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Erfahrungsbericht

Home-Office und Home-Schooling – unsere Zukunft?

Was ist aus den Eltern geworden, die während der Pandemie gezwungenermaßen Home-Office und Home-Schooling leisten mussten? Haben sich die beiden Konzepte bewährt? Und was macht das mit den Familien?

Wow, dachte ich zuerst. Keine langen Wege mehr zur Arbeit. Home-Office kann ich mir schön selber einteilen. Wechselweise aufs Kind aufpassen und arbeiten. Das wird schon irgendwie klappen.

Die Kita hatte dicht und so blieb uns keine andere Möglichkeit, denn die Großeltern waren tabu.

Was blieb unter dem Strich?

Home-Office wurde schnell zur absoluten Belastungsprobe fürs Familiensystem. Egal ob ein, zwei, drei oder mehr Kinder; sie möchten, dass man sich um sie kümmert. Und sie können nicht verstehen, warum Mama oder Papa vor einem Kasten sitzen, darauf rumtippen und schlimmstenfalls noch telefonieren.

Es ist ein Trugschluss zu meinen, dass Home-Office von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern genutzt wird, um ein bisschen "Chichi" zuhause zu machen. Es ist, zumindest aus Elternperspektive alles andere als entspannend, es ist anstrengend.

Wie oft bin ich durchs Haus getigert, auf der Suche nach einem ruhigen Platz zum Telefonieren? Und dann mitten in einer wichtigen Verhandlung kam das Kind und rief "Papa, ich muss Kacka!" Selbst der Abgebrühteste kommt da ins Trudeln und fühlt sich in Erklärungsnot, wenn am Ende der Leitung die komplette Telefonkonferenz mithört.

Und das Home-Schooling?

Wie beschreibt man das Wort "Horror"?

Home-Schooling oder dieser Ansatz von Home-Schooling, häufig ausgebremst durchs deutsche WLAN-Netz, kam mal per Mail daher, mit PDF, ohne PDF, als Word-Datei, in aktuellen oder diverseren Altformaten, gern auch mal als Libre-Office, via IServ oder über Dutzende anderer Kanäle.

Was nicht dafür spricht, dass die Lehrerinnen und Lehrer so schlecht arbeiten, sondern dafür, dass das System Schule

  1. noch lange nicht soweit ist und
  2. dass es in all der Panik keine einheitlichen Absprachen gegeben hat.

Das Konstrukt Home-Schooling hat sicher Charme für die Zukunft, aber nur wenn es verbindliche Qualitätsstandards und gemeinsame Absprachen gibt, wenn Lehrende, wie Schülerinnen und Schüler darauf vorbereitet und gut geschult worden sind.

Während des Lock downs mussten Kinder, Jugendliche und deren Eltern mit einem Flickenteppich aus Bildung klarkommen, der an den Bedürfnissen der Zielgruppe vorbeiging. Nicht nur Kinder verzweifelten, auch Eltern, die sich plötzlich als Erklärende für Binomische Formeln wiedergefunden hatten.

Was für Erkenntnisse bleiben für die Zukunft?

Home-Office kann entschleunigen und ist sicher ein Trend, aber nicht, wenn Kinder unbetreut zuhause sind.

Machen wir uns nichts vor; es ist nicht möglich effektiv zu arbeiten und gleichzeitig Legoburgen aufzubauen, zu füttern oder den Teddy zu suchen.

Da gilt es familien-flexible Lösungen zu finden, sich mit den Bedürfnissen der Arbeitenden zum Thema Home-Office von Firmenseite wohlwollend auseinanderzusetzen. Grundsätzlich muss jede*r selber abschätzen, was nötig ist, um einen guten Job zu machen. Wenn dafür Home-Office wichtig ist und die Bedingungen stimmen, dann nichts wie ran.

Home-Schooling muss neben der Infrastruktur in Deutschland sinnvoll und zielführend entwickelt werden. Es könnte schon jetzt ein individuell nutzbares Instrument z.B. zur Wiedereingliederung für Kinder mit Sozialphobien sein, die sich nicht mehr zur Schule trauen.

Es kann aber auch helfen, dass die Schülerinnen und Schüler lernen so zu arbeiten, wie es ggf. in ihren späteren Berufen in einer vernetzten Welt an der Tagesordnung sein wird.

Lasst uns das ordentlich machen und hoffen, dass der nächste Lock down an uns vorbeigeht!

Fakt ist, dass ein großer Teil der Familiensysteme massiv während der vergangenen Monate gelitten hat und dass Home-Office und -Schooling nicht geholfen haben, Situationen zu deeskalieren. In der jetzigen Form haben sie das Ganze eher zugespitzt. Für viele Kinder war die Zeit schwierig bis traumatisch.

Und die Eltern, die es durchstanden haben?

Die schicken wir jetzt alle zur Belohnung auf Eltern-Kind-Kur!

Von Michael Schwarz (Pädagogische Programme, LHH)