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Im wunderschönen Naherholungsgebiet Kleiner Deister durchzieht eine 2,20 Meter hohe Mauer die Landschaft, und keiner protestiert dagegen, sondern man stellt sie unter Schutz und spricht von „Mauerpark“. Wie kommt denn so etwas?
Schuld ist ein gewisser Amtmann Wedemeyer. Der war es, der 1779 eine Klage gegen den Kurfürsten anstrengte - ein unerhörter Vorgang. Jenem Wedemeyer war es ein Dorn im Auge, dass der Wildbestand des kurfürstlichen Jagdgebietes am Kleinen Deister so hoch war. Das führte auf seinen Ländereien zu massiven Fraßschäden. Er forderte Schadensersatz. Als er dann nach 50 Jahren tatsächlich den Prozess gewann, entschloss man sich zu einem ungewöhnlichen Schritt: Die Jagdreviere Springe und Altenhagen wurden einfach eingemauert. 1600 Hektar Wald sind seitdem umschlossen. Das Wild blieb drin, und nebenbei wurde die Jagd viel einfacher.
So ist es noch heute, nur dass sich innerhalb der gemauerten Umfriedung kein Rotwild mehr befindet. Aber die Mauer ist noch die alte, und sie ist nicht nur wegen ihrer Länge von mehr als 16 Kilometern bemerkenswert. Sie besteht aus regionalem Kalksandstein und ist ein charaktervolles altes Bauwerk. An ihr lässt sich ablesen, wie die damaligen Ländereien verliefen, Mit dem Wechsel des Anrainers ändert sich auch ihr Aussehen. Ihre Höhe behält sie durchgehend bei, aber die Beschaffenheit von Steinen und Fugen unterscheidet sich, ebenso die handwerkliche Qualität.
Wer an der Mauer entlang wandert, bemerkt einen ganz unterschiedlichen Bewuchs. An einigen Stellen gedeihen allenfalls Moose und Flechten, auf anderen Teilstrecken beschatten auf der Mauer wachsende Farne den Weg des Spaziergängers. An anderen Stellen haben es sogar Hagebutten geschafft, auf der Mauer Fuß zu fassen. Vielerorts dient sie bereits Höhlenbrüter, Eidechsen und Blindschleichen als Unterschlupf.
Immer noch ist der Wildbestand hoch. Es begegnen einem kleinere Wildschweinrotten, deren Verhalten keinen Zweifel daran lässt, wer auf dem Gelände das Sagen hat.
Einmal im Jahr müssen die Schwarzkittel freilich um ihr Leben fürchten, denn gejagt wird hier immer noch. Waren es damals die Adeligen und später Gäste der Landesregierung, kann heute jeder Jäger ohne Revier gegen einen (nicht gerade geringen) Betrag an der Jagd im Mauerpark teilnehmen, vorausgesetzt, er bekommt einen der begehrten Plätze.
Heute ist man allerdings etwas humaner zum Wild. Als Wilhelm II. hier jagte, trieb man dem Monarchen durch eine Stafette Spalier stehender Helfer ein ums andere Wildschwein zu, bis der am Ende auf der Lauer liegende Kaiser genug erlegt hatte. Ladeschützen reichten ihm die Büchsen an, da er sich ja aufgrund seines gelähmten Armes mit dem Laden schwer tat. Eine große Anzahl von Tieren wurde bei jeder Jagd erlegt, so dass die Schlossküche immer gut versorgt war. Der Satz „So schnell schießen die Preußen nicht“ kann unmöglich in Springe entstanden sein.
Die Allee - Des Kaisers fette Beute
Dem Kaiser aber gab man, was des Kaisers ist, sogar einen eigenen Bahnhof, die so genannte Kaiserrampe zwischen Eldagsen und Springe. Hier stieg der Kaiser samt Gefolge aus dem Zug von Berlin und fuhr über die Kaiserallee zum Jagdschloss. Die Allee gibt es heute noch, sie führt über einige Kilometer schnurgerade auf das Schlösschen zu. Damals stand hier die Bevölkerung grüßend Spalier, wenn der hohe Besuch kam; heute stehen nur noch die Kastanien. Zu Hunderten bilden sie die Allee. Leider sind sie, wie fast alle Kastanien, von Miniermotten befallen, so dass es bereich zahlreiche Verluste gab und viele der großen, alten Kastanien gefällt und durch neue ersetzt werden mussten. Für viele der Bäume haben hilfreiche Bürger oder Vereine Baumpatenschaften übernommen.
Im Jagdschloss, dem mittleren Gebäude eines aus drei Häusern bestehenden Ensembles, ist heute das „Museum für Natur - Jagd – Kultur“ untergebracht. Hier kann sich der Besucher unter anderem über die heimische Tierwelt informieren. Gleich hinter dem Eingang begrüßen einen ein ausgestopfter Braunbär und die Überreste etlicher prähistorischer Tiere.
Das Schloss, das unter Mitwirkung des hannoverschen Hofbaumeisters Georg Ludwig Friedrich Laves entworfen wurde, beherbergt außerdem etliche historisch bedeutsame Wand- und Deckenmalereien. Der Tiermaler Fritz Laube hat sich dort verewigt. Großflächig ist der Lebensrhythmus der Wildtiere zu bewundern.
Wer sich nicht für die Jagd erwärmen kann, aber im Museum Lust auf eine Begegnung mit dem einheimischen Wild bekommen hat, der kann im ebenfalls innerhalb der Mauer gelegenen Wisentgehege unsere Fauna kennen lernen.
Wisentgehege - Dicht am Wild
Das Wisent, ein riesiges Wildrind für dessen Erhalt das Wisentgehege 1928 gegründet wurde, ist nur eine von 120 Tierarten, die hier in naturnah gestalteten Gehegen zu beobachten sind. Natürlich fehlen die obligatorischen Wildschweine und das andere einheimische Großwild nicht, und auch Wölfe und Bären gibt es zu sehen. Darüber hinaus sind auch Zugewanderte da, wie der Marderhund und Eingebürgerte wie der Waschbär. In Terrarien werden einheimische Reptilien und Amphibien gezeigt, und eine Falknerei veranstaltet zweimal täglich eine Flugshow.
Die Gehege sind in die Landschaft rund 90 Hektar großen Fläche integriert und teilweise so groß, dass der Besucher häufig etwas Geduld braucht, um die Tiere zu Gesicht zu bekommen. Die seltenen Sorraiapferde etwa verstecken sich wie in freier Wildbahn gerne im Wald, und auch die scheuen Elche machen es dem Gast nicht leicht. Einige Hügel und künstliche Aussichtspunkte ermöglichen einen besseren Überblick, so dass die meisten Tiere früher oder später doch zu erspähen sind. Einigen Bewohnern des Wisentgeheges kann man sogar ins Schlafzimmer schauen, wie zum Beispiel den Bibern, deren Bau auf einer Seite mit einer Glasplatte ausgestattet ist, durch die der Besucher von einem abgedunkelten Raum aus die Nager beim Säugen ihrer Jungen beobachten kann.
Aber nicht nur die Tiere des Waldes sind ein Thema im Wisentgehege, auch die Flora und Aspekte der Ökologie werden anschaulich vermittelt. So gibt es einen Pilzlehrpfad, eine Riechorgel und vieles mehr.
Dafür, dass es im Wisentgehege nicht langweilig wird, tragen mehrere Feste im Jahr bei. Es gibt das Märchenfest, das mittelalterliche Fest, die Kürbiswoche und die Wolfstage. Und im Herbst, wie könnte es anders sein, eröffnen Jagdhornbläser die Jagdsaison beim Hubertusfest.
Jede Jahreszeit hat ihren besonderen Reiz im Wisentgehege Springe.
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