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Schule

Die neue Kreativität

Es ist 7.50 Uhr. Keine Schüler*innen vor dem Eingang, kein Gedrängel am Tor – Schulalltag sieht normalerweise anders aus.

Zwar nimmt der Schulbetrieb seit einigen Wochen wieder Fahrt auf – seit Montag (18. Mai) sind neben den Viertklässlern nun auch die Drittklässler wieder am Pauken – der Geräuschpegel jedoch lässt nicht vermuten, dass an der Grundschule Alemannstraße in Vahrenwald das Leben wieder eingekehrt ist. Spätestens beim Betreten des Schulhofes werden mir die weitreichenden Auswirkungen der Pandemie wieder bewusst: Spielgeräte sind mit rot-weißem Flatterband abgesperrt, die Pausen für Dritt-und Viertklässler zeitversetzt. Auf dem Schulhof dürfen die Klassen nur in den für sie vorgeschriebenen Bereichen spielen. Einige der Kinder tragen Mundschutz, andere wiederum vergessen im Spiel schon mal den Abstand einzuhalten und müssen ermahnt werden. Und: Jeder Schüler*in ist ständig unter Aufsicht. Noch nie war der Betreuungsschlüssel in der Pause so hoch.  Normalität sieht anders aus.

Auf den Fluren spielen sich ähnliche Szenen ab: Klebestreifen markieren wie im Supermarkt die Stellen, an denen die Kinder warten müssen. Hygieneregeln, Abstand, Disziplin nicht nur im Spielbetrieb – die Schüler*innen haben bereits einiges in den Wochen der Krise verinnerlicht.

Derzeit beobachte ich aber auch ein anderes Phänomen: Die Kreativität der Kinder. Ein paar Viertklässlerinnen am Randes des Schulhofes binden die Abstandsregel in ihr Rennspiel ein, ein paar Meter weiter ein anderer Wettkampf: Aufgezeichnete Linien dienen hier den Drittklässlern als Orientierung beim Slalomlauf und um die nötige Distanz zu wahren. Auch ich mache bei dem Spiel auf Abstand mit, übe mit einer Rekordliste und Zollstock mit den Kindern den Weitsprung. So eine ungewohnte Ordnung auf dem Pausenhof hat auch ihre Vorteile: Keiner der gedankenlos über die Startlinie rennt, keine Drängelei um einen bestimmten Platz. Und sie lernen bei dem Umgang mit dem Zollstock ganz nebenbei etwas: Ein Gefühl für ein (Abstands-)Maß.

Von Alexandra Rust