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Das Image städtischer Quartiere – Linden im Wandel?

Wohnen am Lichtenbergplatz
Wohnen am Lichtenbergplatz
Grünzug Rampenstraße
Grünzug Rampenstraße
Pavillonstraße / Selmastraße
Pavillonstraße / Selmastraße
Blick von Dornröschenbrücke
Blick von Dornröschenbrücke
Limmerstraße
Limmerstraße
Deisterkreisel
Deisterkreisel
Das Image städtischer Quartiere – Linden im Wandel?

Linden eilt ein besonderer Ruf voraus - für die einen buntes, multikulturelles Viertel mit hoher Lebensqualität, für die anderen schmuddeliges und problembelastetes Pflaster. Was ist dran an solchen Zuschreibungen? Was denken die Lindener über ihren Stadtteil und was die Bewohner anderer Stadtteile über Linden?

Eine studentische Untersuchung des Instituts für Wirtschafts- und Kulturgeographie der Leibniz Universität Hannover versuchte im Sommer 2009, derartige Linden-Images ausfindig zu machen. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf das Zustandekommen solcher Images und ihren Wandel in Verbindung mit Aufwertungsprozessen gelegt. Denn angesichts einer steigenden Wertschätzung der Stadt als Wohnstandort auf der einen Seite und anhaltenden Suburbanisierungstendenzen auf der anderen Seite, wird den Stadtteilen als direktem Wohnumfeld seit einigen Jahren ein höherer Stellenwert auch seitens der Stadtplanung beigemessen. Im Rahmen des Studienprojekts wurde neben einer Medienanalyse und zahlreichen Expertengesprächen eine standardisierte Befragung mit rund 800 Passanten durchgeführt. Bei der Auswertung der unterschiedlichen Methoden wurde zwischen den Aussagen der Lindener und den Aussagen derer, die nicht in Linden wohnen unterschieden, um Rückschlüsse auf das Eigenimage und das Fremdimage ziehen zu können.

So war vor allem zentrales Ergebnis der Studie, dass die Lindener ihren Stadtteil deutlich positiver wahrnehmen als Nicht-Lindener, was sich vor allem in einer hohen Stadtteiltreue und einem hohen Identifikationsgrad mit dem Stadtteil zeigt: Fast 90% der befragten Lindener möchten auch weiterhin in ihrem Stadtteil leben und fühlen sich mit ihm verbunden! Die Ursachen für diese hohe Wohnzufriedenheit sind ganz entscheidend in der speziellen Zusammensetzung der Lindener Bevölkerung zu sehen. Arbeiter, Studenten, Menschen mit Migrationshintergrund und Akademiker prägen das Bild Lindens und formen ein besonderes Milieu. Vor allem diese Bevölkerungsvielfalt, die Freundlichkeit und Offenheit der Menschen in Linden sowie die vielen Grün- und Freiflächen sind den Lindenern positiv aufgefallen. So wundert es nicht, dass rund die Hälfte von ihnen wegen der besonderen Atmosphäre nach Linden gezogen ist.

Dieses charakteristische Lindener Flair ist es, das in jüngerer Zeit Menschen nach Linden zieht, die vorher eher einen Bogen um den Stadtteil gemacht haben: Familien mit Kindern und Angehörige der Mittelschicht. Vor allem in Linden-Mitte zeigt sich dieser Trend deutlich an einer veränderten, kleinteiligen Einzelhandelsstruktur hin zu trendigen Szene-Läden, an Wohnungsbaumaßnahmen sowie an einer Aufwertung des öffentlichen Raums. Dieser Entwicklung sind in weiten Teilen Lindens jedoch eindeutig Grenzen gesetzt, da viele Wohnungen zu klein und darüber hinaus häufig in einem zu schlechten Zustand sind, um für die entsprechenden Schichten attraktiv zu sein.

Das kommt wiederum den Lindenern gerade recht, denn am liebsten soll alles so bleiben wie es ist – vor allem möchten sie verhindern, dass sie sich selbst in ihrem Stadtteil nicht mehr wohl fühlen oder gar durch befürchtete Preissteigerungen aus dem Stadtteil verdrängt werden.

Dennoch wandelt sich das Linden-Image schleichend, aber beständig. Besonders im Hinblick auf die Bevölkerungsstruktur, die Baustruktur und Bausubstanz sowie den Einzelhandel sehen sowohl die Lindener Befragten als auch die Befragten anderer Stadtteile nicht nur rückblickend, sondern auch zukünftig einen positiven Wandel weg vom „Schmuddelimage“ (das Linden leider sehr persistent anhaftet) hin zum attraktiven Wohlfühl- und Szeneviertel für die unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen.

Trotz der facettenreichen Qualitäten, die die Befragten mit Linden verbinden, sollte dennoch aber auch ein Blick auf die Problembereiche in Linden geworfen werden, denn hier liegen wesentliche Ansatzpunkte für eine Verbesserung der Lebens- und Aufenthaltsqualität in Linden! Insbesondere der Dreck im Stadtteil ist für viele Befragte Stein des Anstoßes gewesen: Immerhin rund 38% aller Befragten kritisierten die mangelhafte Sauberkeit im Stadtteil. Aber auch Probleme im Zusammenleben sowie „trading-down“-Prozesse im Einzelhandel und ein hoher Geräuschpegel sind häufig genannte Aspekte, die gleichwohl auch das negative Fremdimage Lindens mitprägen. Um die Lebens- und Aufenthaltsqualität in Linden zu steigern, müsste darüber hinaus das Wohnumfeld attraktiver gestaltet werden und das Wohnungsangebot sowohl von der Ausstattung als auch von der Wohnungsgröße her verbessert werden. Für immerhin 35% derjenigen, die schon einmal in Linden gelebt haben, waren dies Fortzugsgründe.

Insgesamt betrachtet ist und bleibt Linden aber ein ganz besonderer Stadtteil, der nicht nur durch seine vielen Freizeit- und Kultureinrichtungen als Szene-Viertel über die Stadtteilgrenzen hinaus bekannt ist, sondern bei einem detaillierten Blick auf den Stadtteil noch viele andere Qualitäten besitzt, die es zu entdecken gilt.

Motive für die Wohnstandortwahl

Motive für Wohnstandortwahl

Positive Assoziationen mit Linden

Positive Assoziationen mit Linden

Bilge Tutkunkardes, Institut für Wirtschafts- und Kulturgeographie an der Leibniz Universität Hannover
(tutkunkardes@kusogeo.uni-hannover.de)



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