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Uns ist es unbekannt, wann die ersten Sendboten des Evangeliums in unser Gebiet kamen. Obwohl schon früh iro-schottische Missionare das Gebiet der Sachsen durchzogen, scheint ihre Predigt weitgehend erfolglos geblieben zu sein. Erst die Sachsenkriege Kaiser Karls d. Gr. (erster Feldzug 772) brachen den äußeren und inneren Widerstand. Aber erst gegen 800 konnte die Kirche ihr Missionswerk ungehindert und ohne Rückschläge durchführen. Schon Karl der Große schuf eine Reihe von Bistümern wie Bremen, Verden, Hildesheim und Minden. Zu dem Bistum Minden gehörte der sogenannte Marstemgau. Die Bistümer selbst waren wiederum in Archidiakonate unterteilt. Für unser Gebiet war der Archidiakon in Pattensen zuständig. Wer heute zur St. Martinskirche in Linden wandert, kann auf ihrem Grundstein die Jahreszahlen 1285 - 1728 - 1956 lesen. Während die letzte Jahreszahl auf den Wiederaufbau der durch Bomben im 2. Weltkrieg zerstörten Kirche hinweist, betreffen die beiden anderen Jahreszahlen auch die kirchliche Geschichte Badenstedts, da Badenstedt bis 1926 eng mit der Geschichte der St. Martin-Kirchenge-meinde zu Linden verbunden war. Nach den ältesten Urkunden ist 1285 das Pfarramt zu Linden errichtet worden. Höchstwahrscheinlich war in Linden schon zu diesem Zeitpunkt eine Kapelle vorhanden. Ebenso wahrscheinlich ist, daß die Ansiedlungen Ricklingen, Badenstedt und Bornum von Anfang an zu dem Kirchspiel Linden gehört haben. Allerdings taucht der Name Badenstedt erst in Urkunden aus den Jahren 1330, 1385 und 1360 auf. Reformation und nachreformatorische Zeit
Das Leben in den Orten Badenstedt und Bornum wird sehr bescheiden gewesen sein, da die Äcker und Wiesen stark versumpft waren. Die Ereignisse der Zeit - gute wie böse - werden die Bewohner ergeben getragen haben. Kirchengeschichtlich ist einer der einschneidensten Einbrüche in das Althergebrachte die Reformation gewesen. Während das Herzogtum Lüneburg bereits um 1527 evangelisch war, gewann sie im Herzogtum Calenberg nur Schritt für Schritt Raum. Nach anfänglichen Wirren hatte 1533 die Reformation in Hannover ihren Einzug gehalten. Das Kirchspiel Linden folgte 1538. Es nahm mit dem Kloster Marienwerder, dem es unterstand, den evangelischen Glauben an.
Eine feste Ordnung wurde der evangelischen Kirche im Herzogtum Calenberg erst 1542 unter der Regentschaft der Herzogin Elisabeth zuteil. Der zuständige Superintendent hatte seinen Amtssitz in Pattensen. Aber schon bald kam es zu einer Neueinteilung. Das Amt eines Generalsuperindenten wurde geschaffen. Er erhielt seinen Sitz in Hannover. Weiter entstanden die Superintendenturen, die im Laufe der Zeit ihren Umfang ständig änderten. So gehörte das Kirchspiel Linden bis 1795 zur Inspektion Ronnenberg. Nach einigen Zwischenspielen wurde es nach Errichtung der Superintentur Limmer der neuen Inspektion zugeteilt.
Da die Reformation - so erwähnten wir schon - an bestehenden gottesdienstlichen Sitten und Gewohnheiten, soweit sie dem Evangelium nicht widersprachen, wenig geändert hat, dürften auch nach der Reformation die Bewohner Badenstedts außer am Tage Simon et Judae, später am Hagelfeiertag (1. Mai) und am Erntedanktag den beschwerlichen Weg zum Gottesdienst in die Kirche zu Linden gegangen sein. Diese war in vier Quartiere eingeteilt, dem Lindener, Ricklinger, Badenstedter und Bornumer. In ihnen hatte jeder seinen ihm zustehenden Platz. Die Vollmeier, Meier, Köthner und Beibauern saßen für sich. Außerdem waren Männer und Frauen getrennt. Nach dem großen Religionskrieg, dem 30-jährigen Krieg 1618 - 1648, wird aus Amtsrechnungen sichtbar, daß es zwischen den einzelnen Dörfern und wohl auch den einzelnen Ständen manchen Streit um die Plätze in der Kirche gab. Gewiß waren diese Streitigkeiten nicht nur eine Folge der großen Enge der alten Lindener Kirche, sondern auch eine Folge der allgemeinen Verwilderung, die durch den großen Krieg entstanden war und nur langsam überwunden wurde. Denn gerade von unserer Gegend wird berichtet, daß die Einwohner weitgehend hart gewalttätig und streitsüchtig waren. Wir sind leicht amüsiert, wenn wir hören: "Jasper Bock, Cordt Bock, Arnd Gastin, Jasper Struß und Hans Lutter haben sich übel bei wehrendem Gottesdienst bezeiget und die Ricklinger aus ihren Stellen gedrungen, und ob zwar der Priester Silentium geboten, solches nicht beachtet.
2 Thaler, 28 Groschen Poen; und ist Hans Lutter zwischen der Predigt aus Muthwillen, als der Priester zum Zuhören angemahnt, aus der Kirche gelofen, 20 Groschen Poen; Heinrich Reinicke hat am anderen Christtage sich wehrend dem Gottesdienste zu Linden ungebührlich bezeiget, seine angewisene Beibauernstelle nicht bekleidet, sondern Hans Krohnen aus Ricklingen die ganze Predigt über auf den Schoß gesessen, 20 Groschen Poen; Jasper Hausmann hat sich zu der Meierstelle, da ihm doch nur ein Köthnerplatz angewisen, gesellet, desgleich Cord Giesecke und Gerd Eilers aus Badenstedt. - Jasper Bock und Jürgen Woltmanns Frau haben sich am Ostertage in der Kirche geschlagen, 1 Thaler 24 Groschen Poen." Die Strafen waren hart, wenn wir den damaligen Geldumlauf berücksichtigen. Doch auch diese Strafen konnten die Auswüchse nicht unterdrücken, obwohl sich mancher von den Bestraften hinterher überlegt haben wird, ob es sich gelohnt hat, einen Gottesdienst lang einem anderen Kirchenbesucher auf dem Schoß zu sitzen.
Der dreißigjährige Krieg hatte das Deistergebiet sehr mitgenommen. Nach der Schlacht am Weißen Berge (1620), die die gewaltsame Rekatholisierung vieler evangelischer Gebiete Deutschlands mit sich brachte, mischte sich um der evangelischen Sache willen der Dänenkönig Christian IV ein. Dies führte 1625 zu der Schlacht bei Seelze, in der der Obrist Michael von Obentraut fiel. Nach gewonnener Schlacht brandschatzten und plünderten die Truppen des Kaiserlichen (katholischen) Heeres unter Tilly die gesamte Umgebung. Menschen wurden gequält Dörfer gingen in Flammen auf, Kirchen wurden geplündert. Viele Bewohner zwischen Deister und Hannover flüchteten in die befestigte Stadt. Dort wurden sie wenig später ein Opfer der ausgebrochenen Pest. Nach kurzer Zeit stand Tilly auf dem Lindener Berg und schaute von dort auf das damals nicht bebaute Gebiet und die Stadt Hannover hinab. Noch schien es, als ob von Seiten des Dänenkönigs eine Rettung kommen könnte; denn die Leine trennte die Truppen beider Heere voneinander. In der Schlacht bei Lutter am Barenberge wurden die Dänen geschlagen. Sowohl die siegreichen wie auch die geschlagenen Truppen plünderten und brandschatzten. Familien und Dörfer verschwanden. Hannover selbst konnte durch eine hohe Kontribution die Belagerung durch Tilly abwenden. Nachdem 1629 die Dänen den Frieden zu Lübeck schließen mussten, schien die Sache der Evangelischen in Norddeutschland verloren. Doch die Wende brachte hier der Schwedenkönig Gustav Adolf. Hinzu kam die kluge Politik der Welfen. Ob die spätere Bedrohung durch die weimarischen Truppen 1641 auch Badenstedt betroffen hat, ist nicht festzustellen. Krieg und Pest hatten jedoch die Bevölkerung hart mitgenommen. In den Wüstungen siedelten sich mit der Zeit andere Menschen an. Namen tauchten auf, die vor 1617 niemals in unserer Gegend vorkamen.
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Altar in der alten Kapelle
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Die erste Nachricht von einer Kapelle in Badenstedt findet sich in der Bestallung eines Lindener Pastoren von 1663. In ihr wird erwähnt, dass der Pastor an jedem 28. Oktober (Tag der Apostel Simon et Juda) in der Kapelle Gottesdienst zu halten habe. Die Gemeinde musste ihm einen Wagen stellen und eine "Altar"-Gebühr von 10 oder 12 Groschen entrichten.
Ein Bericht an den Superintendenten zu Ronnenberg beschreibt die Kapelle folgendermaßen: "Die Capelle ist sehr schlecht, und hat auch geringe Intreden, ist etwa wie eine große Wohnstube, hatt in der Länge 24, in der Breite 20 Fuß. Zu Zeiten meines Herrn (Ernest August, Bischop zu Osnabrück) ist sie regeneriert, und itzo in gutem Stande, sie ist nicht gewölbt, sondern mit Diehlen und Balken überleget, und mit Kalk fein ausgeweist.
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Weil keine Benke und Stühle darin waren, sondern wen Gottesdienst darin gehalten wurde, so musste ein jeder einen Stul mitbringen, es haben im vorigen Jahr gutherzige Leute von den Einwohnern dann selbst aus ihren eigenen Mitteln 8 Stühle und Bänke darin machen lassen . . ." Ob diese Kapelle die erste in Badenstedt gewesen ist, lässt sich nicht feststellen. Ebenso ob sie vor oder nach dem 30jährigen Krieg erbaut ist. Der am Tage der Apostel Simon et Juda zu haltende Gottesdienst lässt vielleicht den Rückschluss zu, dass hier ältere Tradition vorliegt; denn die Reformation hat an Sitten und Bräuche, die der reformatorischen Auffassung nicht widersprachen, bestehen lassen. Ursprünglich waren die Kapellen Stätten der täglichen Andacht in den Dörfern eines Kirchspiels, da man den Bewohnern die weiten Wege zur Pfarrkirche nicht zumuten konnte. In den Kapellen wurde neben einer Reliquie, die geweihte Hostie aufbewahrt (capella - Mantel).
Große Reichtümer besaß die alte Kapelle nicht. Ihre Einkünfte aus den Ländereien waren gering. In dem schon erwähnten Bericht an den Superintendenten zu Ronnenberg heißt es: "Ihr Land liegt in dreyen Feldern und ist nicht frey. Das erste Feld ist bei dem Empelder Weg ... Alda liegt zwei Morgen bey hl. Doctor Lönkens Land, ist gut Land und gibt jährlich 1 Thaler. Das ander ist auf dem Soltekamp. Da liegt große acht Stücke bey Valentin Knost, ist wässerich, gibt jährlich 18 Groschen. Noch daselbst ein großes Achtstück bei Hermann Samser ist ebenda, und gibt 18 Groschen. Noch allda 3 Stücke bei Jürgen Stöckmanns Acker. Das dritte ist am Bültekamp. Da liegen 11 Stücke beieinander, haben überall nur 1/4 Morgen, haben zum Nachbarn Frau Eylers, ist ebenso wässerich Land. Ein jedes Stück wird davon jährlich mit 2 Groschen und 4 Pfennige verzinset. Die zeitigen Coloni derselben meinen auch, wenn sie es jährlich verzinsen, so könne es ihnen nicht genommen werden.." Dennoch war man bemüht, die Kapelle in einem einigermaßen guten Zustand zu erhalten. Von Seiten der Gemeinde sind mancherlei Stiftungen gemacht worden. Während vieles im Laufe der Zeit abhanden gekommen ist, werden bis heute die erwachsenen und jungen Glieder unserer Gemeinde aus dem Taufbecken getauft, das von Valentin Lampe und Margareta Hermanns 1696 gestiftet worden ist. Weiter geht aus den alten Kapellenrechnungen hervor, dass 1716 zum Umgießen der geborstenen Glocke außer dem Betrag der Kapelle von 2 Thaler die Dorfschaft den übrigen Betrag aufgebracht hat. Diese Glocke trägt die Inschrift: "Bahnstedter Gemeinde. Ernst Thiele. M. Thomas Rideweg gos mich in Hannover anno 1717." Über die beiden in der Inschrift enthaltenen Namen ist man verschiedener Meinung. Thomas Rideweg ist in jener Zeit ein bekannter Geschütz- und Glockengießer gewesen. Ob der erwähnte Ernst Thiele sein Geschäftspartner oder aber ein namhafter Badenstedter gewesen ist, müsste erst festgestellt werden. Diese Glocke hat das spätere Schicksal der alten Kapelle nicht geteilt. Sie ist erhalten geblieben und hat ihren Platz in dem Dachreiter des Gemeindehauses Eichenfeldstr. 10.
Die um 1666 erwähnte Kapelle muss irgendwie baufällig geworden sein. Sie wurde abgerissen und durch einen Neubau ersetzt, der bis zum Jahre 1926 auf dem Kapellenplatz am Kapellenweg gestanden hat. Diese hatte wie die alte ebenfalls einen rechteckigen Grundriss und war 7,21 m lang und 6,95 m breit. Die Eingangstür war an der Westseite. Ebenfalls an der Westseite war auf dem Dach ein mit Pfannen gedeckter Dachreiter, der die Glocke aufnahm.
Über 100 Jahre lang diente die "Alte Kapelle" der Gemeinde als Versammlungsort.
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