Eingewöhnung

Wie gelingt der Start in der Kita?

Es ist ein großer Schritt für ihr Kind und für Sie als Eltern, den Wechsel aus der liebevollen häuslichen Betreuung in eine Kita zu vollziehen.

Wie lange die Eingewöhnung dauert ist individuell unterschiedlich und wird mit den Bezugspersonen besprochen und je nach Bedarf angepasst.

Damit diese emotional herausfordernde Situation gemeistert wird, haben Kitas ein gutes Eingewöhnungskonzept. Die geschulten pädagogischen Fachkräfte beziehen die Bezugspersonen – in der Regel sind das die Eltern – in die Eingewöhnung ihres Kindes ein. Enorm wichtig ist es, dass Sie sich Zeit für den Wechsel ihres Kindes nehmen. 

Sicher gebundene Kinder fühlen sich wohl wie ein Fisch im Wasser 

Als Eltern geben Sie ihrem Kind das Gefühl der Sicherheit. Ihr Kind hat erfahren, dass es bei ihnen Schutz und Geborgenheit findet, dass es getröstet und gut versorgt wird. Der Ausbau einer zuverlässigen Bindung zur Erzieher*in in der Kita geschieht im Rahmen der Eingewöhnung. Gelungen ist die Eingewöhnung dann, wenn ihr Kind die/den Erzieher*in als neue Bezugsperson, als Ansprechpartner*in, als Trostspender*in akzeptiert. Dann wird ihr Kind auch die neue Umgebung in der Kita erforschen und viele neue und für die Entwicklung wichtige Erfahrungen sammeln. 

Wie lange die Eingewöhnung dauert ist individuell unterschiedlich und wird mit den Bezugspersonen besprochen und je nach Bedarf angepasst.

Am häufigsten werden in Deutschland diese beiden Eingewöhnungskonzepte in der Kita angewendet, das Berliner Modell und das Münchener Modell.

Berliner Eingewöhnungsmodell

Viele Kitas arbeiten nach diesem Konzept. Es umfasst vier Phasen. Im Mittelpunkt steht das Kind mit seinen Reaktionen und Bedürfnissen. Ein Vorgespräch findet mit der Bezugserzieher*in statt. Sie wird die Eingewöhnung begleiten. Dort wird der Ablauf besprochen und welche vertraute Person die Eingewöhnung begleitet. Sie wird Sie beispielsweise auch nach einem geliebten Kuscheltier ihres Kindes fragen, dass ihrem Kind in stressigen Situationen Halt geben soll. 

Grund- bzw. Schnupperphase 

In der Grund- bzw. Schnupperphase machen sich die Kinder mit der neuen Umgebung vertraut. Die Kita wird für ein bis zwei Stunden besucht und Sie werden ihr Kind begleiten. Der Gruppenraum und die verschiedenen Aktivitäten können kennengelernt werden. Sie halten sich im Hintergrund. Sucht ihr Kind ihre Nähe, ist das auch in Ordnung.

Die Bezugserzieher*in begleitet das Kind bei der Eingewöhnung und nimmt aktiv Kontakt auf. Diese Phase dauert drei bis vier Tage. Nach und nach übernimmt die Bezugserzieher*in auch pflegerische Tätigkeiten und indem die Eltern dabei sind, versteht das Kind, dass es für Sie in Ordnung ist, wenn die Erzieher*in pädagogische und pflegerischen Tätigkeiten durchführt. 

Der erste Trennungsversuch

Etwa am vierten Tag der Eingewöhnung kann ein erster Trennungsversuch stattfinden. Sie bringen ihr Kind morgens in die Kita und verabschieden sich. Auch wenn ihr Kind weint, bleiben Sie bei ihrer Verabschiedung. Sie verlassen den Raum, bleiben aber in der Kita. Nach ungefähr einer halben Stunde holen Sie ihr Kind wieder ab. Die Reaktion ihres Kindes ist entscheidend dafür, wie lange die Eingewöhnung noch braucht. Beruhigt sich ihr Kind mit Unterstützung der Bezugserzieher*in schnell nachdem Sie gegangen sind, wird die Eingewöhnung in den nächsten Tagen abgeschlossen sein. 

Stabilisierungsphase

Sie sind nur noch als begleitende Person in der Kita anwesend. Die Bezugserzieher*in übernimmt alle pädagogischen und pflegerischen Aufgaben. Die Zeit, die ihr Kind allein in der Kita verbringt wird nach und nach erweitert. 

Schlussphase 

Nun bleibt ihr Kind mehrere Stunden allein in der Kita. Es sollte schon einen guten Kontakt zu den anderen Kindern und der Bezugserzieher*in aufgebaut haben und sich bei der Trennung schnell trösten lassen.

Münchener Eingewöhnungsmodell 

Die Eingewöhnung nach diesem Modell sieht vor, das Kind und Elternteil in die Gemeinschaft der Kindergruppe und des pädagogischen Personals eingewöhnt werden. Kinder und Erwachsene werden aktiv in diesen Prozess einbezogen. 

Vorbereitungsphase 

Die Bezugserzieher*in bespricht intensiv mit den Eltern die Konzeption der Kita, die individuellen Bedürfnisse des Kindes und die Eingewöhnung. Schon bei der Voranmeldung sollten Sie informiert worden sein, dass die Eingewöhnung in der Regel vier Wochen dauert. 

Kennenlernphase

Das Kind und ein Elternteil verbringen gemeinsam den Vormittag in der Kita. Diese Phase dauert eine Woche. Gemeinsam lernen Sie und ihr Kind die Kita kennen. Durch ihre Begleitung kann ihr Kind in Sicherheit die Abläufe in der Kita, etwa das gemeinsame Essen und die Morgenkreise kennenlernen. Die pädagogischen Fachkräfte sind dabei wichtige Ansprechpersonen. 

Sicherheitsphase

Die nächsten sechs Tage verbringen Sie weiter mit ihrem Kind in der Kita. Je nachdem wie weit ihr Kind schon Kontakt zu anderen Kindern und Erzieher*innen aufnimmt, ziehen Sie sich zurück und Erzieher*innen übernehmen erste pädagogische und pflegerische Aufgaben.

Vertrauensphase 

In dieser Phase sollte ihr Kind schon eine vertrauensvolle Beziehung zu den Erzieher*innen aufgebaut haben. Ihr Kind ist neugierig und erkundet die nähere Umwelt. Es muss sich nicht mehr permanent bei Ihnen rückversichern. Nun erfolgt die erste Trennung, die 30 bis 40 Minuten dauert. Sie bleiben in der Kita. Die Trennungen werden Tag für Tag verlängert. Dadurch gewöhnt sich ihr Kind langsam und erfährt die nötige Sicherheit in der Kita gut aufgehoben zu sein. Die Erzieher*innen werden Bezugspersonen die trösten und ihrem Kind über die Trennung hinweghelfen. Nun brauchen Sie nur noch telefonisch erreichbar sein. 

Abschlussphase

Während der gesamten Eingewöhnung finden Gespräche der Erzieher*innen mit den Eltern zur Eingewöhnung statt. In einem Abschlussgespräch wird die gesamte Eingewöhnung besprochen und wie es mit ihrem Kind in der Kita weitergeht. 

Fazit

Beide Eingewöhnungsmodelle haben sich in der Praxis bewährt. Das Berliner Modell gilt als erprobt und zuverlässig, da es schon länger in der Praxis Anwendung findet. Die Phasen sind klar abgegrenzt und Eltern haben einen guten Überblick.

Im Münchener Modell sind Kinder und Eltern aktiv in die Eingewöhnung einbezogen, die Eingewöhnung ist lange und intensiv und der Austausch mit den Eltern findet regelmäßig statt. 

Eine intensive Eingewöhnung lohnt sich

Viele Studien belegen, dass eingewöhnte Kinder weniger krank sind als nicht oder nur teilweise eingewöhnte Kinder. Zudem zeigen sich seltener Entwicklungsrückstände oder eine schlecht ausgeprägte Bindung.

Autor:  Andreas Schenk

Andreas Schenk, Fachbereich Jugend und Familie
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Fachberatung Kindertagesstätten für trägerübergreifende Angelegenheiten und Programme
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