Geschichte

Die Geschichte Ahlems
Zusammengestellt vom Bistum Hildesheim

Die Siedlung Ahlem lag im Mittelalter im engerischen Marstemgau. Während die kirchliche Oberhoheit hier beim Bistum Minden lag, wurde der Gau weitgehend von den Grafen von Roden regiert, die sich auch nach ihren Stammsitzen in Limmer, Lauenrode und Wunstorf nannten. Unweit des Heisterberges im Urstromtal der Leine lag ihr “Castrum limbere”, als ein fester Mittelpunkt ihres gräflichen Herrschaftsbereiches. Die Dynastenburg wird 1187 überliefert. Die ihr angeschlossene Siedlung “lumbere” wird bereits in der bernwardinischen Dotationsurkunde des Hildesheimer Michaelisklosters von 1022 genannt. Die Burg Limmer lag zentral im Herrschaftsgebiet der Grafen von Roden. Ihr Hauskloster Marienwerder, das Graf Hildebold 1196 gestiftet hatte, lag nur wenige Kilometer leineabwärts. Zwischen der Dynastenburg und dem Hauskloster zog sich ein enges Band von gräflichen Besitzungen. Im Schutz der gräflichen Burg entwickelte sich links der Leine die Siedlung Ahlem. Als Bauerndorf stand es jedoch kirchlich und wirtschaftlich im Schatten der Burgsiedlung Limmer. In Urkunden der Grafen von Roden wird Ahlem im 13. Jahrhundert genannt. So 1272 und 1288, als zunächst Ludolf, dann Johann von Roden dem Kloster Marienwerder Ahlemer Land verkauften bzw. schenkten. Die Augustinerchorfrauen verfügten später über umfangreichen Grundbesitz in der Siedlung.

Ahlem hatte kein eigenes Gotteshaus, es war vielmehr nach Limmer eingepfarrt. Die dortige Pfarrkirche trug das Patrozinium des Hl. Nikolaus; dies im Hinblick auf die Flußlage. Mit “dominus hartmodus de Limbere sacerdos” wird 1230 ein Pfarrgeistlicher urkundlich greifbar. St. Nikolaus stand bis Anfang des 14. Jahrhunderts unter der Aufsicht des Archidiakons in Pattensen an der Haupt- und Taufkirche St. Lukas. Das Gotteshaus war vermutlich eine “Eigenkirchengründung” der Grafen von Roden, die auch über die Patronatsrechte in Limmer verfügten. Mit Zustimmung des Pattenser Archidiakons inkorporierte Bischof Ludwig von Minden (1324–1346) im Jahr 1328 St. Nikolaus gemeinsam mit der Pfarrkirche St. Petrus in Linden dem Kloster Marienwerder. Die Patronatsrechte über die Kirchen wurden dem Kloster 1330 päpstlich bestätigt. Mit der Rodenschen Erbteilung von 1215 waren die Mindener Lehen mit Wunstorf sowie die Burg Limmer und der Go Seelze, das spätere Amt Blumenau, mit der Vogtei Ahlem an Graf Hildebold II. von Roden gefallen, der als letzter seines Hauses den Beinamen von Limmer trug. Bereits seit 1236 veräußerten die Grafen ihren Besitz an benachbarte Territorialherren. 1248 traten sie weitgehend ihr Eigentum an das Welfenhaus ab. Nur über den in der Rodenschen Erbteilung an Hildebold gefallenen Teil konnten die Grafen noch als Eigentum verfügen. Der welfische Besitz reichte nunmehr bis an das rechte Ufer der Leine; ihm gegenüber lag die Burg, die als gräflicher Herrschaftsmittelpunkt ihre Bedeutung verloren hatte; von den Welfen bedroht zogen sich die Grafen deshalb nach Wunstorf zurück. Nachdem die Mindener Bischöfe 1317 die Grafen aus Wunstorf verdrängt hatten, ließen diese um 1320 ihre gräfliche Burg Blumenau errichten. Weitere Gebietsabtretungen an die Welfen folgten, so dass nur noch der Go Seelze – das spätere Amt Blumenau – u. a. mit Ahlem und Limmer in gräflichem Besitz war. Letzteren verkauften sie 1446 an Bischof Magnus von Hildesheim (1424–1452), der ihn im selben Jahr an den Herzog von Braunschweig-Lüneburg weitergab. Nach mehreren Erbteilungen im Welfenhaus gelangte um 1500 das Amt Blumenau mit der Vogtei Ahlem an Calenberg. Bei der Einrichtung der hiesigen Ämter umfasste die Vogtei Ahlem: Ahlem, Davenstedt, Döteberg, Harenberg, Letter, Limmer und Velber. Den Vogteisitz Ahlem verlegte man später nach Limmer.

Seit der Regierungsübernahme 1540 durch Herzogin Elisabeth II. (1540–1546) wurde im Fürstentum Calenberg die Reformation eingeführt. Das Kloster Marienwerder mit seiner Pfarrstelle St. Nikolaus in Limmer war davon 1542/43 betroffen. Während die Pfarrstelle in Limmer einen ev. Geistlichen erhielt, wurde das Augustinerchorfrauenstift letztlich 1620 in ein ev. Damenstift umgewandelt. Messfeierlichkeiten hatte man bereits 1542/43 im Stift verboten, das dem Landesherrn inkorporiert wurde. Die Pfarrzugehörigkeit von Ahlem nach Limmer blieb bestehen.

Ahlems Wirtschaftsgrundlage waren Land-, Weide- und Holzwirtschaft sowie das Mühlenhandwerk; die Siedlungslage an der Leine hatte die Errichtung von Wassermühlen begünstigt. Später wurde hier auch Leineweberei betrieben. Bereits um 1730 war zwischen Ahlem und Velber asphalthaltiges Gestein gefunden worden. Eine Ölquelle wurde daraufhin zwischen Linden, Davenstedt und Badenstedt erschlossen. Im 18. Jahrhundert konnten diese Rohstoffvorkommen gewerblich noch nicht genutzt werden, so dass Ahlem vorläufig seinen bäuerlichen Einschlag behielt; 1770 zählte es 120 Einwohner. Mit der Nutzung dieser Rohstoffvorkommen konnte um 1843 begonnen werden, als Johann und Georg Egestorff die Industrie in Linden aufbauten. Die industrielle Entwicklung des benachbarten Linden griff auch auf die umliegenden Landgemeinden wie Ahlem über. Denn in der Leineau wurden Asphaltgruben angelegt und Ziegeleien errichtet; letzteres in Hinblick auf das damalige Bevölkerungswachstum mit steigendem Wohnungsbedarf. Im Jahre 1895 zählte Ahlem 448 Einwohner, von denen 23 kath. Glaubens waren. Ihre seelsorgliche Betreuung übernahm St. Godehard, später St. Benno in Linden. Vorübergehend hatten auch polnische Landarbeiter und kath. Kanalbauarbeiter in Ahlem gelebt. Der Kanalbau und die Trassenführung der Güterumgehungsbahn verhinderten, dass sich der alte Dorfkern von Ahlem nach der Jahrhundertwende nach Nordwesten ausdehnen konnte. Infolgedessen blieb Ahlem rings um die Krugstraße begrenzt. Erst später erhielt es mit der Zweigkanalbrücke einen Anschluss an die Stadt Hannover. Der Kreis Linden war 1852 eingerichtet worden; bis 1859 bestand er aus den drei Ämtern Blumenau, Linden und Wennigsen. Im Zuge der preußischen Landkreisreform waren 1885 unter Zusammenschluss von 55 Landgemeinden und einem Gutsbezirk der Landkreis Linden und der gleichnamige Stadtkreis gebildet worden; Linden erhielt 1885 eine städtische Verfassung. Der Stadtkreis Linden wurde 1920 mit Badenstedt, Bornum, Davenstedt, Limmer und Ricklingen der Stadt Hannover zugeschlagen, während man 1932 den Landkreis Linden (Linden, Wennigsen) mit dem Landkreis Hannover zum neugeschaffenen Landkreis Hannover vereinigte.

In Vorstadtnähe war Ahlem eine überwiegend ländlich geprägte Gemeinde. Dies war auch ausschlaggebend für die Errichtung von bürgerlichen Häusern, die man in den 20er und 30er Jahren auf dem Mönckeberg erbaute. Als Ausflugslokal wurde 1897 der Ahlemer Turm errichtet. Unweit des Turmes war 1897 die israelitische Erziehungsanstalt entstanden, die 1919 in “Gartenbauschule Ahlem” umbenannt wurde. Um das Schwefel-Solebad zwischen Ahlem und Limmer waren Ende des 19. Jahrhunderts Kuranlagen aufgebaut worden. Die Pläne zum Bau anspruchsvoller Wohnviertel im Anschluss an den Limmerbrunnen kamen hier jedoch nur bedingt zur Ausführung.

Die Nähe großer Industriebetriebe im Nordwesten der Stadt Hannover hatte auch die Entwicklung von Ahlem begünstigt, wo nach dem Ersten Weltkrieg (1914–1918) eine rege Bautätigkeit einsetzte. Die hier ansässig gewordenen Katholiken besuchten den Gottesdienst in Davenstedt, der von St. Godehard aus in einem Saal gehalten wurde. Im September 1944 waren in Hannover mehr als 1 000 Juden von der Stadtverwaltung innerhalb weniger Stunden in eines der 16 “Judenhäuser” auf dem Gelände der ehemaligen Israelitischen Gartenbauschule interniert worden. Von hier aus wurden sie in osteuropäische Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert, erster Transport: 15. Dezember 1941 nach Riga. Im August 1943 wurde in den Gebäuden der Schule ein Gestapogefängnis eingerichtet. Im Dezember 1944 waren Insassen aus dem Konzentrations-Außenlager Continental-Stöcken (Außenlager von Neuengamme) in das am westlichen Ortsrand von Ahlem eingerichtete Lager überführt worden. Ein Teil dieser Gefangenen wurde wenige Tage vor der Befreiung des Lagers auf einen Fußmarsch in das Lager Bergen-Belsen geschickt. Um die Jahreswende 1944/45 waren in der “Laubhütte” Zwangsarbeiter hingerichtet worden; die Laubhütte selbst wurde am 8. April 1945 von der SS angezündet, wonach sie das Lager verließ. Am 10. April 1945 erreichten amerikanische Soldaten das Gestapogefängnis; die Inhaftierten waren frei.

Nach Kriegsende wurde neben dem ehemaligen Konzentrationslager ein englischer Soldatenfriedhof angelegt.

In Nähe des Gestapogefängnisses wurde 1987 eine Gedenkstätte eingerichtet. Ebenso an Stelle der “Laubhütte” ein Mahnmal, das am 27. August 1993 der Öffentlichkeit übergeben wurde. Eine Gruppe von Bürgern gestaltete 1994 ein Denkmal, das an das Lager erinnern soll. Am 2. Februar 1994 wurde es bei einem Gottesdienst der Öffentlichkeit übergeben. Der Gottesdienst wurde von den evangelischen Gemeinden von Ahlem und Umgebung sowie von der Katholischen Gemeinde Ahlem zusammen mit dem jüdischen Landesrabbiner gestaltet.

Mit dem Flüchtlingsstrom waren nach Kriegsende zahlreiche heimatvertriebene Katholiken nach Ahlem gelangt. Die Gartenbauschule diente als Flüchtlingslager, wo 1945 der erste kath. Gottesdienst gehalten wurde. Seit 1946 feierte man hier regelmäßig an Sonntagen die Hl. Messe. Nachdem das Flüchtlingslager geräumt und zwischenzeitlich als Altenheim gedient hatte, erwarb es 1955 die Landwirtschaftskammer Hannover, die hier eine Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau einrichtete. Die ev. Martin-Luther-Gemeinde stellte daraufhin ihre Notkirche und später ihren Gemeindesaal für die Feier kath. Gottesdienste zur Verfügung.

In Ahlem wurden 1959 200 neue Wohnungen gebaut; weitere 900 waren in Planung. Im kath. Gemeindebezirk lebten damals 800 Katholiken, deren Anzahl sich halbjährlich um ca. 100 erhöhte. Den Zuzug von kath. Arbeitnehmern hatte hier die Anlage mehrerer Industrieniederlassungen zwischen dem Zweigkanal Lindens im Norden und der neuen Trasse B 441 im Süden von Ahlem bis Seelze begünstigt. Die nördliche Leineau wurde als Naherholungsgebiet mit Sportanlagen, Wanderwegen und Fußgängerbrücken gestaltet. Mit ländlicher Komponente entwickelte sich Ahlem in diesem Bereich zur Wohngemeinde von Industriearbeitern, die später durch den hohen prozentualen Anteil von Angestellten abgelöst wurden. Infolgedessen war der Bau eines eigenen kath. Gotteshauses im Gemeindebereich von Ahlem notwendig, zumal man ein Baugrundstück von der Natur-Asphalt-Gesellschaft kirchlicherseits bereits erworben hatte. Mit Hilfe von Diözesanbischof Heinrich Maria Janssen (1957–1982) und des Bonifatiuswerkes in Paderborn wurde 1963–1964 die Kirche “Maria Trost” in Ahlem erbaut.Die  Katholiken des Seelsorgebezirks Ahlem schieden daraufhin mit Wirkung vom 1. Juli 1965 aus den Pfarreien St. Benno und St. Godehard in Hannover-Linden sowie aus der Kuratie Letter aus und bildeten eine eigene Kirchengemeinde Maria Trost in Ahlem. Ihr Seelsorgebezirk umfasste aus dem Landkreis Hannover die politischen Gemeinden Ahlem, Harenberg und Velber; aus dem Stadtkreis Hannover den nördlichen Bezirk von Davenstedt an der Droehnenstraße, sowie die Gebiete ab der Güterumgehungsbahn. Ebenso das Gebiet in der Heisterallee, der heutigen Harenbergerstraße.

Bis zur Eingemeindung von Ahlem in die Stadt Hannover 1974 hatte sich das Siedlungsbild der ehemaligen Landgemeinde fast vollständig verändert. Mit verstärkter Siedlungstätigkeit und dem damit verbundenen Bevölkerungsanstieg waren südlich der Harenbergerstraße neue Wohngebiete entstanden, die baulich über den Stadtteil Davenstedt Ahlem mit Hannover verbinden. Der Verstädterungsprozess ist in Ahlem heute weitgehend abgeschlossen, so dass bauliche Erweiterungsmöglichkeiten kaum noch bestehen. An die Phasen des städtischen Wachstums schlossen sich hier Perioden der Bevölkerungsabnahme durch Fortzug insbesondere ausländischer Arbeitskräfte nach Hannover an. Einen Ausgleich für die Bevölkerungsabnahme schuf man nach 1974 durch das Bauprojekt “Wohnpark Ahlem”. Auf die kath. Mariengemeinde hatte dies jedoch kaum Auswirkungen, denn auf dem Hintergrund des industrienahen Davenstedt unterschritt die Gemeindemitgliederzahl nicht die Zweitausendgrenze. Den weitaus größeren Gemeindeanteil in St. Maria stellten in sozialer Hinsicht in den 70er Jahren die Angestellten; dies entsprach damals weitgehend der Sozialsituation des Stadtteils. Wie im benachbarten Badenstedt und Limmer verschlechterte sich in Ahlem die Arbeitsmarktsituation in den letzten fünf Jahren deutlich. Auf dem Gebiet der Pfarrgemeinde sind nur kleinere Arbeitsstätten vorhanden. Die Arbeiter stellen heute einen großen prozentualen Anteil der Gemeindemitglieder; sie sind hauptsächlich bei Continental, Limmer, oder bei VW in Stöcken beschäftigt. Da eine Stadtbahnlinie seit 1994 bis Ahlem fährt, ist die Anbindung an die Stadt Hannover noch besser geworden. Wichtiger Integrationsfaktor im sozialen Umfeld des Stadtteiles sind die kirchlichen Vereinigungen. Um die Versorgung der Bevölkerung mit ambulanter Krankenpflege sicherzustellen, wurde 1979 durch die kath. Kirchengemeinde Maria Trost in Ahlem, die ev. Kirchengemeinde St. Johannes in Davenstedt und die ev. Kirchengemeinde Paul-Gerhard in Badenstedt eine Sozial- und Diakoniestation gegründet. Mitträger der Sozialstation sind das Deutsche Rote Kreuz, der Kreisverband Hannover-Stadt und der Caritasverband Hannover. Seit 1986 ist die Maria-Trost-Gemeinde Kooperationspartner in der Sozial- und Diakoniestation Hannover-West. Bereits am 1. Mai 1986 wurde eine Gemeindeschwester von der Pfarrgemeinde eingestellt.



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