Ratgeber

Quarantäne mit Kind: Sinnvolle Beschäftigungen für Zuhause

Sechs Tipps für Aktivitäten während des Lockdowns, mit denen Kinder sowohl Spaß haben als auch gewisse Fähigkeiten ausbauen können.

Mit sinnvollen Beschäftigungen zu Hause werden bei Kindern Regelverhalten, Konzentration, Kreativität, Gerechtigkeitssinn und Ausdauer trainiert.

Der aktuelle Lockdown bringt Eltern und Kinder an ihre Grenzen. Neben Homeschooling und Homeoffice benötigen die meisten Kinder rund um die Uhr Beschäftigung. Irgendwann sind alle Bücher vorgelesen, das Spielzeug nicht mehr interessant und vor den Fernseher soll das Kind ja auch nicht permanent sitzen.

Durch die fehlenden Anregungen aus der Kita und der Schule können wichtige Impulse verloren gehen. Aspekte wie Konzentration, Sozialverhalten oder Bewegungsfähigkeit müssen nun ausschließlich in der Kernfamilie gefördert werden. Was also tun, um Kinder sinnvoll zu beschäftigen?

Hier gibt es eine Reihe an Inspirationen und Anregungen, auch ohne viel Vorbereitung. 

1.) Ein Klassiker: Gesellschaftsspiele

Diese bringen nicht nur Beschäftigung, sie fördern bei Kindern je nach Spiel auch das Regelverhalten, Konzentration, Kreativität, den Gerechtigkeitssinn und Ausdauer. Auch das Verlieren wird beim Spielen schonend gelernt.

Für jüngere Kinder eignen sich bekannte Spiele, wie "Memory", "Mensch ärgere dich nicht", "Uno", "Sagaland" oder "Das Verrückte Labyrinth".

Für Kinder ab dem Grundschulalter sind Spiele, wie "Die Siedler von Catan", "Das Spiel des Lebens", "Activity", "Cluedo" oder "Krazy Wordz" zu empfehlen. Sämtliche dieser Spiele gibt es in der Junior- bzw. Familienedition.

Außerdem sind Puzzle eine geeignete Beschäftigung, um sich zu konzentrieren und zu entspannen. Tipp: Tauschen Sie für ein wenig Abwechslung doch mal die Spiele mit befreundeten Familien. 

2.) Zwischen Licht und Schatten

Sie benötigen: Ein weißes Bettlaken, eine helle Lampe bzw. einen Overheadprojektor und verschiedene Alltagsobjekte.

Hängen Sie das Bettlaken so auf, dass Sie eine helle Steh- oder Tischlampe davor platzieren können. Nun werden Alltagsmaterialien, wie Federn, Bauklötze, Besteck, Kuscheltiere oder auch die eigenen Hände vor die Lampe gehalten, um mit dem Experimentieren zu beginnen. Aus den vertrauten Gegenständen werden plötzlich schablonenartige, nicht greifbare Objekte. Aus 3D wird 2D. Werden die Gegenstände weiter weg oder näher an die Lampe gehalten, verkleinern oder vergrößern sie sich. Formen verändern sich und werden auf Umrisse reduziert. Auch Taschenlampen eignen sich sehr gut zum Experimentieren mit Licht und Schatten.

Insbesondere Kinder im Krippen/ Kita-Alter können so erste Erfahrungen mit Kontrasten und Hell-und Dunkel-Unterscheidungen machen. In der kognitiven Entwicklung der Kinder gelten Schattenspiele als erste Erfahrungen mit abstraktem Denken.[i] Denn das Experimentieren mit immateriellen Erfahrungen - in diesem Fall der Schatten, der nicht greifbar ist – erweitert die reale Vorstellungsfähigkeit im frühen Kindesalter. Das Fehlen von haptischen Gegenständen regt im Kleinkindalter auch die Fantasie an.   

Ältere Kinder können ganze Geschichten an die Wand projizieren. Dazu werden Figuren aus Papier ausgeschnitten oder Spielfiguren benutzt, um ein Schattentheater aufzuführen. Hierbei kann das Laken auch zwischen die Kinder und die Eltern gehängt werden, sodass das Wohnzimmer zur Theaterbühne wird. 

3.) Stop-Motion-Filme produzieren

Ihr Kind spielt gerne mit Lego? Wie wäre es, wenn die Spielerei als Film festgehalten wird? Ein größeres Projekt bietet neben dem Homeschooling-Alltag eine spannende Abwechslung und kann neue Anreize für ihr Kind schaffen. Stop-Motion ist eine einfache Animationstechnik, die schon junge Kinder zum Erstellen kreativer Filme und Erzählen kurzer Geschichten einsetzen können.

Dies kann entweder mit Kamera und Videoschnittprogramm passieren oder mit Hilfe von Apps. Für die Umsetzung braucht es nur genügend Lego-Steine und ein Smartphone. Um einen "Brickfilm" zu drehen, überlegt man sich zunächst eine Geschichte. Dann können die Legofiguren als Protagonist*innen und eine geeignete Kulisse aus Legohäusern gebaut werden. Natürlich eignen sich auch andere Spielsachen für einen Stop-Motion-Film. Und aus Alltagsgegenständen wie Tüchern oder Pappkartons lassen sich im Handumdrehen Strand-Landschaften oder Großstädte bauen.

Falls Sie eine App zum Film-Drehen verwenden wollen, informieren Sie sich vorher, welche Stop-Motion-Apps sinnvoll sind. Einige Apps können kostenlos genutzt werden. Für vier bis fünf Euro lassen sich auch Pro Versionen downloaden. Einen ausführlicheren Praxisbericht finden Sie hier:

https://www.dji.de/ueber-uns/projekte/projekte/apps-fuer-kinder-angebote-und-trendanalysen/datenbank-apps-fuer-kinder/projekt-apps-fuer-kinder-praxisbericht-stop-motion-studio.html 

4.) Lernen mit der Maus

Wenn das Homeoffice Sie gerade fordert und die Kinder sinnvoll "abgelenkt" werden müssen, ist Tipp Nr. 4 sicherlich hilfreich. Auf der Internetseite www.wdrmaus.de können Kinder unter anderem Schritt für Schritt an das Programmieren herangeführt werden. Spielerisch werden kleine Geschichten mit der Maus programmiert. Außerdem gibt es täglich Livestreams der Sendung mit der Maus zum Hören – mit lustigen und interessanten Geschichten, MausSpots und ganz viel Musik. Auch für visuelle Unterhaltung ist gesorgt. So können Moderator*innen mit Hilfe eines 360-Grad-Films beim Skisprung oder ins Mittelalter begleitet und alle "Lach- und Sachgeschichten" der Maus nachgeschaut werden. 

5.) Laser-Parcours errichten

Sich bewegen wie ein/e echter Geheimagent*in – welches Kind träumt nicht davon? Alles, was Sie für einen – nicht ganz echten – Laserparcours benötigen, ist ein Knäuel farbiger Wolle.

Stellen Sie Stühle und Tische im Kreis auf und spannen Sie die Wolle kreuz und quer. Achten Sie darauf, dass die Wollfäden genug Abstand haben, damit ihr Kind dazwischen umher klettern kann. Wenn die Wolle auf verschiedenen Ebenen gespannt wird, erhöht das den Schwierigkeitsgrad. So können sich Ihre Kinder gleichzeitig bewegen und konzentrieren, während sie für eine Agent*innenkarriere üben. 

6.) Das Zuhause als Pressestelle

Die Abenteuer, die Sie als Familie erlebt haben, können in Form einer Zeitung, einer Radiosendung oder eines Fernseh-Beitrages festgehalten werden. Ermutigen Sie ihr Kind, kleine Beiträge zu schreiben, welche es während des Lockdowns erlebt oder fühlt.  Mithilfe von Schreib- oder Fotoprogrammen können die Artikel visuell verschönert werden.

Wenn Sie einen Drucker zur Verfügung haben, drucken Sie die fertige Zeitung aus und verschicken Sie diese an Familie oder Bekannte. Mit Hilfe einer Kamera oder eines Smartphones können auch Fotostorys abgedruckt werden. Ihr Kind lernt dabei, Erlebtes in Geschichten zu verpacken und eigene Erfahrungen zu verarbeiten. Außerdem bringt die Erstellung einer eigenen Zeitung, die auch Verwandte oder Freunde erhalten, ein großes Erfolgserlebnis.

Möglich sind auch eigene Radiosendungen, die mit Hilfe von Kassettenrekordern oder der Aufnahmefunktion von Computern oder Smartphones aufgenommen werden können.  Wie wäre es,  Oma und Opa oder die beste Freundin per Telefon zu interviewen? Die Lieblingsmusik findet ebenfalls Platz in der Radiosendung. Lassen Sie der Fantasie Ihres Kindes freien Lauf. Als Inspiration können Sie gemeinsam (Kinder-)radiosendungen hören.

Möchte Ihr Kind lieber als Fernsehreporter*in agieren, filmen Sie die Beiträge mit dem Smartphone oder einer Kamera. Ältere Kinder schaffen dies auch mit Hilfe eines Stativs alleine. Als Inhalt können Lieblingsbücher oder -spielsachen vorgestellt, Kunststücke gezeigt, Koch-Reportagen gedreht oder der Waldspaziergang gefilmt werden. Mit kostenfreien Schnittprogrammen können ältere Kinder Ihre eigene Sendung erstellen. Neben der Ausdrucksfähigkeit wird so auch die Medienkompetenz gefördert.

[i] Quelle: MARIANO DOLCI, REGGIO EMILIA: SCHATTENSPIEL IN DER REGGIOPÄDAGOGIK (Waterkant Academy)

Ansprechpartnerin:
Paula Swiderke
51.F Fluxx Notfallbetreuung
Tel. 0511 168 32784