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Bericht Heizhaus

Bericht über die Tätigkeit im Projekt
Heizhaus

in Körtingsdorf/Badenstedt vom 16.10.2000 bis 31.08.2001
Verfasser: Wolfgang Roeschmann

Eine Initiative der - Stadtbezirksteam 11 -Badenstedt, Davenstedt, Ahlem

Einleitung

Im folgenden soll die Projektarbeit im "Heizhaus" im Wohngebiet Körtingsdorf/Badenstedt beschrieben und gezeigt werden, welche Kontakte sich zu den BewohnerInnen entwickelt haben, wie die Räumlichkeiten genutzt und angenommen werden und welche Institutionen und Einrichtungen vor Ort sich als Kooperationspartner anbieten.

Ferner soll versucht werden, die sich zwischen den tatsächlichen Aktivitäten und den angedachten Vorhaben ergebenden Perspektiven für eine Fortführung und Erweiterung dieser Arbeit im Stadtquartier zu skizzieren.

Das Quartier Körtingsdorf und der Standort des „Heizhauses“

Das Wohngebiet Körtingsdorf gehört zum Stadtteil Badenstedt und grenzt westlich an den Stadtteil Linden an. Südlich der Badenstedter Straße gelegen, ist das Gebiet vom restlichen Badenstedt durch zwei Bahnlinien im Westen wie im Süden geschieden. Bis in die zwanziger Jahre befand sich hier eine Arbeitersiedlung der Firma Körting (Heizkessel- und -anlagenbau). Diese Firma existiert auch heute noch und befindet sich an der Badenstedter Straße gegenüber vom Lindener Bergfriedhof.

Die gegenwärtige Bebauung in Körtingsdorf entstand vorwiegend in der Nachkriegszeit. Viele der Mietshäuser an der Badenstedter Straße weisen einen schlichten baulichen und ausstattungsmäßigen Standard auf. Besitzerin ist hauptsächlich die Gesellschaft für Bauen und Wohnen Hannover GmbH (GBH).

Zwischen der Ludwig-Richter-Straße und der Straße Auf den Kirchstücken sowie der Amselgasse befinden sich acht in Reihen gebaute zweistöckige Mehrfamilienhäuser, deren letzte erst im Sommer 2001 fertiggestellt wurden. In der Mitte dieser Siedlung, die bis zu deren Abbruch ab 1997 aus Schlichtbauten bestand und im Volksmund "Obdach-Adenauersiedlung" genannt wurde, liegt das "Heizhaus", das zum einen tatsächlich die Heizanlage für die umliegenden Häuser enthält, aber darüber hinaus auch einen Gemeinschaftsraum für die dortigen Mieter, nebst Küchenecke und Toilette (ca. 40m²).

Die konzeptionellen Überlegungen des Projekts "Heizhaus"

Als Ende 1999 die ersten Mieter im Bereich des Bauabschnitts 1 (die vier Gebäude östlich vom Heizhaus) einzogen, stellte sich die Frage, wie mit dem von der GBH zur Verfügung gestellten Raum im Heizhaus zu verfahren sei. Nach längerer Nichtnutzung dieses Raumes zeigte die GBH Interesse, an einer konzeptionellen und begleitenden Unterstützung durch die Stadt Hannover. Vom Kommunalen Sozialdienstes (KSD) angesprochen, erstellte das Stadtbezirksteam 11 der ‚Vernetzen Dienste‘ Mitte des Jahres 2000 ein Nutzungskonzept, das folgende Kernaussagen trifft:
„Das Projekt ;Heizhaus‘ soll dazu dienen zumindest der Teilhabearmut der BewohnerInnen im Quartier Körtingsdorf entgegenzuwirken, indem
- erstens einen Raum zur Kommunikation und Begegnung zur Verfügung gestellt wird,
- zweitens mit professioneller Unterstützung eine kreative und interkulturelle Nutzungsform entwickelt wird und
- drittens angestrebt wird, untereinander ins Gespräch zu kommen, über das, was bewegt, was geändert oder auch beibehalten werden soll und wie das gehen könnte.

Hauptzielgruppe sind alle MieterInnen der GBH-Wohnungen im Quartier Körtingsdorf. Im Sinne einer besseren Integration der MieterInnen aus den GBH-Wohnungen sollen auch Verbindungen in andere Badenstedter Quartiere sowie zu den Kirchengemeinden hergestellt werden.

Die einzelnen sozialen, kulturellen und gesundheitsfördernden Einrichtungen und Dienste vor Ort formieren sich zu einem Netzwerk und engagieren sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten im Projekt ‚Heizhaus‘. Auf diese Weise kann wöchentlich möglichst an drei Nachmittagen ein gemeinwesenorientiertes Angebotsspektrum (Beratung, offene Jugendarbeit, Kurse usw.) geschaffen werden.“

Deren Tätigkeit sollte zunächst das Eruieren von Bedürfnissen und Angebotswünschen seitens der Bewohner zum Ziel haben, jedoch auch Offene-Tür-Angebote für alle Altersgruppen vorsehen. Erste Kontaktaufnahmen zu Trägern, die entsprechende Angebote machen können, sollten folgen.

Für die Aufbauphase und für den Übergang bis zur Schaffung einer AB-Stelle wurde der Autor dieses Berichtes als zeitlich befristete Honorarkraft für sechs Stunden in der Woche engagiert. Danach soll eine pädagogische Fachkraft (AB-Stelle) möglichst in Vollzeit die Koordination von Anwohnerinteressen und Trägerangeboten sowie weiterhin Offene-Tür-Angebote vornehmen.

Zur quartierbezogenen Tätigkeit

Während des Beginns meiner Arbeit in Körtingsdorf wurden die ersten Häuser des zweiten Bauabschnitts fertiggestellt und bezogen. Mittlerweile sind alle Gebäude fertiggestellt, aber noch nicht komplett bezogen (siehe Aufstellung im Anhang).

Die Bauten machten auf den ersten Blick einen hellen und freundlichen Eindruck. In hellgelb und hellgrau gehalten, sind sie um einen kleinen Platz mit einer Art Bassin herum gruppiert, an dessen Stirnseite zur Straße ‚Auf den Kirchstücken‘ hin das "Heizhaus" liegt.

 Nachmittage der offenen Tür

Es ist ein eingeschossiger Bau - reizvoll kontrastierend in dunkelrot gehalten -, der auf der Straßenseite zu zwei Fünfteln die Heizanlage für die Siedlung beherbergt. Der Rest wird gebildet von einem Eingangsbereich mit Garderobe und Toilette, sowie einem etwa 35m² großen Raum mit einer Küchenecke. Daneben befindet sich noch ein fensterloser Abstellraum. Der Gemeinschaftsraum weist viele große Fenster auf. Die Front zum Platz ist bspw. mit bodenhohen Fenstern verglast, die auch dort den Zugang nach draußen ermöglichen. Der Gemeinschaftsraum ist mit Tischen und Stühlen für dreißig Personen und einigen Regalen eingerichtet. In der Küchenzeile findet sich zwar ein 4-Platten-E-Herd und ein Kühlschrank, für Kaffeemaschine, Wasserkocher, Geschirr und Besteck sowie Reinigungsmittel, Müllbeutel etc. mußte ich jedoch selbst sorgen. Für derartige Ausgaben sowie für Kinderspiele oder laufende Ausgaben wie Lebensmittel erhielt ich einen Sachmittelbetrag aus dem Etat ‚Vernetzte Stadtteilarbeit‘.

Um das Wohnquartier ringsherum kennenzulernen, spazierte ich einige Male herum und machte mich mit der Situation vertraut. Da kühles Regenwetter herrschte, gab es kaum Menschen draußen. Einzelne Bewohner, die von mir freundlich begrüßt wurden, schauten mißtrauisch, brummten etwas und zogen sich schnell in ihre Wohnungen zurück. Mir wurde klar, daß auf diese Weise kaum die Schwellenängste von beiden Seiten zu überwinden sein würden. "Aufsuchende Arbeit" und Feldforschung sollten erstmal hinten an gestellt werden. Ich wollte zunächst einen offenen Treff schaffen, der auch während der Ferien das ganze Jahr an einem bestimmten Nachmittag offen sein sollte. So entstand der offene Donnerstagnachmittag, an dem von 15-18 Uhr die Tür offen war und ich auf "Besuch" wartete. Ich baute einen Aufsteller, der vor die Eingangstür postiert wurde und zum Eintritt aufforderte.

Besucher waren und sind in erster Linie Kinder im Alter zwischen acht und zwölf, aber auch jüngere Geschwisterkinder ab dem ersten Lebensjahr. Nach meinen Beobachtungen stammen sie zu ca. 20% aus Russland bzw. russischsprachigen Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Die übrigen teilen sich etwa je zur Hälfte in Kinder deutscher Abstammung und Kindern aus muslimischen Ländern auf, zumeist aus dem arabischen bzw. türkischen Sprachraum. Einige stammen aus Pakistan und Afghanistan.

Regelmäßig besuchen ca. 20 Kinder den Treff. Hinzu kommen etwa 10-15 gelegentliche Besucher. Ab und zu schauen Eltern der Kinder oder andere Erwachsene herein. Die Erwachsenen ausländischer Herkunft verfügen offensichtlich nur über mangelnde Deutschkenntnisse.

Bald war ein bemerkenswertes Interesse der Bewohner/innen am ‚Heizhaus’ festzustellen. Einmal kam ein Nachbar von gegenüber und brauchte Hilfe beim Tragen von Möbeln ins Obergeschoß, wo er gerade eingezogen war. Die Anwesenden Erwachsenen und Kinder halfen. Ein andermal - es war heißer Sommer - spendierte ein Anlieger für alle Kinder Eis - mit dem Ergebnis, daß sie sich noch ein zweites oder drittes holten! Und der Mann machte mit - bis alles alle war. Ein Frührentner kommt fast regelmäßig. Er holt sich dann einen Besen und Eimer und macht außen rings um das Heizhaus sauber.

An den Donnerstagnachmittagen wurde oft gemeinsam gespielt. Die Kinder lieben Brettspiele wie Mensch-ärgere-dich-nicht oder Monopoly. Aber auch Puzzles, Uno, Memory oder 2er-Spiele wie Mühle kamen an. Weiterhin wurde gern gemalt, mit Filzern auf Papier, z.B. für einen "Heizhaus-Plakatwettbewerb", oder draußen, als ich einmal Straßenkreide mitbrachte. In der warmen Jahreszeit haben wir die Nachmittage sowieso viel draußen verbracht. Ständig wurde ich aufgefordert neue Spiele auszudenken, bei denen Wasser im Mittelpunkt stand. Favorit: Äpfel essen aus dem Wassereimer - ohne Hände! An einem Tag machte ich von allen Kindern Fotos, auch, um mir die Namen besser merken zu können. Viele waren mittlerweile richtig zutraulich geworden und wollten unbedingt ein Foto von mir haben. Alle Fotos wurden an Pinnwände geheftet und mit Namen versehen. Darüber hinaus bekam jedes Kind einen zweiten Abzug mit nach Hause. Eine alleinerziehende Mutter aus Afghanistan kam beim nächsten Mal und fragte, ob ich ihre Kinder nicht in Festkleidung fotografieren könnte, für die Verwandten daheim. Das machte ich gern. Dabei sah sie, dass eine Aufnahme von ihr am Pinboard hing. Sie bat darum ihr diese zu geben, weil andere Männer sie nicht unverschleiert sehen dürften.

Ich stellte bald fest, daß die Kinder aus den im Quartier wohnenden einkommensschwachen Familien sich oft über ganz kleine Dinge freuen: Noch wochenlang schwärmten sie bspw. von Weihnachten. Am letzten Donnerstag vor dem Fest hatte ich für jedes Kind eine kleine Tüte mit Obst, Süßigkeiten und einem kleinen Spielzeug vorbereitet. Später stellte sich heraus, dass manche zu Hause gar keine Geschenke bekamen, sei es, weil aus religiös-kulturellen Gründen Weihnachten gar nicht gefeiert wird, sei es, weil kein Geld da ist. Nach und nach bekam ich einen Blick für die äußeren Zeichen der Armut wie zerlumpte Kleidung oder schlechte Zähne. Manche Kinder wurden offensichtlich zu Hause geschlagen und kamen mit einem blauen Auge ins Heizhaus. Andere waren dreist und versuchten immer wieder, teils vor meinen Augen, Obst, Kekstüten oder Brauseflaschen zu stehlen. Dieses Verhalten, auch Prügeleien oder Beschimpfungen (die von den Kindern sehr ernst genommen werden) zu ahnden, war nicht ganz einfach, da nur wenige Sanktionsmöglichkeiten zur Verfügung standen. Meist habe ich die Betreffenden ermahnt, aber von Zeit zu Zeit war auch ein Ausschluß nötig, der von allen Kindern sorgfältig beobachtet wurde. Sie malten dann kleine Zettel, die sie an die Tür klebten, z.B. "Ammar darf nächstes Mal nicht rein". (Das ist übrigens die berichtigte Variante, die meisten Kinder beherrschen kaum die deutsche Rechtschreibung oder Grammatik.)

Dagegen hat sich in letzter Zeit auf Nachfrage von Kindern deren Mithilfe beim abendlichen Aufräumen und Wischen eingebürgert. Allerdings dient das eher pädagogischen Zwecken als der tatsächlichen Reinigung der Räume.

Nutzung des Heizhauses durch Anwohner

Die Kontakte zu den Erwachsenen sind zwar eher selten, doch über die Arbeit mit den Kindern bin ich im Quartier inzwischen zu einer bekannten Figur geworden. Da eine der Säulen für die Nutzung des ‚Heizhauses‘ ja die selbständige Nutzung durch die Anwohner sein sollte, bestand meine Aufgabe u.a. auch darin, die für verschiedene Familienfeiern gewünschte Nutzung der Räumlichkeiten für die Wochenenden zu koordinieren. Zusammen mit einer älteren, aus Russland zugezogenen Frau aus dem Wohngebiet und in Absprache mit der GBH werden die Schlüsselvergabe, die Reinigung der Räume und die Entgegennahme des Nutzungsentgeltes koordiniert.

Die bisherige Nutzung der Gemeinschaftsräume fand im Winterhalbjahr ca. zweimal pro Monat, in der warmen Jahreszeit fast gar nicht statt. Die Bewohner feiern dann lieber draußen, wie es teilweise ja auch kulturell üblich ist.

Bis zu den Sommerferien fand im ‚Heizhaus‘ einmal pro Woche nachmittags eine Schularbeitenhilfe statt, die eine 18jährige Bewohnerin einzelnen Kindern anbot. Nach Rücksprache mit ihr wurde deutlich, daß der Bedarf insbesondere dann entsteht, wenn nach dem Halbjahreszeugnis die Versetzung gefährdet ist. Dieses nachbarschaftliche Angebot sollte m.E. Beachtung und Unterstützung durch die Vernetzten Dienste finden, die bspw. die Möglichkeiten der finanziellen Förderung aus städtischen Mitteln in Erfahrung bringen könnten.

Nutzung des Heizhauses durch andere Einrichtungen und Kontakte zu Institutionen und wichtigen Einzelpersonen im Quartier

Um die Möglichkeiten und Grenzen der Arbeit im ‚Heizhaus‘ auszuloten, suchte ich sehr frühzeitig das Gespräch mit der für die Mietertreffs zuständigen Person in der GBH (Frau Dahlmann). Frau Dahlmann steht dem Projekt ‚Heizhaus‘ sehr aufgeschlossen gegenüber. Sie hat in den Gesprächen wertvolle Tips und Ratschlägen eingebracht, sich persönlich um die Vorhänge im Heizhaus gekümmert und Spiele für die Kinder mitgebracht. Im Kontakt zu Frau Dahlmann ging es aber vor allem um die Aushandlung einer Kooperationsvereinbarung zwischen der GBH und der Stadt Hannover - Reformprojekt ‚Vernetzte Dienste‘.

Im weiteren Verlauf intensivierten sich die Kontakte zur Paul-Gerhardt-Gemeinde, die sich als potentieller Träger für die möglichst bald einzusetzende AB-Kraft zur Verfügung stellte und inzwischen auch einen AB-Antrag ans Arbeitsamt schickte. Insofern wurde der bisherige Entwurf der Kooperationsvereinbarung um den Partner der ‚Paul-Gerhard-Gemeinde‘ erweitert. Zur Unterzeichnung der Vereinbarung ist es noch nicht gekommen, was im Hinblick auf Versicherungs- und Haftungsfragen allerdings nötig wäre.

Am Rande sei hier noch der Kontakt zum zuständigen Hausmeister der GBH erwähnt, mit dem ich mich über mancherlei Probleme in Quartier Körtingsdorf unterhielt und so von der Müllproblematik erfuhr. Schon öfter hatte ich wahrgenommen, daß im Außenbereich des Heizhauses sperriger Müll herumlag (was mittlerweile besser geworden ist). Der Hausmeister berichtete, dass die Müllwerker falsch befüllte Container nicht leeren. Das wiederum gibt große Müllberge, weil viele Bewohner über die Möglichkeiten der Trennung nicht Bescheid wissen. Als Konsequenz daraus habe ich mich mit dem Abfallwirtschaftsamt in Verbindung gesetzt und entsprechende Aufkleber für die Container sowie Broschüren und Faltblätter in mehreren Sprachen besorgt und an die Haushalte verteilt.

Als sehr wertvoll hat sich die Teilnahme am Kinder- und Jugendforum West - Untergruppe Badenstedt erwiesen. Ich erfuhr von anderen Angeboten für Kinder und Jugendliche (die im Heizhaus eher nicht vertreten sind) im Stadtteil und konnte erste Kontakte zum Kulturtreff Plantage und zum Verband Christlicher Pfadfinder (VCP) sowie zur bereits erwähnten Paul-Gerhardt-Gemeinde knüpfen. Hieraus ergaben sich vielfältige Möglichkeiten zur Zusammenarbeit. Der VCP mit seinem Bauwagen-Projekt "MAJA" war im Winter 2000/2001 zweimal im Heizhaus zu Gast, als die Witterung ungastlich und der Traktor defekt war. Mittlerweile hält der VCP mittwochs ein regelmäßiges Kinderspielangebot für 8-12jährige vor.

Die Zusammenarbeit mit der Plantage hat sich sehr fruchtbar gestaltet. Im Programm, das auch im Heizhaus stets auslag, hatte die Plantage einen Hinweis auf das Heizhaus aufgenommen. Die Plantage war mehrere Male mit einer Veranstaltung im Heizhaus zu Gast (zumeist Mutter-Kind-Veranstaltungen) und ist auch an einer weiteren Zusammenarbeit interessiert. Vor dem Hintergrund der Raumknappheit in der benachbarten Friedrich-Ebert-Schule und deren räumlichen Begehrlichkeiten stellt das Heizhaus auch hier sicher eine interessante Ressource dar.

Über mehrere Monate hinweg war ich Gast auf den Sitzungen des Stadtbezirksteams 11 - Vernetzte Dienste und konnte dort einem sehr interessierten Kreis über meine Arbeit berichten und erhielt umgekehrt wertvolle Einblicke bezüglich der Einbindung des Heizhaus-Projektes in die Arbeit der anderen beteiligten städtischen Dienste und Einrichtungen.

Zu Beginn des Jahres 2001 zogen eine Reihe russischsprachiger Mitbewohner in die gerade fertiggestellten Häuser des 2. Bauabschnitts ein. Kurz darauf sprach mich eine Frau an, die sich in Begleitung einer Gruppe von ca. zehn Erwachsenen befand und als Sozialarbeiterin bei der Liberalen Jüdischen Gemeinde beschäftigt ist. Als solche bietet sie neu hinzuziehenden Landsleuten ihre Hilfe bei den ersten Problemen mit Unterkunft, Behörden, Sprache usw. an. Im Rahmen der regelmäßigen Dienstbesprechungen mit der Geschäftsstelle Vernetzte Dienste erwähnte ich diese Frau und wir fanden, es sei eine gute Idee, im Heizhaus einen Sprachkurs für die offensichtlich kaum der deutschen Sprache mächtigen Russlanddeutschen (sog. Kontingentflüchtlinge) anzubieten, und zwar in Zusammenarbeit mit der VHS. Aus verschiedenen Gründen kam ein solcher Kurs - über dessen Notwendigkeit nach wie vor kein Zweifel besteht - bisher leider nicht zustande.

Während eines offenen Nachmittags kam eines Tages eine Mutter zweier Kinder ins Heizhaus, die, wie sich herausstellte, direkt gegenüber auf der anderen Straßenseite in einem Reihenhaus wohnt und dort auch geboren war! Sie ist Erzieherin von Beruf und kannte die meisten der Heizhaus-Kinder von klein auf. Die Kinder respektieren sie und akzeptieren ihre resolute, selbstbewußt zupackende Art. Als ich wegen eines mehrwöchigen Urlaubs mal nicht im Heizhaus sein konnte, erklärte sich die Erzieherin bereit, mich zu vertreten. Das klappte wunderbar, und sie kam seither immer mal wieder auf einen Kaffee vorbei zum Klönen. Generell ist sie auch bereit, wenn mal Not am Mann sein sollte, an einzelnen Terminen auszuhelfen.

In den letzten Wochen meiner Tätigkeit hat sich noch ein sehr vielversprechender Kontakt ergeben, und zwar zum "Verein für Bildung und Sport in Hannover e.V.". Hierbei handelt es sich um einen Verein, der sich um die "kulturelle Versorgung" der Bevölkerung aus arabischen Ländern bemüht. Einerseits sollen die verschiedenen Kulturen des arabischen Sprachraums nähergebracht werden, aber auch an der Integration der hier Lebenden in den deutschen Alltag gearbeitet werden. Dazu sind gemeinsamer Unterricht für Kinder und Erwachsene, Lesen im Koran sowie gemeinsames Kochen mit Nachbarn, eine Ausstellung und kleine Feste geplant. Der Verein ist bereits in den Stadtteilen Sahlkamp, Vahrenheide und Roderbruch aktiv und hat einen Sendeplatz im Offenen Kanal, montags ab 20.15 Uhr. Der Vorsitzende des Vereins und kennt viele Familien respektive Kinder aus der "Heizhaussiedlung" persönlich. Er sei über die Tendenzen zur Verwahrlosung entsetzt und wolle mit seiner Arbeit ein Gegengewicht dazu bilden, wie er sagt. Mittlerweile hat der erste Termin, der in Zukunft zweimal wöchentlich (sonntags und montags Abend) stattfindenden Reihe, stattgefunden.

 Resümee und Ausblick

Zunächst sei darauf hingewiesen, dass die Schwerpunkte meiner Tätigkeit nicht genauso lagen, wie es das Konzept zum Projekt Heizhaus ursprünglich vorgesehen hatte. Eine Feldforschung per Fragebogen oder qualitativer Befragung kam für mich als Einstieg nicht in Frage, weil über ein offenes Angebot viel eher die Schwellenängste überwunden und die Bewohner ganz selbstverständlich in einem Gespräch kennengelernt werden können, ohne besondere Intention oder Hintergedanken. Ich war ja gerade daran interessiert - und meine Stellung als Honorarkraft gab mir die Möglichkeit dazu - so wenig wie möglich als "Amtsperson" aufzutreten. Mittlerweile wäre so etwas vielleicht vorstellbar - nach fast einem Jahr!

Die größte Hemmnis war das geringe Zeitbudget, über das ich verfügte. In sechs Stunden pro Woche ist wenig zu machen, zumal für den Donnerstag bereits etwa vier Stunden zu Buche schlagen, inklusive Einkaufen und ein wenig Saubermachen zum Schluß. Es blieben also zwei Stunden pro Woche übrig, in denen die vielfältigen Kontakte, die ich oben erwähnte, aufgebaut und gepflegt werden mußten. Eine Arbeitszeit von 6 Std. pro Woche reicht bei weitem nicht aus, mindestens 20 Std., wenn nicht eine volle Stelle sind erforderlich.

Es erwies sich als äußerst unpraktisch, nicht über ein eigenes Büro zu verfügen, sondern nur über ein Handy die Kontakte herstellen zu können. Da ich freiberuflich oft unterwegs bin, hatte ich die entsprechenden Unterlagen nicht immer dabei und mußte Verabredungen verschieben. Später ging ich dazu über, stets abends die Mailbox abzurufen und ggf. zurückzurufen.

Die Tatsache, dass ich nicht über die selbstverständliche Autorität einer Behörde verfügte und oft erst umständlich erklären mußte, was ich eigentlich genau mache, für wen und ob ich befugt bin, mit der Mitarbeiterin des Amtes für Wohnungswesen (die dann sehr nett war) über die Bewohnersituation in Körtingsdorf zu sprechen - all das und eine gewisse behördliche Bedächtigkeit (wo ich mit meinen paar Stunden es doch immer eilig hatte, etwas auf den Plan zu kriegen) haben manches sehr erschwert und verlangsamt.

Als Beispiel für die mir teilweise unverständliche Langsamkeit sei genannt, dass es immer noch keinen unterzeichneten Kontrakt zwischen der Stadt Hannovver, der GBH und der Paul-Gerhardt-Gemeinde gibt, und dass die Beantragung einer ABM-Kraft um fast ein Jahr hinausgeschoben wurde.

In diesem Zusammenhang sei noch eine weitere Begebenheit angemerkt: Um das Heizhaus bekannter zu machen, stärker im Stadtteil zu verankern und eine Identifikation der Anwohner mit "ihrem" Heizhaus zu fördern, brachte ich die auch von der Geschäftsstelle Vernetzte Dienste und der GBH begrüßte Idee ein, ein Logo für das Heizhaus zu entwerfen. Da ein Freund von mir im Grafikgewerbe tätig ist, hätte ich mich mit ihm einfach mal informell zusammengesetzt und ein brainstorming zu dem Thema veranstaltet - vielleicht mit mehreren Ergebnissen, die man später auch den Anwohnern zur Auswahl hätte vorlegen können - eventuell zusammen mit einem von den Kindern gestalteten Entwurf. Das Ganze scheiterte jedoch an der Tatsache, dass auf dem Heizhaus-Logo nicht nur die GBH und die Stadt Hannover hätten erkennbar sein müssen, sondern insbesondere, weil die Stadt Hannover eine Werbeagentur mit allen Aspekten ihrer medialen äußeren Erscheinung beauftragen wollte; denn alle Sachen, die die Stadt nach außen hin repräsentieren müssen - sowohl von der Schrifttype als auch vom Rotton her - dieser wahrscheinlich mit irgendwelchen Rechten versehenen Corporate Identity genügen. Nicht nötig zu erwähnen, daß es sich mit der GBH ähnlich verhält.

Vor diesem Hintergrund habe ich mir dann einfach unbürokratisch schwarz auf weiß etwas schlichtes aus den Fingern gesogen, vergrößert, auf Folie gezogen und außen angeschraubt. Das Haus sollte doch endlich einen richtigen Namen haben - wo es doch nicht mal eine Hausnummer besitzt. Bei Veranstaltungen, zu denen auch Leute kommen sollen, die noch nie dort waren, ist das ein echtes Problem, wie ich bei der ersten Ankündigung im Plantage-Programmfalter feststellen konnte.

Um eine aufwendige PR zu starten, war auch mein Budget viel zu begrenzt. Nach meiner Vorstellung muß öfter in diversen Medien über das Heizhaus berichtet werden - z.B. auch in der Hochglanzpostille der GBH, was bereits angedacht war, aber im Moment wohl erstmal daran gescheitert ist, daß die Publikation bis auf weiteres aus Gründen der Haushaltskonsolidierung nicht erscheint. Womit ich bereits beim nächsten Punkt angelangt wäre:

Ein kleines Faltblatt (DIN A4, 2x gefalzt) könnte die Bewohner der Siedlung über das Heizhaus und das, was dort stattfindet, informieren, ebenso über die Möglichkeit, die Räume zu mieten. Veranstaltungen sollten in den Madsack-Zeitungen (Stadtteilbeilage) veröffentlicht werden. Einmalig - vielleicht anläßlich eines kleinen Mieterfestes draußen im Sommer - sollte ein bebilderter Bericht erscheinen. Broschüren und Faltblätter für die Bewohner müssen in mehreren Sprachen abgefaßt sein. Falls die Broschüre "Wohin heute? Ahlem - Badenstedt - Davenstedt. Schlag nach!" erneut aufgelegt wird, sollte das Heizhaus dort als Veranstaltungsort genannt werden.

Vielleicht ist für einzelne Veranstaltungen sogar ein Sponsoring vorstellbar, beispielsweise von der Firma Körting, zu der ich bereits erste Kontakte hergestellt habe (zum Marketingleiter). Da stellte sich schnell die Frage, warum die Heizungsanlage des ‚Heizhauses‘ nicht von der Firma Körting gekauft worden ist. Das wäre doch eine gute Möglichkeit gewesen, sich in der Öffentlichkeit als ein dem Gemeinwesen und der Stadt Hannover verpflichtetes Unternehmen sowie im Bewußtsein der eigenen Historie zu präsentieren. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Alle Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit sollten in einer Hand koordiniert und geplant werden. Immer sollte man sich vor Augen halten, daß die Anbindung der Siedlung im Stadtteil und die Integration ihrer Bewohner nach wie vor schwierig ist, was u.U. mit der Stigmatisierung der Bewohner noch aus der Zeit des Obdachs zusammenhängt. Zur Integration der Bewohner gehört auch, ihnen eigene Kompetenz zuzutrauen und sie in die Verantwortung zu nehmen - auch wenn das Ergebnis nicht immer "unseren" hohen Ansprüchen genügt.

Die Zusammenarbeit mit der GBH muß endlich auf tragfähige Füße gestellt werden. Dazu gehört neben der Kooperationsvereinbarung, dass sich die GBH deutlich zu dem Projekt verhält und beispielsweise auch im Rahmen ihrer Möglichkeiten Unterstützung bietet und Öffentlichkeitsarbeit betreibt. Wie wäre es mit dem Vorschlag, im Rahmen des jährlichen Großraumentdeckertages des KGH eine GBH-Siedlung - natürlich mit dem Heizhaus beginnend - mit Aktionen, Spiel und Spaß und Informationen vorzustellen und dabei gleich am Bild der GBH in der Öffentlichkeit zu feilen?

Gleich ins Dialogprogramm mit der GBH aufgenommen werden sollte das Thema "baulicher Zustand". Bereits durch das Angebot der offenen Tür jetzt 2x pro Woche und gelegentliche Feiern sind Mobiliar sowie Türen und Wände stark mitgenommen. Ein Renoviesungsbedarf zeichnet sich bereits ab.

Vielleicht könnte für die Reparatur des Mobiliars ein Kontakt zur "Arbeits- und Sozialberatungs-Gesellschaft e.V." ASG in Ahlem hergestellt werden. Es wäre auch schön, wenn man die Bewohner mit einbinden könnte. So auch beim Müllproblem: Gibt es nicht ein Beispiel in Stöcken, wo ein Ehepaar den abgeschlossenen Abstellplatz für Sperrmüll betreut und ggf. den Abfuhrwagen ruft? So etwas könnte auch hier funktionieren.

Im Außenbereich sollte überlegt werden, wie das "Bassin" vor dem Heizhaus genutzt werden kann. Im Sommer wäre hier draußen Musik, Tanz und Grillen vorstellbar... Weiterhin wäre die Nutzung der Gelände direkt am Bahndamm interessant, wo sich keine Parkflächen, sondern, wie auch aus dem Plan ersichtlich (Anhang), eine Spielwiese und ein Schotterplatz mit Basketballkorb befinden.

In Zusammenarbeit mit der Plantage entstand auch die Idee, im Sommer eine Feriencard-Aktion hier stattfinden zu lassen (vielleicht etwas mit Pflastermalen?).

Zum Schluß möchte ich noch bemerken, daß die Arbeit mit den Kindern, aber auch mit allen anderen Beteiligten mir stets viel Spaß gemacht hat. Trotz der oft stressigen Situationen ist mir das Heizhaus mit seinen Menschen ans Herz gewachsen. Ich werde dem Projekt verbunden bleiben und sicher gelegentlich dort auftauchen. Einzelne Einladungen gibt es bereits. Ich wünsche meinem Nachfolger alles Gute und werde gerne "aus der Schule plaudern".

Hannover, den 5. Sept. 2001
Wolfgang Roeschmann
Deisterstraße 17
30449 Hannover



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