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Geschichte

Die Geschichte Davenstedts
Zusammengestellt vom Bistum Hildesheim

Im Marstemgau unterstanden Badenstedt und Davenstedt während des Mittelalters gräflicher Regierung. Aus dem Besitz der Grafen von Roden gelangte Badenstedt im 14. Jahrhundert und Davenstedt ca. hundert Jahre später an das Herzogtum Calenberg. Einem gemeinsamen Amt gehörten sie jedoch nicht an, woraus sich der unterschiedliche Zeitpunkt ihrer welfischen Besitznahme erklärt. Im Go Gehrden wurde Badenstedt in der Vogtei Ronnenberg dem Amt Calenberg angehörig, während Davenstedt im Go Seelze innerhalb der Vogtei Ahlem der Amtsverwaltung Blumenaus unterstand; verwaltungsmäßig vereint wurden beide Gemeinden erst 1859 im Landkreis Linden.

Badenstedt, das am Osthang des Benther Berges liegt, kommt Anfang des 14. Jahrhunderts als “Badenstede” in Urkunden des Mindener Bischofs vor, zu dessen Bistum die Siedlung gehörte. Unter der Regierung von Braunschweig-Lüneburg wird es 1330/52 im herzoglichen Lehnsregister aufgeführt. In Badenstedt verfügten die Edelherren von Ilten und das Kanonissenstift in Wunstorf über ländliche Lehen. Da Badenstedt, im Mindener Archidiakonat Pattensen, über kein eigenes Gotteshaus verfügte, war es nach Linden an die St.-Petrus-Kirche eingepfarrt. Im Gotteshaus bestand eine Sitzordnung, nach der örtlichen Herkunft Linden, Ricklingen, Badenstedt und Bornum sowie nach dem sozialen Stand Meier, Kötner und Beibauern.

Als “Dauenstide” wird Davenstedt im Fundationsbrief des Hildesheimer Michaelisklosters genannt, den Bischof Bernward (993–1022) von Hildesheim 1022 seiner Stiftung ausstellte. Obwohl hier Hildesheimer Besitz nachgewiesen wurde, gehörte das später durch die Welfenherzöge regierte Davenstedt zum Bistum Minden. Die örtliche St.-Aegidien-Kapelle war “Filialkirche” von St. Nikolaus in Limmer. In der Kapelle hielt man nur am Hagelfeiertag und am Patronatsfest des Hl. Aegidius Gottesdienst. Die Patronatsrechte der Gotteshäuser in Linden und Limmer standen dem Archidiakon in Pattensen an der Haupt- und Taufkirche St. Lukas zu. Mit seiner Zustimmung wurden beide Pfarrkirchen 1328 dem Augustinerinnenkloster Marienwerder inkorporiert.

Ausgehend vom Kloster, das man infolge der Reformation in ein ev. Damenstift umwandelte, erhielten auch St. Petrus und St. Nikolaus 1543 luth. Geistliche, die Badenstedt und Davenstedt mitbetreuten. Die Einführung der Reformation in Calenberg war 1546 weitgehend abgeschlossen. Mit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 und der Normaljahrsbestimmung (1624) im Westf. Frieden von 1648 wurde anschließend der ev. Bekenntnisstand gesichert. Die diözesanen Bindungen an Minden waren gelöst, als man das Bistum im Westf. Frieden aufhob.

Mit der Förderung und der Verarbeitung von Bodenschätzen hatte sich im 18. und frühen 19. Jahrhundert zunächst die Rohstoffindustrie entwickelt; sie war entscheidender Wegbereiter der Industrialisierung. In Nachbarschaft von Badenstedt und Davenstedt legte man um den Lindener Berg Brauereien, Ziegeleien, Ölmühlen, Kalkbrennereien und Steinbrüche an. Mit der Errichtung einer Leineweberei entstand eine Webersiedlung, von der aus sich später das vom Dorf Alt-Linden getrennte industriell geprägte Neu-Linden entwickelte; 1856 wurden Alt- und Neu-Linden vereint. Zwischen Linden, Davenstedt und Badenstedt war 1730 eine Ölquelle erschlossen worden. Das Rohstoffvorkommen konnte jedoch gewerblich damals noch nicht genutzt werden. Badenstedt und Davenstedt blieben ländliche Bauernsiedlungen, wo im Jahr 1770 160 bzw. 120 Einwohner lebten. Die professionelle Nutzung der Bodenschätze begann um 1843 mit der Entdeckung des Asphaltsteines in der Leineau, wodurch insbesondere Limmer zur großstädtischen Vorortsgemeinde Hannovers heranwuchs. Die Industrialisierung nahm auf Linden Einfluss, als Georg Egestorff hier die Saline Egestorffhall, eine Maschinenfabrik und eine mechanische Weberei einrichtete. In der Gemarkung von Badenstedt wurde 1831 eine Saline angelegt, die bis in die 60er Jahre des 19. Jahrhunderts bestand. 1839 baute Egestorff eine chemische Fabrik auf, die vor allem Soda, Schwefelsäure und Chlorkalk produzierte. Bis Ende des 19. Jahrhunderts war das benachbarte Linden zu einer wichtigen Industriestadt herangewachsen. Nach der Verlegung der Maschinenfabrik Körting an die Badenstedter Straße 1871 entstand hier um 1891 die Arbeitersiedlung Körtingsdorf, die sich bis an die Gemarkungen von Badenstedt und Davenstedt ausdehnte. Linden wurde durch Industrie geprägt, die jedoch 1890 zu stagnieren begann, da ihr hier die räumlichen Expansionsmöglichkeiten fehlten. Zweigwerke mussten in anderen Orten gegründet werden. Denn mit zunehmendem Bevölkerungswachstum wurde Linden von den Industriearbeitern als Wohnort genutzt. Im Jahre 1907 arbeiteten von den 59 700 Einwohnern Lindens 15 200 nicht im Ort. Um der industriellen Raumnot abzuhelfen, wurden in Hannover die Eingemeindungen der umliegenden Landgemeinden geplant. Dies besonders nach 1905, als der Bau des Mittellandkanals beschlossen war. Darüber hinaus sollten die Lindener Industriebetriebe durch einen Stichkanal mit Hafenanlage an den Mittellandkanal angeschlossen werden. Kanal- und Stichkanalbau konnten nur in einem größeren räumlichen Zusammenhang durchgeführt werden, den Linden allein nicht bieten konnte. Die Einbeziehung der angrenzenden Dörfer war deshalb dringend notwendig. Während u. a. Badenstedt und Davenstedt 1909 nach Linden eingemeindet worden waren, wurde 1920 die Stadt Linden der damaligen Hauptstadt der preußischen Provinz Hannover einverleibt.

Bereits 1869–1872 hatte Linden einen Personen- und Güterbahnhof (Fischerdorf) erhalten, als man durch die Ricklinger Masch die Altenbekener Bahn verlegte. Der Schienenanschluß für die Lindener Industrie war bis an die Wunstorfer Chaussee herangeführt worden; im Norden wurde der Güterbahnhof “Küchengarten” eingerichtet. Die Anlage des Schienennetzes berührte den Flurraum von Badenstedt und Davenstedt. Die umliegenden Dörfer waren insofern von der Industrialisierung betroffen, als sie Zuzugsgebiet der Lindener Industriearbeiterschaft waren. Neue Siedlungen entstanden in den Landgemeinden. Badenstedt zählte bereits 1895 1 289 und Davenstedt 254 Einwohner. Badenstedts Lage am Körtingsdorf hatte das erhöhte Bevölkerungsaufkommen begünstigt. Das Eisenbahnnetz und die Hafenanlage trennten die Landgemeinden vom industriellen Linden. Den Industriearbeitern waren Eisenbahnbauer und Kanalbauarbeiter gefolgt, die hier lebten. Vor der Jahrhundertwende wohnten jedoch nur wenige Katholiken in den Landgemeinden, so 1895, als in Badenstedt 13 und in Davenstedt 6 kath. Christen lebten. Ihr Zuzug begann erst nach dem Ersten Weltkrieg (1914–1918) mit dem Mittellandkanalbau. Die seelsorgliche Betreuung der hier wohnenden Katholiken übernahmen die Pfarreien St. Godehard und St. Benno in Linden. In Davenstedt hatte man zwischen 1921–1924 die sog. Winfriedsiedlung angelegt, wo u. a. aus dem Eichsfeld stammende Katholiken lebten. Ihren Gottesdienstbesuch in St. Godehard erschwerten die unzureichenden Verkehrsverbindungen. Seit 1929 hielt man daher in einem Gasthaussaal in Davenstedt kath. Gottesdienst. Er konnte jedoch nur unregelmäßig gefeiert werden, da der Saal auch für gemeindliche Veranstaltungen zur Verfügung stand. Seit dem Bau einer Siedlung für kinderreiche Familien in Körtingsdorf 1930–1932 war auch die Anzahl der Katholiken in Badenstedt gestiegen. Der Bau einer kath. Kirche in einer der beiden Stadtrandgemeinden wurde jedoch durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges (1939–1945) verhindert. Nach Kriegsende konnte der Kirchbauplan nicht umgehend verwirklicht werden; denn zunächst war die seelsorgliche Betreuung der Katholiken in Anbetracht des Stromes von Heimatvertriebenen vorrangiges Ziel der Hildesheimer Bistumsleitung. Erst danach war die Errichtung von Gotteshäusern möglich.

Da die Stadtteile Badenstedt und Davenstedt nach 1945 weitgehend unbeschädigt waren, hatten viele Heimatvertriebene und Flüchtlinge hier Unterkunft gefunden. Unter ihnen gab es zahlreiche kath. Industriearbeiter und Angestellte, die ansässig wurden; Beschäftigung fanden sie in Hannover und Linden. Die Katholiken unter ihnen stammten u. a. aus dem Rheinland, Schlesien und dem Eichsfeld. Hl. Messe feierte man für sie im Davenstedter Gasthaussaal, der seit 1942 gemietet und ausschließlich für gottesdienstliche Handlungen genutzt werden konnte. Die seelsorgliche Betreuung übernahm der Kaplan an St. Godehard in Linden. Als Pfarrvikarie wurde die Seelsorgestelle in Davenstedt 1946 eingerichtet. Zwei Jahre später erhielt sie von Bischof Joseph Godehard Machens (1934–1956) die Erlaubnis, das Patrozinium Christ-König zu tragen. Ebenso erteilte der Hildesheimer Bischof die Genehmigung zur Benediktion der Notkirche Christ-König in Hannover-Davenstedt, die Pastor Paul Reifenrath am 31. Oktober 1949 vornahm. Im Jahre 1954 lebten hier bereits 2 800 Katholiken. Aus dem Seelsorgegebiet der Pfarrei St. Godehard und St. Benno in Linden hatte man den Seelsorgebezirk von Christ König gebildet. Er umfaßte zunächst Neu-Ahlem, Badenstedt, Davenstedt, Körtingsdorf, Empelde, Bornum, Lenthe und Velber. Mit der Erhebung von Christ-König zur Kirchengemeinde 1965 wurde der Seelsorgesprengel neuumschrieben. Dieser umschloss aus dem Stadtkreis Hannover noch Badenstedt und Davenstedt, Bornum und Körtingsdorf. Aus dem Landkreis Hannover gehörte noch Lenthe de jure zur Kirchengemeinde, obwohl es bereits damals ex caritate von St. Bonifatius in Gehrden betreut wurde; heute gehört es dieser Kirchengemeinde an. In Empelde entstand die Kirchengemeinde und spätere Pfarrei Hl. Familie. Neu-Ahlem und Velber wurden 1965 der Kuratiegemeinde Maria-Trost in Hannover-Ahlem zugeordnet. Seit 1977 ist Velber ein Stadtteil von Seelze.

In Davenstedt war 1960 in unmittelbarer Nähe zur Notkirche ein Wohnblock durch das Heimatwerk entstanden, ebenso in Körtingsdorf, wo man 500 Neubauten errichtet hatte. Da in Badenstedt und Umgebung weitere Neubauten in Planung waren, erwartete man in Christ-König einen weiteren Anstieg der Gemeindemitgliederzahlen. Bereits 1960 wurden hier 2 200 Katholiken betreut, 50% waren Heimatvertriebene. Die Notkirche in Davenstedt, deren Mietvertrag 1962 auslief, lag an der Peripherie der Gemeinde, so dass verhältnismäßig weite Kirchwege zurückgelegt werden mussten. Unter diesen Voraussetzungen wurde auf dem 1958 durch den Gesamtverband der kath. Kirchengemeinden in Hannover erworbenen Baugrundstück in Badenstedt 1964–1965 das Christ-König-Kirchenzentrum errichtet. Den Sitz der Kirchengemeinde verlegte man daraufhin 1966 von Davenstedt nach Badenstedt. Aufgrund weiterer Bautätigkeiten in Badenstedt, Davenstedt und Bornum hat heute die Gemeindemitgliederzahl in Christ-König fast die Dreitausendgrenze erreicht; dies besonders im Hinblick auf den Zuzug von Aus- und Übersiedlerfamilien. Diese Stadtteile Hannovers weisen einen hohen prozentualen Anteil von Industriearbeitern und Angestellten auf. Das soziale Umfeld wird hier im Bereich der Landeshauptstadt mittelwertig eingestuft, d. h. Arbeitslosigkeit ist vorhanden.



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