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75 Jahre Paul-Gerhard-Gemeine

Historischer Rückblick
aus 75 Jahre Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde Badenstedt

Reformation und nachreformatorische Zeit

Die alte Kapelle

Die dörfliche und kirchliche Entwicklung bis 1912

Uns ist es unbekannt, wann die ersten Sendboten des Evangeliums in unser Gebiet kamen. Obwohl schon früh iro-schottische Missionare das Gebiet der Sachsen durchzogen, scheint ihre Predigt weitgehend erfolglos geblieben zu sein. Erst die Sachsenkriege Kaiser Karls d. Gr. (erster Feldzug 772) brachen den äußeren und inneren Widerstand. Aber erst gegen 800 konnte die Kirche ihr Missionswerk ungehindert und ohne Rückschläge durchführen. Schon Karl der Große schuf eine Reihe von Bistümern wie Bremen, Verden, Hildesheim und Minden. Zu dem Bistum Minden gehörte der sogenannte Marstemgau. Die Bistümer selbst waren wiederum in Archidiakonate unterteilt. Für unser Gebiet war der Archidiakon in Pattensen zuständig. Wer heute zur St. Martinskirche in Linden wandert, kann auf ihrem Grundstein die Jahreszahlen 1285 - 1728 - 1956 lesen. Während die letzte Jahreszahl auf den Wiederaufbau der durch Bomben im 2. Weltkrieg zerstörten Kirche hinweist, betreffen die beiden anderen Jahreszahlen auch die kirchliche Geschichte Badenstedts, da Badenstedt bis 1926 eng mit der Geschichte der St. Martin-Kirchenge-meinde zu Linden verbunden war. Nach den ältesten Urkunden ist 1285 das Pfarramt zu Linden errichtet worden. Höchstwahrscheinlich war in Linden schon zu diesem Zeitpunkt eine Kapelle vorhanden. Ebenso wahrscheinlich ist, daß die Ansiedlungen Ricklingen, Badenstedt und Bornum von Anfang an zu dem Kirchspiel Linden gehört haben. Allerdings taucht der Name Badenstedt erst in Urkunden aus den Jahren 1330, 1385 und 1360 auf.

Reformation und nachreformatorische Zeit


Das Leben in den Orten Badenstedt und Bornum wird sehr bescheiden gewesen sein, da die Äcker und Wiesen stark versumpft waren. Die Ereignisse der Zeit - gute wie böse - werden die Bewohner ergeben getragen haben. Kirchengeschichtlich ist einer der einschneidensten Einbrüche in das Althergebrachte die Reformation gewesen. Während das Herzogtum Lüneburg bereits um 1527 evangelisch war, gewann sie im Herzogtum Calenberg nur Schritt für Schritt Raum. Nach anfänglichen Wirren hatte 1533 die Reformation in Hannover ihren Einzug gehalten. Das Kirchspiel Linden folgte 1538. Es nahm mit dem Kloster Marienwerder, dem es unterstand, den evangelischen Glauben an.

Eine feste Ordnung wurde der evangelischen Kirche im Herzogtum Calenberg erst 1542 unter der Regentschaft der Herzogin Elisabeth zuteil. Der zuständige Superintendent hatte seinen Amtssitz in Pattensen. Aber schon bald kam es zu einer Neueinteilung. Das Amt eines Generalsuperindenten wurde geschaffen. Er erhielt seinen Sitz in Hannover. Weiter entstanden die Superintendenturen, die im Laufe der Zeit ihren Umfang ständig änderten. So gehörte das Kirchspiel Linden bis 1795 zur Inspektion Ronnenberg. Nach einigen Zwischenspielen wurde es nach Errichtung der Superintentur Limmer der neuen Inspektion zugeteilt.

Da die Reformation - so erwähnten wir schon - an bestehenden gottesdienstlichen Sitten und Gewohnheiten, soweit sie dem Evangelium nicht widersprachen, wenig geändert hat, dürften auch nach der Reformation die Bewohner Badenstedts außer am Tage Simon et Judae, später am Hagelfeiertag (1. Mai) und am Erntedanktag den beschwerlichen Weg zum Gottesdienst in die Kirche zu Linden gegangen sein. Diese war in vier Quartiere eingeteilt, dem Lindener, Ricklinger, Badenstedter und Bornumer. In ihnen hatte jeder seinen ihm zustehenden Platz. Die Vollmeier, Meier, Köthner und Beibauern saßen für sich. Außerdem waren Männer und Frauen getrennt. Nach dem großen Religionskrieg, dem 30-jährigen Krieg 1618 - 1648, wird aus Amtsrechnungen sichtbar, daß es zwischen den einzelnen Dörfern und wohl auch den einzelnen Ständen manchen Streit um die Plätze in der Kirche gab. Gewiß waren diese Streitigkeiten nicht nur eine Folge der großen Enge der alten Lindener Kirche, sondern auch eine Folge der allgemeinen Verwilderung, die durch den großen Krieg entstanden war und nur langsam überwunden wurde. Denn gerade von unserer Gegend wird berichtet, daß die Einwohner weitgehend hart gewalttätig und streitsüchtig waren. Wir sind leicht amüsiert, wenn wir hören: "Jasper Bock, Cordt Bock, Arnd Gastin, Jasper Struß und Hans Lutter haben sich übel bei wehrendem Gottesdienst bezeiget und die Ricklinger aus ihren Stellen gedrungen, und ob zwar der Priester Silentium geboten, solches nicht beachtet.

2 Thaler, 28 Groschen Poen; und ist Hans Lutter zwischen der Predigt aus Muthwillen, als der Priester zum Zuhören angemahnt, aus der Kirche gelofen, 20 Groschen Poen; Heinrich Reinicke hat am anderen Christtage sich wehrend dem Gottesdienste zu Linden ungebührlich bezeiget, seine angewisene Beibauernstelle nicht bekleidet, sondern Hans Krohnen aus Ricklingen die ganze Predigt über auf den Schoß gesessen, 20 Groschen Poen; Jasper Hausmann hat sich zu der Meierstelle, da ihm doch nur ein Köthnerplatz angewisen, gesellet, desgleich Cord Giesecke und Gerd Eilers aus Badenstedt. - Jasper Bock und Jürgen Woltmanns Frau haben sich am Ostertage in der Kirche geschlagen, 1 Thaler 24 Groschen Poen."
Die Strafen waren hart, wenn wir den damaligen Geldumlauf berücksichtigen. Doch auch diese Strafen konnten die Auswüchse nicht unterdrücken, obwohl sich mancher von den Bestraften hinterher überlegt haben wird, ob es sich gelohnt hat, einen Gottesdienst lang einem anderen Kirchenbesucher auf dem Schoß zu sitzen.

Der dreißigjährige Krieg hatte das Deistergebiet sehr mitgenommen. Nach der Schlacht am Weißen Berge (1620), die die gewaltsame Rekatholisierung vieler evangelischer Gebiete Deutschlands mit sich brachte, mischte sich um der evangelischen Sache willen der Dänenkönig Christian IV ein. Dies führte 1625 zu der Schlacht bei Seelze, in der der Obrist Michael von Obentraut fiel. Nach gewonnener Schlacht brandschatzten und plünderten die Truppen des Kaiserlichen (katholischen) Heeres unter Tilly die gesamte Umgebung. Menschen wurden gequält Dörfer gingen in Flammen auf, Kirchen wurden geplündert. Viele Bewohner zwischen Deister und Hannover flüchteten in die befestigte Stadt. Dort wurden sie wenig später ein Opfer der ausgebrochenen Pest. Nach kurzer Zeit stand Tilly auf dem Lindener Berg und schaute von dort auf das damals nicht bebaute Gebiet und die Stadt Hannover hinab. Noch schien es, als ob von Seiten des Dänenkönigs eine Rettung kommen könnte; denn die Leine trennte die Truppen beider Heere voneinander. In der Schlacht bei Lutter am Barenberge wurden die Dänen geschlagen. Sowohl die siegreichen wie auch die geschlagenen Truppen plünderten und brandschatzten. Familien und Dörfer verschwanden. Hannover selbst konnte durch eine hohe Kontribution die Belagerung durch Tilly abwenden. Nachdem 1629 die Dänen den Frieden zu Lübeck schließen mussten, schien die Sache der Evangelischen in Norddeutschland verloren. Doch die Wende brachte hier der Schwedenkönig Gustav Adolf. Hinzu kam die kluge Politik der Welfen. Ob die spätere Bedrohung durch die weimarischen Truppen 1641 auch Badenstedt betroffen hat, ist nicht festzustellen. Krieg und Pest hatten jedoch die Bevölkerung hart mitgenommen. In den Wüstungen siedelten sich mit der Zeit andere Menschen an. Namen tauchten auf, die vor 1617 niemals in unserer Gegend vorkamen.

Die alte Kapelle  

Altar in der alten Kapelle

Altar in der alten Kapelle

Die erste Nachricht von einer Kapelle in Badenstedt findet sich in der Bestallung eines Lindener Pastoren von 1663. In ihr wird erwähnt, dass der Pastor an jedem 28. Oktober (Tag der Apostel Simon et Juda) in der Kapelle Gottesdienst zu halten habe. Die Gemeinde musste ihm einen Wagen stellen und eine "Altar"-Gebühr von 10 oder 12 Groschen entrichten.

Ein Bericht an den Superintendenten zu Ronnenberg beschreibt die Kapelle folgendermaßen: "Die Capelle ist sehr schlecht, und hat auch geringe Intreden, ist etwa wie eine große Wohnstube, hatt in der Länge 24, in der Breite 20 Fuß. Zu Zeiten meines Herrn (Ernest August, Bischop zu Osnabrück) ist sie regeneriert, und itzo in gutem Stande, sie ist nicht gewölbt, sondern mit Diehlen und Balken überleget, und mit Kalk fein ausgeweist.

Weil keine Benke und Stühle darin waren, sondern wen Gottesdienst darin gehalten wurde, so musste ein jeder einen Stul mitbringen, es haben im vorigen Jahr gutherzige Leute von den Einwohnern dann selbst aus ihren eigenen Mitteln 8 Stühle und Bänke darin machen lassen . . ." Ob diese Kapelle die erste in Badenstedt gewesen ist, lässt sich nicht feststellen. Ebenso ob sie vor oder nach dem 30jährigen Krieg erbaut ist. Der am Tage der Apostel Simon et Juda zu haltende Gottesdienst lässt vielleicht den Rückschluss zu, dass hier ältere Tradition vorliegt; denn die Reformation hat an Sitten und Bräuche, die der reformatorischen Auffassung nicht widersprachen, bestehen lassen. Ursprünglich waren die Kapellen Stätten der täglichen Andacht in den Dörfern eines Kirchspiels, da man den Bewohnern die weiten Wege zur Pfarrkirche nicht zumuten konnte. In den Kapellen wurde neben einer Reliquie, die geweihte Hostie aufbewahrt (capella - Mantel).

Große Reichtümer besaß die alte Kapelle nicht. Ihre Einkünfte aus den Ländereien waren gering. In dem schon erwähnten Bericht an den Superintendenten zu Ronnenberg heißt es: "Ihr Land liegt in dreyen Feldern und ist nicht frey. Das erste Feld ist bei dem Empelder Weg ... Alda liegt zwei Morgen bey hl. Doctor Lönkens Land, ist gut Land und gibt jährlich 1 Thaler. Das ander ist auf dem Soltekamp. Da liegt große acht Stücke bey Valentin Knost, ist wässerich, gibt jährlich 18 Groschen. Noch daselbst ein großes Achtstück bei Hermann Samser ist ebenda, und gibt 18 Groschen. Noch allda 3 Stücke bei Jürgen Stöckmanns Acker. Das dritte ist am Bültekamp. Da liegen 11 Stücke beieinander, haben überall nur 1/4 Morgen, haben zum Nachbarn Frau Eylers, ist ebenso wässerich Land. Ein jedes Stück wird davon jährlich mit 2 Groschen und 4 Pfennige verzinset. Die zeitigen Coloni derselben meinen auch, wenn sie es jährlich verzinsen, so könne es ihnen nicht genommen werden.." Dennoch war man bemüht, die Kapelle in einem einigermaßen guten Zustand zu erhalten. Von Seiten der Gemeinde sind mancherlei Stiftungen gemacht worden. Während vieles im Laufe der Zeit abhanden gekommen ist, werden bis heute die erwachsenen und jungen Glieder unserer Gemeinde aus dem Taufbecken getauft, das von Valentin Lampe und Margareta Hermanns 1696 gestiftet worden ist. Weiter geht aus den alten Kapellenrechnungen hervor, dass 1716 zum Umgießen der geborstenen Glocke außer dem Betrag der Kapelle von 2 Thaler die Dorfschaft den übrigen Betrag aufgebracht hat. Diese Glocke trägt die Inschrift: "Bahnstedter Gemeinde. Ernst Thiele. M. Thomas Rideweg gos mich in Hannover anno 1717." Über die beiden in der Inschrift enthaltenen Namen ist man verschiedener Meinung. Thomas Rideweg ist in jener Zeit ein bekannter Geschütz- und Glockengießer gewesen. Ob der erwähnte Ernst Thiele sein Geschäftspartner oder aber ein namhafter Badenstedter gewesen ist, müsste erst festgestellt werden. Diese Glocke hat das spätere Schicksal der alten Kapelle nicht geteilt. Sie ist erhalten geblieben und hat ihren Platz in dem Dachreiter des Gemeindehauses Eichenfeldstr. 10.

Die um 1666 erwähnte Kapelle muss irgendwie baufällig geworden sein. Sie wurde abgerissen und durch einen Neubau ersetzt, der bis zum Jahre 1926 auf dem Kapellenplatz am Kapellenweg gestanden hat. Diese hatte wie die alte ebenfalls einen rechteckigen Grundriss und war 7,21 m lang und 6,95 m breit. Die Eingangstür war an der Westseite. Ebenfalls an der Westseite war auf dem Dach ein mit Pfannen gedeckter Dachreiter, der die Glocke aufnahm.

Über 100 Jahre lang diente die "Alte Kapelle" der Gemeinde als Versammlungsort.

Die Füllungen des Fachwerkbaues waren geputzt. Das Innere der Kapelle war ebenfalls schlicht eingerichtet. Von der Tür her fiel der Blick auf den aus dem 17. Jahrhundert stammenden Altar, der leider nach dem Abbruch der Kapelle abhanden gekommen ist. Soweit aus einer vorhandenen Aufnahme aus dem Jahre 1926 ersichtlich, stellte das Altarbild den gekreuzigten Jesus mit seiner Mutter Maria und dem Jünger Johannes dar. An der Wand der Altarseite hingen eine Anzahl Gedächtnistafeln. Alte Einwohner erzählen, dass die Kränze teilweise mit Frauenhaar durchflochten gewesen sein sollen. Auch sie sind verschwunden. Einen Teil des Gestühls erhielt die, Schifferkapelle in Misburg als Geschenk, während die Leuchter in der Zeit des 2. Weltkrieges in die Altmetallsammlung abgeliefert werden mussten.

Die Gottesdienste in dieser Kapelle hörten erst auf, als 1912 die Gottesdienste in der heutigen Aula der Diesterwegschule begannen; denn für die wachsende Zahl der Gemeindeglieder erwies sich die Kapelle als zu klein.

Historisches Foto von der alten Kapelle

Alte Kapelle

Die dörfliche und kirchliche Entwicklung bis 1912

1728 ist das zweite Datum, das auf dem Grundstein der St. Martinskirche eingemeißelt steht. In diesem Jahr wurde die alte Lindenerkirche, die der gesamten Gemeinde ein halbes Jahrtausend gedient hatte, wegen Baufälligkeit und Enge abgerissen und durch einen Barockbau ersetzt. Hierzu mussten die Bauern der Kirchengemeinde Hand -und Spanndienste leisten.

Alte Landkarte

Alte Landkarte

Aber auch sonst mussten die einzelnen Dörfer mancherlei Abgaben und Lasten tragen. So hatte der Meier Gerdt Eilers zu Badenstedt 10 Himpten Roggen und 10 Himpten Gerste aufzubringen. Weiter gehörte eine Zulage laut Verordnung des Konsistoriums von 1654 dazu, für die Badenstedt jährlich 6 Thaler 23 Groschen, Bornum 4 Thaler und 32 Groschen zahlen musste. Dem Priester zu Linden standen ferner zu: die Mastung für zwei Schweine in Badenstedt und für eine in Bornum; jährlich 3 Fuder Holz aus Badenstedt und 1 Fuder aus Bornum. Neben diesen Lasten für die Pfarrstelle in Linden waren noch die Kirchenlasten aufzubringen, die für Badenstedt 16 Thaler, 14 Groschen, 6/2 Pfennige und für Bornum 6 Thaler, 23 Groschen 3 1/2 Pfennige betrug. Außer diesen Abgaben waren auch noch die für den Organisten geregelt, der vom Meier für das Spielen der Orgel 11

Mariengroschen, vom Halbmeier 6 Groschen usw. bekam. Ferner fielen ihm jeweils zu Johannes und Michaelis aus der Bornumer Stelle ein guter Groschen Orgelgeld zu.

Um 1780 mussten die Einwohner der Dörfer Badenstedt und Bornum den weiten Weg zur Kirche in Linden zu Fuß zurücklegen.

Weitere Abgaben waren sowohl in Bornum als auch in Badenstedt an den jeweiligen Lehrer zu entrichten, der die Kinder zu unterrichten hatte. Für das Läuten der Kapellenglocke erhielt er in Badenstedt 1 Malter, 5 Himpten und 2 Metzen Roggen. Zunächst hatte der Schulmeister keine eigene Wohnung, sondern er mußte sich bald hier und bald da mit seinen Kindern aufhalten.

Als die Gemeinde zu groß für die alte Kapelle geworden war, wurden Gottesdienste in der 1909 errichteten Diesterwegschule abgehalten.

Erst später wurden in beiden Orten Schulen gebaut. In Badenstedt steht diese alte Schule noch auf dem Kapellenbrink. Sie wurde 1823 neugebaut und von dem Lehrer Grünau bezogen. Die alte Schule in Bornum liegt heute an der Gablung Körtingsdorferweg/ Im Dorfe. Im Laufe der Zeit war in Badenstedt ein neuer Schulbau nötig (1887), der

Historische Postkarte von der Diesterwegschule

Diesterwegschule

bereits 1909 von der jetzigen Diesterwegschule abgelöst wurde. Bis zur Ablösung Schule und Kirche war einer der Lehrer Küster der Kapelle in Badenstedt. Er hatte für das Geläut zu sorgen. Als nach 1918 die Gottesdienste regelmäßig in der Diesterwegschule stattfanden, war fast immer einer der Lehrer als Organist tätig. Für viele Badenstedter wird der Name des Lehrer Lemke ein Begriff sein.

Solange Badenstedt - für Bornum gilt das Gleiche - eine kleine dörfliche Gemeinde blieb, genügte die Kapelle, genügten die Gottesdienste. Doch schon finden sich im Anfang des 19. Jahrhunderts die ersten Anzeichen einer neuen Zeit. Auf die durch den Botaniker Ehrhardt (1779) entdeckten Salzquellen aufmerksam geworden, gründete Georg Egestorf 1923 in Badenstedt die Saline Egestorfhall. Aus kleinsten Anfängen entwickelte sie sich zu einer der größten Salinen Deutschlands. Sie beschäftigte etwa 200 Arbeiter. Im August 1965 wurde die Produktion eingestellt. Wo früher die Arbeiter an den Siedepfannen ins Schwitzen kamen, fließt heute der Schweiß der Mitglieder des Turnvereins Badenstedt.

Historisches Bild von der Körting-Fabrik um 1890

Körting-Fabrik um 1890

Im Jahre 1890 wurde die "Fabrik von Strahlapparaten, Pulsometern und Gasmotoren, Centralheizungs- und Lüftungsanlagen, Eisen- und Metallgießerei" der Gebrüder Körting an der Badenstedter Straße gebaut und dazu eine Arbeitersiedlung, deren Restbestand heute zu Badenstedt gehört.

Schon seit 1928 ist eine andere Industrieanlage nicht mehr da. Jedoch hält sich ihr Name hartnäckig in der Straßenbahnhaltestelle "Körtings-Fabrik" und in der Bezeichnung "Körtingsdorf".

Als die Gebr. Körting gegen Ende der 70er Jahre ihre Maschinenfabrik nach Linden verlegten, erwarben sie in der Gemarkung Bornum Grundbesitz. Dort wurde Ende der 70er Jahre die Kolonie Körtingsdorf erbaut, in der Arbeiter und Angestellte von Körting wohnten. Diese Kolonie führte weitgehend ihr Eigenleben und besaß in der heutigen Petermannstraße eine eigene Schule. Um 1900 wohnten in Badenstedt bereits 1747 und in Bornum und Körtingsdorf 902 Einwohner. Während im Laufe des 19. Jahrhunderts die Kirche zu Linden große Teile des inzwischen bebauten Bezirkes nach Ricklingen abgab und die um die Bethlehem- und Erlöserkirche liegenden Bezirke aus der engen Bindung an die Mutterkirche entließ, blieb Badenstedt und Bornum weiterhin mit Linden zu einer Kirchengemeinde verbunden.

Aber auch hier war die Entwicklung im Gange. Der erste Schritt war, dass kirchlicherseite in Badenstedt eine ständige Collaboratur eingerichtet wurde. Seit dieser Zeit (1912) wurden die Gottesdienste regelmäßig vierzehntägig in der Aula der Diesterwegschule abgehalten, die der Magistrat zu Linden der Kirchengemeinde zur Verfügung gestellt hatte. Inzwischen (am 1. April 1909) war das Dorf Badenstedt mit seinen damals 2099 Einwohnern ein Teil der Stadtgemeinde Linden geworden. Einen Aufschub in der weiteren Entwicklung brachte der erste Weltkrieg, der wie auch die Nachkriegszeit alle Pläne zunichte werden ließ. Erst nach der Inflation konnte an eine Verselbständigung gedacht werden. Am 1. Januar 1920 war Linden inzwischen mit der Stadt Hannover vereinigt worden.

Gasthof am Denkmal Historische Postkarte

Gasthof am Denkmal Historische Postkarte

Gasthof am Denkmal Historisches Foto

Gasthof am Denkmal Historisches Foto

Das "Zur Erinnerung an die Friedensfeier im Jahre 1871" errichtete Denkmal im Ortszentrum.

Die weitere Geschichte der Kirchengemeinde und damit auch Badenstedts finden Sie auf den Seiten der Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde.



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