Frühwarnsystem

Stadtentwässerung testet Abwasser auf Corona-Viren

Die Untersuchung von Abwasser auf Krankheitserreger ist ein bewährtes Konzept im öffentlichen Gesundheitsschutz. Inwiefern Untersuchungen auf Corona-Viren geeignet sind,  um die Verbreitung von Corona-Viren in einer Stadt oder den Verlauf zu messen,  und lokal schneller auf das Infektionsgeschehen  reagieren zu können, soll ein neues Projekt der Stadtentwässerung Hannover zeigen.

Gerade weil ein Großteil der Corona-Infizierten keine Symptome entwickelt, aber dennoch Viren ausscheidet, können Abwasseruntersuchungen ein wichtiger Hinweis auf Hotspots sein. So kann die Analyse von Abwasser kann als Frühwarnsystem eingesetzt werden.

Entwicklungen sind noch vor RKI-Zahlen erkennbar

Vorteil eines Abwasser-Monitorings: Die Entwicklungen sind bis zu zehn Tage früher als die RKI-Zahlen erkennbar. Steigt die Virenlast im Abwasser, muss irgendwo ein Infektionsgeschehen im Stadtgebiet im Gange sein. Bestandteile des Viren-Erbguts lassen sich molekularbiologisch noch längere Zeit im Abwasser nachweisen. Höhere Konzentrationen dieser viralen RNA sprechen für mehr Infizierte und Erkrankte in der Umgebung. Die Sensitivität reiche aus, um als Frühwarnsystem anzuzeigen, ob der Inzidenz-Wert überschritten werde. Messbar sind das Infektionsgeschehen in der Bandbreite von 20 bis 50 Corona-Infektionen pro 100 000 Einwohner*innen.

Stadtentwässerung Hannover in bundesweitem Austausch

Bundesweit gibt es bereits einige Projekte (TU Dresden, TU Darmstadt, Helmholtz-Zentrum Leipzig) mit denen die Stadtentwässerung Hannover seit einiger Zeit im Kontakt steht und die Erfahrungen im Praxisbetrieb aufmerksam verfolgt. In enger Abstimmung mit dem niedersächsischen Umweltministerium wird nun ein Projekt zur Untersuchung des Abwassers auf Corona-Viren und Abbildung in einem Monitoringsystem für das Gebiet der Landeshauptstadt Hannover sowie die angeschlossenen Umlandkommunen erarbeitet. Somit kann der Verlauf für rund 750.000 Menschen untersucht werden.

Förderung in Prüfung

Das Niedersächsischen Umweltministerium hat für dieses Projekt eine Förderung durch die NBank in Aussicht gestellt. Diese wird derzeit geprüft. 

Zeitlicher Ablauf

Vorgesehen ist, zwei Proben pro Woche an den beiden größten Klärwerken Niedersachsens sowie an verschiedenen Punkten im Kanalnetz zu nehmen und diese untersuchen zu lassen. Für die Untersuchungen ist die Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Labor vorgesehen, welches die Untersuchungen gemäß den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) durchführen kann. Die Untersuchungsmethodik und Auswertungsmöglichkeiten entspricht dem Standard nationaler und internationaler Vergleichsprojekte, mit denen ein enger Austausch gepflegt wird.

Wissenschaftliche Begleitung

Die wissenschaftliche Begleitung des Projektes erfolgt durch Prof. Dr. Schulz, Institutsdirektor für Virologie an der Medizinischen Hochschule Hannover, wodurch die Ergebnisse nicht nur den Gesundheitsbehörden zur Verfügung stehen, sondern auch in die aktuelle Forschung einfließen können.