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Erfahrungsbericht

Eine Liebeserklärung an die Eilenriede

Corona veränderte alles. So gestalteten mein Sohn und ich die Zeit des Lockdowns.

Montags: Bewegungskurs für 1-3-Jährige, dienstags: Musikgarten, mittwochs: Oma-Tag, donnerstags: Eltern-Kind-Turnen, freitags: je nach Wetterlage, z.B. Zoo, Sea Life, Bibliothek oder einfach mal zu Hause. Am Nachmittag Freunde mit oder ohne Kindern treffen, Spielplatz etc. Der Wochenplan meines damals 18-Monate alten Sohnes und mir, damals befand ich mich noch in Elternzeit. Er bot mir Abwechslung, Austausch und auch Entlastung.

Auf einmal mutterseelenallein

Dann kam Corona. Durch den Lockdown fiel auf einmal alles weg. Alles zu. Spielplätze geschlossen, keine sozialen Kontakte mehr. Zusätzlich befand sich mein Partner zu dem Zeitpunkt in der Abschlussphase seines Projekts und machte zudem noch eine Weiterbildung, sodass ich mich plötzlich mutterseelenallein mit meinem kleinen Sohn fühlte. Ungünstiger Zeitpunkt. Ich fiel in Panik und dachte: „Was muss ich jetzt alles an Spielzeug kaufen, um meinen Sohn zu beschäftigen?“. Ich versuchte, den üblichen Wochenrhythmus irgendwie aufrecht zu erhalten und baute Kletterparcoure aus Kissen, Stühlen und Bänken, führte eigene „Musikstunden“ durch. Doch nach zwei Wochen Mama und Kind fiel uns beiden die Decke auf den Kopf, was sich durch einen deutlichen Abfall der Frustrationsgrenzen auf beiden Seiten äußerte.

Hallo Eilenriede

Ich fing an, jeden Tag mit meinem Sohn in den Wald zu gehen. Das war Erholung pur! Mein Sohn lief voraus und entdeckte jedes Mal etwas Anderes, für das er sich begeisterte und ich beobachtete ihn fasziniert dabei. So kannten wir am Ende des Lockdowns jede einzelne Stelle des Waldes- den Ententeich, den natürlichen Sandkasten an einer Lichtung, umgestürzte Bäume, über die wir natürlich ALLE balancierten, ausgetrocknete Gräben, durch die mein Sohn mit vollem Eifer hoch- und runterlief. Wir entdeckten Würmer, Käfer und lauschten den verschiedenen Vogelgesängen, buddelten in der Erde, …

Neue Wege

Auch entdeckte ich das Joggen wieder für mich – eine halbe Stunde hielt es mein Sohn zufrieden in seinem Wagen aus und ich konnte mich auspowern. Ein wenig Zeit für mich und ich fühlte mich gleich viel ausgeglichener und hatte wieder die nötige Energie für meinen kleinen Entdecker. Anschließend war er dran- ab zum „Rodelberg“, wo er vergnügt lernte, die drei Treppenstufen rauf- und runterzuklettern. Auch der „Trimm-Dich-Pfad“ eignete sich hervorragend zum Auszutoben. Andere Eltern waren mitunter noch kreativer – sie bauten sich mit ihren Kindern einfach selbst Spielplätze. So fanden wir Wippen, Schaukeln und selbstgebaute Hütten vor, die wir erkundeten. Eine gesunde Mischung aus Bewegung und Entdeckung an der frischen Luft sorgte dafür, dass wir abends fix und fertig waren und sehr gut schlafen konnten.

Nach einigen Wald-Wochen, bei denen uns beiden nie langweilig wurde, lockerten sich die Corona-Maßnahmen Stück für Stück wieder. Obwohl die Spielplätze nun auch wieder öffneten, verschlug es uns dennoch lieber in den Wald, der auf den vielen kleinen Pfaden nicht so überlaufen war wie die großen Spielplätze.

Auch schon als mein Sohn frisch auf der Welt war, gingen wir viel in der Eilenriede spazieren, das hatte für uns etwas sehr Beruhigendes. Hier kann man dem trubeligen Stadtleben – wir wohnen mittendrin – für einige Zeit entkommen. Was uns vor der Geburt unseres Sohnes (und vor Corona) am Stadtleben so gereizt hat, war uns mit Kind nicht mehr so wichtig, daher suchten wir immer mehr die Ruhe des Waldes.

Gelassen in den Herbst

Im Juni ging es dann noch ein Stück weiter in Richtung Normalität, mein Sohn wurde in der Krippe eingewöhnt und ich fing wieder an zu arbeiten. Doch als mein Sohn gerade richtig eingewöhnt war, musste die Krippe schließen – einige Kinder hatten eine Schnupfnase und auch eine Erzieherin klagte über Halsschmerzen, sodass die Leitung die Gruppe vorsorglich für eine Woche schließen ließ. Corona? Nein, doch nur harmlose Schniefnasen, aber sicher sein kann man sich ja nicht… Das wird im Herbst wahrscheinlich noch häufiger auf uns zukommen. Aber immerhin bleibt uns ja noch die Eilenriede.

Von Alina Trettin (Berufspraktikantin Soziale Arbeit, Landeshauptstadt Hannover)