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Ein eiszeitlicher Erlebnispfad - Brelinger Berg (36)

Region Hannover
Findlingsstapel mit Erläuterungstafel
Steineres Fernrohr
Bewegte Steine

Wo ist denn jetzt Pippi Langstrumpf? Durch das Steinfernrohr am östlichen Waldrand der Brelinger Berge fällt der Blick Richtung Småland - der südschwedischen Heimat von Astrid Lindgrens Kinderfigur. Pippi ist wahrscheinlich verreist, jedenfalls ist sie nicht zu sehen. Småland liegt 600 Kilometer entfernt Richtung Nordosten. So weit lässt sich auch bei bester Sicht nicht schauen. Außerdem handelt es sich bei diesem Findling auf einem Stativ auch nicht um ein echtes Fernrohr. Es ist lediglich ein durchbohrter Gneis, bei dem im Visier die Ursprungsgegend und die Entfernung dahin angegeben sind. Das Verblüffende: Genau dieser Stein, durch den man in Richtung von dessen Heimat schaut, hat sich zur Saale-Eiszeit per Gletscher von dort auf den Weg nach Brelingen begeben. Nebenan stehen noch drei durchbohrte Findlinge auf Stativen. Wer da hindurchblickt, kann sehen, woher der Stein kommt. Mehr noch: Der Blick vom bis zu 95 Meter hohen Brelinger Berg fällt in die norddeutsche Tiefebene. Wir schauen also dorthin, von wo die Steine kamen.

Die Landschaftskünstler Frank Nordiek, ein promovierter Geowissenschaftler, und Wolfgang Buntrock, ein Landschaftsarchitekt, haben auf ihrem eiszeitlichen Erlebnispfad, der sich als Rundweg fünf Kilometer lang zwischen Oegenbostel, Brelingen und Bennemühlen erstreckt, Geologie zum Anfassen zu bieten. Jederzeit zugänglich, kostenlos und ohne vorgegebene Reihenfolge sind die Objekte zu sehen, zu fühlen, zu schieben oder zu sortieren. Bei der Entwicklung der Stationen haben die Künstler an Erlebniszentren wie das Phaeno in Wolfsburg oder das Universum in Bremen gedacht.

So verbinden sich hier am Brelinger Berg Landschaftserlebnis und Kunst in letztendlich zehn solcher Stationen zum Mitmachen oder Staunen und dem Verständnis für ein Stück Erdgeschichte, das 180.000 Jahre zurückliegt. Die Folgen aber, diese Findlinge, liegen heute den Menschen zu Füßen. Und viele wollen wissen, wie sie hierher gekommen sind. Geschiebekundler konnten bei einigen Steinen recht genau festgestellt, wo genau sie in Skandinavien losgeeist wurden.

Am Steinstapel mit vier solchen Brocken stellt sich jeder Findling mit Art und Herkunft (soweit bekannt) vor. Damit sie nicht zumoosen, sind einige Stellen der Steine poliert worden. Wer da mit der Hand drüberfährt, bekommt einen Eindruck, welcher Stein grobkörnig oder glatt, porös oder kantig ist. Auf dem Weg zu den nächsten Stationen sind Wälder zum Spielen und Verstecken da, Blicke in die Sandgruben oder auf Felder eröffnen sich, auch verschiedene Baumgerüche lassen sich wahrnehmen.

Plötzlich ist in einem Eichenhain die nächste Station zu sehen. Wer auf 20 Meter Schienen selbst mal einen Stein aus der Eiszeit schiebt, kann ermessen, was da für Kräfte herrschten - und wie schnell oder langsam das mit dem Steintransport ging. Ein langsamer Gletscher wuchs nur rund fünf  Zentimeter am Tag, ein schneller machte dagegen 110 Meter. Auf der langen Reise im Eis oder unten drunter unter dem vielleicht zehn oder 100 Meter hohen Gletscher wurden die Steine immer kleiner. Wie die Steine auf dem langen Weg zerrieben und abgeschliffen wurden,  verdeutlicht eine andere Station bei Bennemühlen.


V.i.S.d.P. Region Hannover


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