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Die östlichen Fluren Andertens - 24.04.2010

00 Teutoniahafen-Wendebecken-Header

 

24.04.2010

Anderter Seckbruch, Anderter Hast,
Anderter Gehäge, Lohweg, Rotwiesen,
Osterfeld - Was blieb von den bäuerlichen
Strukturen der östlichen Fluren Andertens?

Bericht: Gisbert Selke
Bilder: Michael Traue, Gisbert Selke


Vielfach erinnern nur noch die in die Straßenbezeichnungen eingeflossenen Flurnamen an die historischen Strukturen unseres Stadtbezirks. Im Laufe ihrer Geschichte waren die Gemarkungen Misburgs und Andertens nicht annähernd so folgenschweren strukturellen Veränderungen ausgesetzt wie in den letzten 150 Jahren.

27 Anderten-Amt Ilten
Ausschnitt aus einer Karte des Amtes Ilten - 18. Jahrhundert
Quelle: Anton Scholand, "Anderten und die Freien vor dem Nordwalde", Hildesheim 1970, S. 250

Während der Kronsberg im Süden und die Breite Wiese als nordwestliche Gemarkung Andertens bis heute als Landwirtschaftsflächen weitgehend erhalten geblieben sind, hat sich das Gesicht der östlichen und nordöstlichen Fluren nach Aufbau der Zementindustrie radikal verändert.

Mit Inbetriebnahme der Eisenbahnverbindung Lehrte – Hannover im Jahre 1843 waren die Voraussetzungen für eine bis dahin nicht vorhersehbare industrielle Expansion geschaffen, deren Auswirkungen bis in die Gegenwart reichen.

Der unter der Ackerkrume verborgene Kalkmergel eignete sich hervorragend für die Herstellung von Portlandzement. Auf der Eisenbahn wurde Steinkohle aus dem Ruhrgebiet oder aus Oberschlesien angeliefert und der Zement wiederum in Holzfässern versandt.

Mit Inbetriebnahme des Mittellandkanals von Bergeshövede im Westen bis zum Misburger Hafen im Jahre 1916 verbesserte sich die Infrastruktur für den Industriestandort im Osten Hannovers ein weiteres Mal erheblich.

Obwohl sich die Instustrieflächen eher gleichmäßig über die Gemarkungen beider Stadtteile erstrecken und deren Grenzen durchaus quer durch die Betriebe verlaufen, spricht man bis heute zwar vom Industriestandort Misburg, aber kaum vom Industriestandort Anderten. Mancher Misburger ließ deshalb die Bemerkung fallen: Wir Misburger bekommen Abgase und Zementstaub ab und die Anderter kassieren die Gewerbesteuer.

Der ökologische Preis für die industrielle Nutzung der Bodenschätze ist erheblich. Was blieb übrig von den östlichen Fluren Andertens? Osterfeld und Rotwiesen fielen teils dem Schleusenbau zum Opfer oder wurden zu Verkehrs- und Gewerbeflächen. Noch vor Beginn der Industrialisierung wurde das Anderter Gehäge, ein an die Ahltener Gemarkung grenzender Wald, gerodet. Die östlich des Lohwegs gelegene Anderter Hast, ein Wald- und Buschgelände südlich des Anderter Seckbruchs, ist infolge des Mergelabbaus fast verschwunden. Ausgedehnte Acker- und Weideflächen mussten dem Mergelabbau weichen.

Von den einst fünf Zementfabriken im Misburg-Anderter Raume produziert heute nur noch die HeidelbergCement (ehemals Teutonia) am Lohweg.

Die einst unterschiedlichen dörflichen Fluren sind industrielles Brachland oder von geologischen Wunden übersät. Dennoch: Die Rekultivierung und Schaffung neuer Biotope hat begonnen. Das Verfüllen ausgebeuteter Steinbrüche schreitet voran. Stück für Stück holt sich die Natur das zurück, was ihr einst genommen wurde und der Mensch hilft kräftig mit.

Vor der Erschließung neuer Gewerbeflächen muss die Nachnutzung vorhandener Liegenschaften stehen. Das wäre ein versöhnliches Zeichen industrieller Vergangenheitsbewältigung.


Luftbilder (3): (c) Michael Traue

01 Anderten - Gewerbegebiet Rotwiesen
Im Vordergrund: unterer Vorhafen der Hindenburgschleuse - dahinter das Gewerbegebiet in den Rotwiesen

02 Anderten - Lohweg - Teutonia Portland Cementfabrik
Blick auf den Lohweg - nördlich der Bahnbrücke zwei verfüllte und überbaute Steinbrüche

03 Teutonia-Lohweg
rechts und links des Lohweges - Blick nach Norden auf die ehemalige Anderter Hast


Bilder: Gisbert Selke

04 Anderten-Misburg-S-Bahn
S-Bahn-Station Anderten-Misburg - Ausgangspunkt des Spaziergangs

05 Rotwiesen-Blick nach Süd-Osten
Blick auf Teile des Gewerbegebietes in den Rotwiesen

06 Holcim-Zement-Höver
Blick nach Südosten auf die Zementfabrik "Holcim" in Höver

07 Rotwiesen- Blick nach Osten
Blick über Reste der Rotwiesen in Richtung Ahlten

08 Lohweg-Langesches Holz
links der Bahnstrecke - das "Langesche Holz" - Rest des Anderter Gehäges

09 Lohweg-Blick nach Nord-Osten
Recyclinganlage für Bauschutt auf dem Gelände eines verfüllten Streinbruchs

10 S-Bahn-Fernbahn Hannover-Lehrte
Fern- und S-Bahn - Blick nach Osten ins Anderter Gehäge

11 Lohweg-1
Lohweg in der Nähe der Fern- und S-Bahn-Überführung

12 Lohweg-Turmhaus
HeidelbergCement (Teutonia) - "Turmhaus"

13 Teutonia-Werkswohnungen
HeidelbergCement (Teutonia) - Werkssiedlung

14 Lohweg-2
Lohweg - Blick nach Norden

15 Teutonia-Einfahrt
HeidelbergCement (Teutonia) - Werkstor

16 Teutonia-Kantine
HeidelbergCement (Teutonia) - Kantine

17 Teutonia-Verwaltung
Verwaltung der HeidelbergCement (Teutonia) am Lohweg

18 Eisenbahn-Teutonia
HeidelbergCement (Teutonia) - Blick von Nordwesten

19 Rangierbahnhof-Teutonia
ehemaliger Güterbahnhof Misburg mit HeidelbergCement - Blick nach Osten

20 Teutoniahafen-Krananlage
Verladeanlage im Hafen der HeidelbergCement (Teutonia) an der Hast

21 Teutonia-Kaianlagen
Kaianlagen im Hafen der HeidelbergCement (Teutonia)

22 Teutoniahafen-Wendebecken
Blick über den Hafen der HeidelbergCement (Teutonia) an der Hast

23 Kemnabau
Kemnabau auf dem Gelände der ehemaligen Hann. Eisengießerei

24 Verwaltung Papenburg
Bauunternehmung Papenburg auf dem ehemaligen Germaniagelände

25 Spritfabrik Kraul-Wilkening-Stelling
Spritfabrik "Kraul & Wilkening u. Stelling
die älteste Fabrik in Anderten

26 Standort Bahnhof Misburg
An dieser Stelle der heutigen Güterbahn stand der erste Misburger Bahnhof

 


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