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Hermannshof (33)

Region Hannover
Äpfel am Baum, im Hintergrund eine Obstbaumwiese
©   Region Hannover, Christian Stahl
Wiese mit weissen Gartenhortensien
Weisheit, Stärke und Schönheit

Die Gebäude, die den kleinen Hof säumen, wären nicht weiter auffällig, wenn das größte der Häuser nicht so eine merkwürdige Farbe hätte. Bei näherer Betrachtung zeigt sich eine Borte aus Buchstaben um das hellgrüne Haus. Auf der dem Park zugewandten Längsseite steht das Fragment: „Ach wenn ja wenn - ja wenn ja wenn ja wenn … (etwa 15 Mal!) ja  wenn die Bukolik nicht wär!“
Auch nach Lektüre des Spruchs auf den anderen Seiten wird einem das Ganze nicht unmittelbar verständlich. Bukolische Dichtung beschäftigt sich mit Hirten. Die Ursprünge sind sizilianisch-griechische Hirtengesänge. Es handelt sich bei der Inschrift um Teile aus einem Stück des Jahres 2001 von den zeitgenössischen Schriftstellern Bernd Rauschenbach und Jörg W. Gronius, das den Untertitel „Die Hermannshofschlacht“ trägt. Das ist Kunst, soviel wird zumindest jedem klar.

Am anderen Ende des Geländes wird der Satz konterkariert durch das bekannte Gedicht von Otto Julius Bierbaum: „Und ich gehe mit euch / die ich lieb hab / in den Schatten unseres Hauses / in den Garten voller Schönheit / in den Frieden“.

Das Gelände des Hermannshofes ist voller Gegensätze.  Die Anlage ist symmetrisch, aber wild, naturnah und doch künstlich. Der hannoversche Fabrikant Hermann Rexhausen hatte 1916 das Gelände gekauft und den Worpsweder Architekten Bernhard Hoetger mit der Gestaltung eines Sommerhauses samt Garten beauftragt. Dieser entwarf ein expressionistisch angehauchtes Haus und einen geometrisch angelegten Garten. Heute ist das Gelände niedersächsisches Kulturdenkmal. Alte Gestaltungsprinzipien werden wieder spürbar. So wurde das historische Kastanienrund wieder bepflanzt und die Streuobstwiese mit ihren alten Apelsorten wieder neu angelegt. Unter der Regie des Vereins Kunst und Begegnung Hermannshof und ihrem Leiter Eckart Liss wird das Gelände zur alten Form zurückgebracht und gleichzeitig mit neuen Impulsen versehen.
Im hinteren Teil des Geländes befindet sich der zusammen mit dem Haus erbaute Teepavillon. Von der Terrasse des Pavillons aus lässt sich in den das Gelände begrenzenden alten Steinbruch hinabsteigen. Doch was ist das? Aus der verwilderten Schlucht schauen plötzlich zwei funkelnde Augenpaare. Aber der Schreck ist unnötig, es sind nur zwei Rehe, die sich hierher zurückgezogen haben und nun in gemächlichem Tempo verschwinden.
Gegenüber dem Teepavillon befindet sich das neu erbaute Haus im Park. Dieses Bauwerk ist Veranstaltungsort für die viele Arten von Kunstvorführungen. Musik, Literatur, bildende Kunst – die Palette ist bunt und vielfältig. Das Haus im Park hat eine offene Architektur und erinnert mit Absicht an eine Scheune. Nach zwei Seiten hin öffnet es sich zur Gartenanlage, so dass sich die Begegnung mit Kunst zwar im Trockenen, aber doch im Park ereignet. Das Haus hat ein Untergeschoss, das für Ausstellungen genutzt werden kann und einen Tagungsraum, der für Seminare zu mieten ist. Von Zeit zu Zeit wird auch der kleine Teepavillon in Kunstprojekte mit einbezogen.

So unterschiedlich die Orte und die Aufführungssituationen sein können, so unterschiedlich sind auch die Ansichten des Parkgeländes zwischen Bierbaums Vision von Schönheit und Frieden und der wilden Schlucht des Steinbruchs, zwischen der abgezirkelten Geometrie des Geländes und dem geradezu verspielten Charakter der Streuobstwiese.
Früher stand auf der Borte des Haupthauses: „Weisheit  leite, Stärke schütze, Schönheit ziere unser Haus.“ Die Gestaltung des Parks zeigt, dass dieser Wunsch in Erfüllung geht.


V.i.S.d.P. Region Hannover


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