´

Schloß Landestrost, Neustadt a.Rbge. (24)

Region Hannover
Garten Schloß Landestrost
Garten Schloß Landestrost
Erichsberg mit Kasematteneingang
Erichsberg mit Kasematteneingang


Historischer Amtsgarten am Schloss Landestrost - Das Grüne Gewölbe

Dieses Ensemble gleicht einer bunten Überraschungstüte. Da ist so viel drin von unterirdischen Gängen, Sekt, Torf, Hafen und Weserrenaissance, einer Wassermühle und einem seltsam hohlen Hügel. Der Rundweg „Am Stadtwall“ vereint die Elemente am besten. Wer den abgeht, sieht Neustadt mit anderen Augen - aber der Reihe nach.

250 Jahre alt und 70 Meter lang, 8 Meter hoch, im Sommer angenehm schattig und grün, dreieckig im Querschnitt - das ist der Laubengang im Amtsgarten von Schloss Landestrost. Wer unter den knorrigen Hainbuchen durchschreitet, kann sich nur gut fühlen. Die in Ost-Westrichtung verlaufende Allee wird auch Grünes Gewölbe genannt. Darin geht es liebevoll zu - Hochzeitspaare tauchen öfter auf. Da kann man aber einfach auch einmal Verstecken spielen.

Südlich dieses grünen Riegels wird der Amtsgarten, ein historisches Gartendenkmal, schnell spitz. Wege und Bäume laufen auf die südliche Bastion zu, die aus der Luft betrachtet einer Speerspitze gleicht. Wer da auf dem Aussichtsplateau steht - es ragt zehn Meter aus der Landschaft - und über die flache Steinmauer der Wall- und Verteidigungsanlage schaut, hat einen grandiosen Blick ins Leinetal mit dem Abzweig der künstlich angelegten Kleinen Leine. Schilf, ein Teich, Enten und Pferde sind zu sehen. Von da oben kann der Gast den Schwänen fast ins Nest schauen. Nur damals stand man hier aus einem anderen Grund: frühzeitig feindliche Krieger zu entdecken.

In der Nähe erinnert noch eine alte Kanone an die Zeit. Diese Wallanlage, auf der sie steht, umgab vom Schloss her früher die ganze Stadt. Im Norden sicherte eine Bastion - der Erichsberg - die Festung. Die Kleine Leine und ein Burggraben - hier ist später die Leutnantswiese am Fuß des Walls entstanden - umgaben die Anlage und sicherten sie zusätzlich. Der Historische Hafen, der jetzt am Nordteil des Schlosses wieder ausgebaggert wurde, unterstreicht die Rundumsicherung durch das Wasser. Der Schlossgarten und spätere Amtsgarten aber war zwei Jahrhunderte lang nur eine schlichte Grünfläche. In einem Plan von 1751 sind Gartenland ohne Gestaltungsform sowie Beete entlang der Ostseite des Schlosses zu erkennen. Dann erst nahm das Ganze langsam Form an: Zwei gestaltete Gärten mit Wegekreuz und Beeten sind in einem Plan von 1757 nachzulesen. Ein Barockgarten wird sichtbar.

Wer oben drauf steht, bemerkt nicht, dass die Wallanlage des Schlosses Landestrost hohl ist. Da befinden sich immer noch die Kasematten. Das ist im Grunde ein Erdschlund oder ein unterirdisches Gewölbe in einer Festung. Da waren einerseits die Soldaten sicher vor Angriffen, andererseits konnten sie von da aus durch den Wall nach draußen gelangen, um dort den Feind zu überraschen. Manchmal nur wird das große, alte Tor zu dem eindrucksvollen, langen Gewölbegang von Landestrost geöffnet. Es knarrt etwas, und die Kühle streicht heraus. Es sind Aufführungen oder Veranstaltungen bei Kerzenschein zu sehen. Und Sekt der einzigen Sektkellerei in Niedersachsen ist da versteckt. Bei der dort traditionell praktizierten Flaschengärung müssen die Flaschen von Zeit zu Zeit gedreht werden. Ansonsten ist Duprès im Gewölbekeller angesiedelt, der sich vom Innenhof des Schlosses aus erreichen lässt.

Wer dann im Innenhof steht, sollte aufblicken. Mitten drin wächst eine mächtige Kastanie. Sie ist ein Prachtexemplar. Aber auch die Mauern, Simse und Eingänge des Schlosses sind ein paar Blicke wert. Es geht hinauf zum Torfmuseum und eine Ausstellung über Herzog Erich II. ist zu sehen. Auch das Archiv der Region Hannover befindet sich im Schloss, ebenso das Team Kultur der Region. Gegenüber im Anbau sind die Bücher der Bibliothek aufgereiht.

Leutnantswiese - Picknick mit Leineblick

Oben der strenge Amtsgarten, zehn Meter tiefer die lockere Leutnantswiese - sie konnte erst entstehen, als der Graben am Fuß der Festung zugeschüttet war. An diesem Übergang zur Leineaue befindet sich heute die Leutnantswiese. Es sind weite Rasenflächen, einzelne Prachtbäume wie ein Urwaldmammutbaum oder eine Sumpfzypresse und zum Teil dichte Strauchgruppen, die man auf dem Rundweg um die „Speerspitze“ des Amtsgartens erkennt. Aber es ist auch der Blick auf das abends angestrahlte Schloss und den illuminierten Laubengang über den zehn Meter hohen Mauern und in die Wiesen oder zum Ufer der Kleinen Leine, die den Besucher fesseln. Manchmal sind sogar Eisvögel zu beobachten. Hier lässt sich picknicken. Hier lässt sich spielen. Hier trifft man sich im Sommer.

In dieser Art von grünem Ring um Neustadt sind immer wieder freundliche Eingänge und Wege geschaffen worden. Es wurden Bänke aufgestellt. Der nördlich liegende Spielplatz gehört nun zum Park dazu, mit seinem großzügigen Eingangsbereich und dem neu angelegten Schmuckbeet. Dieser Bürgerpark Leutnantswiese entstand in den siebziger Jahren und hat sich seitdem zu großer Blüte entfaltet.

Historischer Hafen - Kanus können kommen

Nördlich des Schlosses zweigt ein Wasserarm von der Kleinen Leine ab. Eine gebogene Brücke lässt so viel Raum, dass Kanufahrer unterdurch passen. Sie können anlegen wie einst die Torfkahnkapitäne. Der Rohstoff aus dem Moor war viele Jahre ein wichtiges Handelsgut, was sich oben im Torfmuseum des Schlosses nachlesen lässt. Auch Holz wurde auf diese Weise befördert.

Dieser nun freigebaggerte, historische Hafen ist auf alten Plänen erstmals 1885 zu sehen. Teiche östlich und westlich der Schlossstraße, die wahrscheinlich eine Brücke war, sind schon seit Mitte des 18. Jahrhunderts auf den Karten eingezeichnet. Die Stadt Neustadt kaufte die Flächen, um mit dem Hafenausbau das Stadtbild zu verschönern. So sehr maritim wirkt Neustadt dadurch trotzdem noch nicht, was an den bescheidenen paar Metern Hafen und auch den wenigen Liegeplätzen liegen mag. Aber dieser Wasserarm unterstreicht das Bild vom Schloss und der Festung, wie es mal war - umgeben von einem Wassergraben. So tritt ein Ensemble zu Tage, das mit Schloss, Festungsanlage, Leutnantswiese, Amtsgarten und Leine durch das Gesamtbild auf ganz neue Weise besticht. Wer nach der Umrundung der Anlage oder einer Kanutour eine Stärkung braucht, findet sie in einem Café im Schloss oberhalb des Historischen Hafens. Wer sich aber auf den Rundweg um Neustadt macht, geht links der Kleinen Leine entlang einen idyllischen Weg weiter nach Norden bis zur Ecksteinmühle. Turbinen werden vom Wasser getrieben, die Strom ins Netz speisen. Ein kleiner Laden befindet sich an der Mühle. Dann aber geht es links weiter nach Westen über den Mühlenhof und die Leinstraße hinweg bis „Am Walle“. Da öffnet sich schon der Park vor dem Erichsberg, der nördlichen Bastion des früheren Stadtwalls.

Park Erichsberg - Relief zum Begreifen

Es wäre eine Frage für Kreuzworträtselfreunde: höchster Berg in Neustadt? Erichsberg lautete die richtige Antwort. Er ist 47 Meter hoch, aber aus der Umgebung erhebt er sich etwa acht Meter. Er ist zudem auch nur  ein künstlicher Berg, und in sich trägt er die Fundamente einer ehemaligen Bastei. Das rondellartige Bollwerk mit Schießscharten an der Nordwestecke des Schutzwalls von Neustadt ließ Erich II. im 16. Jahrhundert bauen. Es sollte Angreifer abschrecken. Als der Herzog mal wieder von einem italienischen Söldnereinsatz zurückkam, hatte er viel bessere Festungsanlagen gesehen. Also wurde umgebaut. Aus der kleinen Bastei mit Schießscharten wurde eine viel größere und höhere Bastion. Flankenhöfe nach Osten und Süden entstanden. In den achtziger Jahren wurde am Erichsberg kräftig gegraben. Zwei Kasemattentore, Fundamentreste und Teile des Festungsgrabens kamen zum Vorschein. Die Teile wurden fachmännisch ergänzt, die Kasemattentore restauriert. Doch nun ist es Zeit, mal hochzuklettern.

Von der höchsten Erhebung Neustadts aus unter einem alten Baumbestand öffnet sich der Blick nach Süden zu einem Bouleplatz, zu Wegen, einer großen Eiche, einem Teich mit Schilf und zu Pflasterflächen. Dies ist ein wirklicher Naherholungsraum für die Anwohner der Altstadt.

Dann fällt der Blick nach Südosten. In diesem Graubereich zwischen zwei Grünzügen herrscht das Kopfsteinpflaster. Es ist ein Entfaltungsraum für Straßenkünstler und der Übergang zur Altstadt.

Nach Osten fällt der Blick auf den größeren Teil der Parkanlage. Die geometrisch streng geformte Wasserfläche ähnelt dem alten Wallgraben. Die Uferkante ist zum Stadtplatz hin abgemauert und erinnert so an den früheren Wall. Dessen Verlauf wird noch stärker betont durch eine Lindenreihe. Um den Park so zu gestalten, wurde eine Straße weggenommen. Hainbuchenhecken und Staudenbeete erfreuen das Auge.

Über eine kleine Bogenbrücke führt der Weg zu einem „Nurdachhaus“, jedenfalls hat es keine Seitenwände. Mitten drin steht so etwas wie ein Gedenkstein. Wer näher kommt, erkennt ein markant geformtes Metallrelief der Bastion und des Umfelds. Es ist die Stadtbefestigung von 1578 - sogar gut für Sehbehinderte zu ertasten. So kann man die Geschichte des Erichsbergs begreifen. Ein Spielplatz, große Trauerweiden und Grünflächen laden zum Verweilen ein.

Die Wallrunde führt dann weiter Richtung Süden durch die Wallstraße und Marktstraße entweder zum Bahnhof, in die Fußgängerzone der Altstadt oder weiter über „Am Walle“ zum Amtsgericht und Schloss Landestrost.


V.i.S.d.P. Region Hannover


Seite drucken