Ratgeber

Maskenpflicht mit Kindern?

Was kommt auf unsere Babys und Kleinkinder zu, wenn wir Masken tragen?

 

Für Kinder ist es wichtig, das Gesicht sehen zu können.

Der Großteil unserer Kommunikation verläuft bei uns unbewusst und nonverbal ab. Die Information von Sprache übermitteln wir zu 55 Prozent über Mimik und Gestik, zu 26 Prozent durch unsere Körperbewegung und -haltung und durch Variationen des Stimmeinsatzes. Nur zu 19 Prozent verläuft es über den wörtlichen Inhalt.

Für Kinder ist es wichtig, das Gesicht sehen zu können! Es ermöglicht ihnen das Gesagte zu analysieren und einzuschätzen.

Kinder regulieren ihr Verhalten über die Signale des Gesichtes. Sie warten auf Reaktionen von ihren Kommunikationspartnern, wie zum Beispiel ein Lächeln, ein Stirnrunzeln, Augenbrauen zusammenziehen oder ähnliches, um die Gefühle und Situationen besser beurteilen zu können. Werden die Signale Ihrer Gesichter nicht korrekt abgelesen, führt es zu Fehlinterpretationen und zu Missverständnissen. Dadurch geraten die Kinder in Stresssituationen. Kinder benötigen durch die Maskenpflicht viel mehr Zeit, um den unbedeckten Teil des Gesichtes lesen zu können.

Durch das Tragen von Masken ändert sich auch die Stimme und das Sprechen in der Melodie, dem Klang und in der Verständlichkeit. Ihr Gegenüber hört die Worte unter den Masken gedämpft, also nicht deutlich heraus. Zusätzlich fehlt den Kindern das Mundbild als Vorbild, da sie sich die Artikulation unter anderem von Ihren Lippenbewegungen abschauen.

Diese veränderten Faktoren (Mimik, Stimme und Artikulation) können sich negativ auf die Sprachentwicklung auswirken, zum Beispiel durch das Angewöhnen einer falschen Aussprache.

Um dem entgegenzuwirken, ist es wichtig, deutlicher und langsamer unter den Masken zu sprechen. Dazu wird eine kräftige Stimme benötigt.
Das Kind hat dadurch genug Zeit, das Gehörte zu verarbeiten.

Nutzen Sie möglichst viele Situationen im Alltag ohne Maske. Wenden Sie sich Ih-ren Kindern zu und bauen Sie Blickkontakt auf. Begleiten Sie Ihre Handlungen so viel wie möglich sprachlich und bieten den Kindern dadurch Worte an.

Unterstützen Sie die Sprachentwicklung Ihrer Kinder indem Sie viele Anlässe zum Sprechen nutzen sowie durch Vorlesen von Büchern, singen von Lieder, Reimen, Fingerspielen und ähnlichem. Haben Sie Spaß beim Sprechen!

In diesen Momenten sind Sie ein gutes Sprachvorbild.

Falls Kinder anfangen zu weinen oder im Stress sind, wird angeraten, die Masken abzusetzen, damit sie Ihr ganzes Gesicht erkennen und die "gewohnte" Stimme hören.

Autorinnen : 
Swantje Behrens/Logopädin und Fachkraft  für Rucksack KiTa im Familienzentrum Maximilian Kolbe
Corinna Schlutt / Pädagogische Fachkraft in der Kita St. Edith