Extras

Zuletzt aktualisiert:

Familie & Beruf

Zu Hause mit Kindern: Rhythmus, Struktur und Rituale

Die Coronakrise stellt uns als Familie vor ganz neue Herausforderungen und führt oft zu Streit und Krisen (in den Familien).

Wir sind es nicht gewohnt, den ganzen Tag – die ganze Woche – Wochen – so eng beieinander zu sein. Es fehlen uns die gewohnten Strukturen und Abläufe, die jedem einzelnen in unserem normalen Leben Halt und Orientierung bieten. Gerade aus diesem Grund ist es sehr hilfreich, sich in der Familie eine Tagesstruktur mit bestimmten Abläufen und Ritualen zu geben. Wenn wir dieses tun, kann es uns helfen, negative Gefühle – hervorgerufen durch die vielen Anforderungen, Eindrücke (z.B. Medien) und Möglichkeiten erdrückt zu werden - zu verhindern oder zu bewältigen.

Es ist auch klar, dass Stress, Langweile oder die Unsicherheit, wie lange diese Situation noch andauern wird, sich auf alle in der Familie überträgt und es so vielleicht häufiger zu Konflikten kommt. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich klar zu machen, dass dieses eine Ausnahmesituation ist, die gerade alle Menschen auf unterschiedliche Art und Weise bewältigen müssen.

Wir sollten in der Krise mit dem Bewusstsein leben: „Es geht vorbei!“

Rhythmus, Struktur und Rituale

Rhythmus, Struktur und Rituale geben den meisten Menschen ein Gefühl von Sicherheit und Verlässlichkeit. Diese sind auch hilfreich, den Stress, dass scheinbar alles gleichzeitig an einem Ort passiert, zu minimieren.

Die hier abgebildete Struktur ist ein Vorschlag, der eine Orientierung bieten soll, die natürlich nicht in jedem Punkt für alle zutreffen kann. Die Strukturen, die eine Familie für sich wählt, sind so unterschiedlich wie die Familien selbst. Das heißt auch, dass es hilfreich ist, wenn sich der eigene Plan an vertrauten und gewohnten Ritualen orientiert.
Für viele Menschen strukturiert sich der Tag über die Mahlzeiten, und aus diesem Grund sollten diese auch für unsere Struktur ein Grundgerüst darstellen.

Für viele Menschen strukturiert sich der Tag über die Mahlzeiten, und aus diesem Grund sollten diese auch für unsere Struktur ein Grundgerüst darstellen.

1. Frühstück

Bei einem gemeinsamen Frühstück stellt sich schon die Frage nach der Uhrzeit, und hier kann es schon ein großer Unterschied sein, ob Kleinkinder oder einen pubertierende Jugendliche oder unterschiedliche Altersgruppen in der Familie habe. Natürlich braucht es hier individuelle Lösungen mit dem Ziel, eine möglichst verlässliche Struktur aufzubauen.

Eine gemeinsame Mahlzeit wie das Frühstück ist wichtig für die Kommunikation. Das Auf- und Abdecken des Frühstückstisches ist gleichzeitig eine wiederkehrende Aufgabe, in welche Kinder gut eingebunden werden können.

2. Arbeitsphase

Die meisten Menschen ob groß oder klein sind es gewohnt, am Vormittag einer Tätigkeit nachzugehen. Eltern arbeiten und Kinder lernen in der Schule oder spielen im Kindergarten. Aus diesem Grund macht es Sinn, diese Gewohnheit aufzunehmen und den Vormittag als Arbeits- Beschäftigungs- oder Lerneinheit einzurichten. Bei kleineren Kindern, die sich noch nicht gut alleine beschäftigen können, sollten die Eltern sich bei der Betreuung abwechseln, wenn die Möglichkeit besteht.

Dieses ist natürlich bei Alleinerziehenden nicht möglich. Hier ist es dann bei kleineren Kinder hilfreich, die kürzeren Phasen von Arbeiten (z.B. Aufräumen, Waschen, Home Office) und das gemeinsame Spiel klar voneinander zu trennen. Stress entsteht, wenn wir zu viele Anforderungen mischen. 

3. Mittagspause / Zwischenmahlzeit / Pause

Die Mittagspause soll die Arbeitsphase begrenzen. Dies kann ein „Mittagessen“ oder lediglich eine Zwischenmalzeit mit Keksen oder Apfelschnipseln sein. Es ist gut, die eigenen Ansprüche nicht zu groß werden zu lassen, damit diese uns nicht letztlich überfordern. Natürlich ist es wichtig, sich und die anderen mit der verdienten Pause zu belohnen, und da tut es gut, zumindest eine Kleinigkeit zu essen.

4. Nachmittag

Der Nachmittag muss auch sehr individuell betrachtet werden. Für Menschen, die im Home-Office sind, kann dieser eine zweite Arbeitsphase bedeuten. Für die meisten Kinder ist es hier nicht hilfreich, noch eine zweite Lernphase einzulegen, sondern lieber etwas zu spielen, einen Film anzuschauen oder ein Hörspiel zu hören. Wenn die Eltern nicht arbeiten müssen, wäre dieses auch ein guter Zeitpunkt, um gemeinsam unter Wahrung der Abstandsregelungen an die frische Luft zu gehen.  

5. Abendessen

Ein gemeinsames Abendessen bietet wieder einen festen Punkt und somit Orientierung. Wenn die Kinder schon etwas älter sind, sollten auch klaren Aufgaben wie beispielsweise das Decken des Tisches verteilt werden.

6. Familienritual

Um den Tag positiv zu beenden und das Gefühl der Familiengemeinschaft zu stärken, Geborgenheit zu erleben, entwickeln sie ein Ritual für ihre Familie. Dieses kann ein Gesellschaftsspiel, ein Film oder auch eine sich wiederholende Serie sein. Hier kann auch Körperkontakt zu den Kindern in diesen unsicheren Zeiten eine wichtige Rolle spielen.

Für viele Familien, gerade mit kleinen Kindern, ist es eine Unterstützung, den eigenen Tagesplan auf eine Tafel oder großes Blatt Papier zu schreiben und aufzuhängen.

Regeln, Reden und Streit

Auch wenn es einen „Plan“ gibt, lassen Sie in dieser Ausnahmesituation auch „mal Fünfe gerade“ sein. Ein zu hoher Anspruch an Haushalt, Arbeit, Heimschule sorgt wiederum für Stress.

Natürlich kann es in dieser Zeit, in welcher wir uns viel häufiger begegnen und es manchmal zu eng, zu laut oder langweilig wird, öfter zum Streit kommen. Es ist hier wichtig, die Kinder ausreden zu lassen und ihnen zu zuhören. Machen Sie keine Vorwürfe, sondern bringen Sie zum Ausdruck, was sie sich wünschen.

Ein Konflikt ist kein Beziehungsabbruch, auch wenn es sich manchmal so anfühlt. Wir sollten uns auch entschuldigen, wenn zu harte Worte gefallen sind.

Eine gemeinsame Aktivität mit etwas Abstand schafft oft wieder ein anderes Miteinander.

Von Klaus Kokemoor