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Mit Kind im Homeoffice

Man wird ja wohl mal jammern dürfen

Die aktuelle Situation stellt uns alle vor massive Herausforderungen, besonders zu Hause. Was macht das mit Familien? Ein Erfahrungsbericht.

Es ist anstrengend, verdammt anstrengend sogar. Seit etlichen Wochen sitzen wir daheim, ohne physischen Kontakt zu Freund*innen und Verwandten. Ohne Spielkamerad*innen, ohne Büchereibesuche, ohne Schwimmbad, Alles, was uns sonst davor rettet hier zuhause die Wände hoch zu gehen.

Und so langsam sind alle Bücher (vor-)gelesen, alle Hörspiele gehört und alle Spielsachen von vorne bis hinten bespielt. Unser sonst so ausgeglichenes Kind, was sich sonst prima selbst beschäftigen kann, ist anhänglich und der Satz „mir ist langweilig!“ kommt schon fast reflexhaft, sobald die Sendung mit der Maus oder das Hörspiel vorbei ist.

Langweilige Dauerschleife aus Kochen, Putzen und Wäsche

Mama und Papa müssen aber arbeiten. Wir können das zwar beide im Homeoffice machen und zählen somit wohl zu den Privilegierten dieser Tage. Und dennoch möchte ich jammern. Jammern darüber, dass nicht nur das Kind eine erhöhte Aufmerksamkeit braucht (die Schularbeiten müssen ja auch erledigt werden), auch der Haushalt ist mit drei Leuten deutlich pflegeintensiver. Das ewige Wiederholen der einfachsten Tätigkeiten verschwimmt zu einer langweiligen Dauerschleife aus Kochen, Putzen und Wäsche waschen. Und arbeiten muss ich ja auch noch. Der Tag hat zu wenige Stunden um allen individuellen Bedürfnissen innerhalb der Familie gerecht zu werden. Welche Familie in der kleinen Stadtwohnung hat ein separates Arbeitszimmer oder einen Garten, in dem der Nachwuchs unbeaufsichtigt spielen gehen kann?

Familiensystem läuft Gefahr zu kollabieren

Und hier stehen wir vor dem eigentlichen Problem. Wer hat wann welches Bedürfnis? Wer braucht gerade Ruhe zum Arbeiten? Wer braucht jetzt gerade Aufmerksamkeit oder jemanden zum Spielen? Dem gerecht zu werden und sich selbst dabei nicht aus dem Blick zu verlieren bedarf einem guten Gespür für uns selbst. Dass wir wahrnehmen können, wann es uns zu viel wird um rechtzeitig auf die Bremse zu treten und uns innerlich neu zu sortieren. Das Erstellen einer Rangliste muss an jedem Tag neu erfolgen. Ja, es ist wichtig die Wäsche zu waschen. Wenn aber ein Abgabetermin im Nacken sitzt und alle Hunger haben, dann muss die Wäsche noch einen Moment warten. Eltern sollten ihre Aufgaben für den jeweiligen Tag absprechen und dennoch flexibel in der Planung bleiben können. Ansonsten läuft das in vielen Fällen jetzt schon belastete Familiensystem Gefahr gänzlich zu kollabieren. Weil Eltern nicht mehr können. Und am Ende leiden alle darunter. Die Welt ist aktuell auf den Kopf gestellt. Achten wir gut auf uns, damit nicht noch die kleine Welt zu Hause aus den Fugen gerät.

Von Lillian Rensch (Koordination "Griffbereit unterwegs", LHH)