gedeckt für vier Personen, aber steinhart und nur zum Angucken und Anfassen. Es lockt der Garten der Düfte. Es wachsen Apfel-, Birnen-, Kirsch- und Zwetschgenbäume in der Obstwiese. Es blühen Schlüsselblumen. Ein Bach zieht sich durchs Gelände. Das Thema „Wasser“ ist an vielen Stellen wahrzunehmen. Bienen summen. Schmetterlinge präsentieren ihre bunten Schwingen. Der Park der Sinne lässt sich immer wieder neu erleben, je nach Jahreszeit, je nach Sitzmöbel, je nach Blickrichtung, je nach der eigenen Stimmung.

Ein Förderverein, in dem jeder Mitglied werden kann, kümmert sich um den Erhalt und die dauernde Schönheit der Anlage. Kunstobjekte schmücken den Raum. Das doppelte Insektenauge, in das sich zwei Besucher nebeneinander stellen können, gibt ganz viele facettenartige Ausblicke auf den Park frei - so wie ihn die Hummeln sehen, die gerade vorbeifliegen. Ein Künstlerpicknick wird veranstaltet sowie zahlreiche Theateraufführungen, Lesungen und Konzerte. Das alles geht am „Ort der Begegnung“ über die Bühne, ein halbrundes Amphitheater.

Wenn es dann spät geworden ist, muss den Gästen heimgeleuchtet werden. Zumindest bis zu den vier Ausgängen aus dem Park sind nun besondere Lämpchen und Lampen installiert. Die haben Studenten des Designstudiengangs der Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen entworfen, Weltneuheiten allesamt. Das Laatzener Lighting-Design entstand unter der Leitung von Prof. Norbert Wasserfurth. Das Parkleuchten ist wieder so ein unverwechselbares, reizvolles Erlebnis.


V.i.S.d.P. Region Hannover


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