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Von Ronald Meyer-Arlt
Mag sein, dass im Rathaus gelegentlich mal getrickst, geschummelt und getäuscht wird – aber sicher nie mit der Perfektion, mit der Hannovers Hauszauberer Desimo das macht. Er war gestern einer der Gäste von „Gehirn und Magie“, einem Abend in der Reihe „Wissenschaft im Rathaus“. Weil das Publikumsinteresse so groß war, musste die Veranstaltung vom Bürgersaal in die große Halle verlegt werden.
Mehr als 600 Besucher hatten sich angemeldet, etwa 500 sind gekommen. Das freute Oberbürgermeister Stephan Weil. Er dankte der Volkswagenstiftung, die die Reihe finanziert, und ließ sich dann zusammen mit den anderen Gästen von Desimo verzaubern, der die Gäste mit einem Zeitungszerschneidetrick und einem Gedankenlesekunststück begeisterte. Wie macht der das bloß? Das wurde selbstverständlich nicht verraten, auch nicht von einem, der vielleicht hätte darauf kommen können. Gerald Hüther, Neurobiologe aus Göttingen und Autor vieler spannender Bücher (darunter auch „Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn“) fragte in seinem Vortrag, was eigentlich glücklicher mache: „Verzaubert werden oder andere verzaubern?“. Seine Antwort: „Das Schönste ist, wenn wir uns gegenseitig verzaubern.“ Schnell kam er von der Verzauberung auf die Begeisterung zu sprechen. Sie ist für ihn der Schlüssel zum Lernen. Die Voraussetzungen eines guten Lehrers seien auch die eines guten Zauberers: Er muss Menschen einladen, ermutigen und inspirieren. Und dazu muss er die Menschen mögen.
Wie man Menschen begeistern kann, davon berichteten in der Expertenrunde auch Mandy Roy von der Klinik für Psychiatrie der MHH und Sabine Busmann vom Musikzentrum Hannover. Am Ende waren die Zuschauer begeistert – und zum großen Teil auch verzaubert.
Am 29. Oktober gibt es wieder „Wissenschaft im Rathaus“. Unter dem Titel „Geschüttelt, nicht gerührt“ geht es um „James Bond und die Physik“.
HAZ-Ausgabe vom 17. September 2010