Drei Jahre nach der Verabschiedung des Lokalen Integrationsplans (LIP) durch den Rat der Stadt Hannover hat sich viel getan: Ein Großteil seiner 243 Handlungsansätze befindet sich in der Umsetzung, zahlreiche im LIP aufgeführte Projekte wurden erfolgreich gefördert und immer wieder dient der Text als Grundlage für neue Ideen und Konzepte – eine Zwischenbilanz, die sich sehen lassen kann. Allerdings funktioniert all dies nur im intensiven Zusammenwirken von Stadtgesellschaft, Politik und Stadtverwaltung. Aus diesem Grund hat Oberbürgermeister Stephan Weil alle interessierten Einwohnerinnen und Einwohner am 6. Mai 2011 zum Zweiten Integrationsforum ins Freizeitheim Vahrenwald eingeladen, um gemeinsam zu diskutieren, wo können wir besser werden? Was soll ausgebaut und weiter entwickelt oder was sollte verworfen werden?
Unter Leitung des Oberbürgermeisters wurde das Forum am frühen Nachmittag gestartet. In seiner Eröffnungsrede konnte er erfreut feststellen, dass trotz des hervorragenden Wetters gut 250 Personen den Weg ins Freizeitheim gefunden hatten, um die Veranstaltung mitzugestalten. In seiner Ansprache legte der OB dann auch besonderen Wert darauf, dass alle Fortschritte im Bereich der Integration in den letzten Jahren nur gemeinsam mit unzähligen Vereinen, Verbänden und anderen Organisationen erzielt werden konnten. Damit die Erfolgsgeschichte des Lokalen Integrationsplans aber auch weiterhin fortgeschrieben werden könne, müssten nach wie vor bestehende Berührungsängste auf Seiten der „Eingeborenen“ abgebaut und zugleich ein aktives Mitwirken von Zugewanderten gefördert werden.
Im Anschluss an Herrn Weil trat Dr. Helmuth Schweitzer vom Büro für interkulturelle Arbeit der Stadt Essen hinter das Rednerpult. In seinem Vortrag lieferte Dr. Schweitzer einen Rückblick auf 50 Jahre Integrationspolitik auf kommunaler Ebene, bevor er anschließend näher auf die Umsetzung des Integrationskonzeptes der Stadt Essen einging. Besonders hervor hob er dabei die Mühen, die mit der interkulturellen Öffnung der Regeldienste verbunden seien. Statt eines Durchdirigierens von oben hätten sich in der Praxis eher „Verführungsstrategien“ dabei bewährt, auch zunächst eher unwillige Ämter dazu zu bewegen, sich mit den Belangen von Migrantinnen und Migranten zu befassten. Gleichwohl bliebe in diesem Bereich auch in Essen noch viel zu tun.
Bevor es anschließend in die Kaffeepause ging, präsentiert das Junge Schauspiel Hannover mittels eines kurzen szenischen Spiels ihr interkulturelles „Menschen-Märchen“-Projekt, das mit großem Erfolg in Schulen und Kitas des Stadtteils Sahlkamp durchgeführt wird. Nach der Pause wurde es dann ernst: In fünf parallel laufenden Fachforen zu den thematischen Feldern des LIP (Bildung, Wirtschaft, Soziales, Stadtleben, Demokratie & Stadtverwaltung) diskutierten die Forumsteilnehmer/innen mit je einem internen Experten aus der Verwaltung sowie einem externen Vertreter die bereits im Vorfeld eingereichten Eingaben. Neben diesen insgesamt 70 vorhandenen Vorschlägen konnten jedoch in den einzelnen Foren noch weitere Themen angesprochen werden. Sämtliche Eingaben werden übrigens den Integrationsgremien der Stadt wie Integrationsrat Hannover und Migrationsausschuss zur weiteren Bearbeitung zur Verfügung gestellt, sodass auch aus Zeitgründen nicht diskutierte Themen nicht verloren gehen.
Nach eineinhalb Stunden Debatten in den Fachforen und einer zweiten kurzen Pause versammelten sich schließlich alle Anwesenden wieder im großen Saal des Freizeitheims, um der Ergebnisvorstellung aus den einzelnen Fachforen beizuwohnen. Unter der Moderation von Melanie Walter von der Stabsstelle „Integration, Politik und Verbände“ im Büro Oberbürgermeister präsentierte die Expert/innen und Moderator/innen der jeweiligen Fachforen die erarbeiteten Konzepte, die im Anschluss ebenfalls niedergeschrieben und an die entsprechenden Gremien weitergeleitet werden. In der darauf folgenden Abschlussdiskussion nutzten einige Teilnehmer/innen dann noch die Chance, sich zu Themen zu äußern, die nicht in dem von ihnen besuchten Fachforum auf der Tagesordnung standen.
Nach 19 Uhr klang das Zweiten Integrationsforum schließlich im Foyer des Freizeitheims mit Gesprächen am Buffet aus, während die Band „JesJazz“ für die musikalische Untermalung sorgte. Viele Anwesende nutzten diese Möglichkeit zudem, um die Ergebnisse des Nachmittags weiter zu diskutieren und neue Kontakte herzustellen.