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Drei Männer und eine Frau sitzen an einem runden Tisch. © Junker

An einem Tisch: Die beiden Flüchtlingssozialarbeiter Nina Doering und Philipp Peters gehen mit Rosom Gerezgiher Raso Tekae (links) und Abdu Mohammed Dokumente durch, die sie für ihren Asylantrag benötigen.

Flüchtlinge in der Region

Aufnahme von Flüchtlingen

Ein Dach über dem Kopf, eine Jeans und ein T-Shirt zum Wechseln und eine warme Mahlzeit am Tag: Wenn Flüchtlinge nach Deutschland kommen, ist schnelle Hilfe nötig.

Zurzeit leben über 7.000 Menschen in der Region Hannover, die einen Antrag auf Asyl gestellt haben – täglich werden es mehr. Eine echte Herausforderung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kommunen, die täglich im Einsatz sind, um Sprachkurse zu vermitteln, Unterkünfte für die Flüchtlinge zu fnden oder beim Ausfüllen der Anträge zu helfen. Auch bei der Region Hannover kümmern sich viele Teams um die Neuankömmlinge – sei es beim Jugendamt, der Ausländerbehörde oder im Fachbereich Gesundheit.

"Von Anfang an professionell begleiten"

Vertrauen ist die wichtigste Grundlage für Integration – diese Erfahrung macht Nina Doering beinahe täglich. Die 27-Jährige arbeitet als Sozialpädagogin in Seelze, wo sie gemeinsam mit ihrem 29-jährigen Kollegen Philipp Peters eintreffende Flüchtlinge betreut. "Wir kennen alle Ankömmlinge hier persönlich und haben einen guten Kontakt, weil wir sie von Anfang an begleiten und darin unterstützen, hier Fuß zu fassen", so Doering. "Die Arbeit ist sehr vielseitig – dazu gehört auch viel Beziehungsarbeit: Bei Problemen sind wir immer ansprechbar und machen auch schon mal gemeinsame Unternehmungen wie zum Beispiel Drachenboot fahren", ergänzt Peters. "Wir brauchen aber auch Fachwissen in vielen Bereichen, sei es um für die richtige medizinische Betreuung zu sorgen oder Formalitäten fristgerecht zu erledigen."

Fortbildungsangebote der Region

Zusammen mit seiner Kollegin Nina Doering nahm Philipp Peters regelmäßig an den Schulungen der Region Hannover teil. In Zusammenarbeit mit Sozialpädagoginnen und -pädagogen hatte die Region Fortbildungen etwa zu Aufenthaltsrecht, Arbeitsrecht für Flüchtlinge, zu Infektionsschutz oder zu anderen Themen des Gesundheitsschutzes ins Leben gerufen. "Dieses Qualifzierungsangebot unterstützt die alltägliche Flüchtlingssozialarbeit vor Ort", sagt Sozialdezernent Erwin Jordan, "die große Zahl an Flüchtlingen, die aktuell nach Deutschland einreist, stellt die Städte und Gemeinden vor enorme Herausforderungen. Wir lassen die Kommunen mit dieser Aufgabe nicht allein." In 20 Städten und Gemeinden ist die Region Ausländerbehörde und trägt die Kosten nach dem Asylbewerberleistungsgesetz.

Mit insgesamt 1,34 Millionen Euro fördert die Region Hannover zudem die Flüchtlingssozialarbeit vor Ort. Im Mai hatte die Regionsversammlung beschlossen, die bisher im Haushalt 2015 eingeplante Summe von 540.000 Euro noch einmal um 800.000 Euro aufzustocken. "Die Zahl der Ankömmlinge wächst weiter. Wir setzen uns dafür ein, dass diese Menschen von Anfang an professionell aufgefangen werden", so Erwin Jordan. Jede Stadt oder Gemeinde erhält einen festen Betrag von 13.500 Euro, der Rest wird proportional zur Einwohnerzahl verteilt. Die Mittel sollen direkt in die Flüchtlingssozialarbeit vor Ort einfießen, die zunehmend zur Schwerpunktaufgabe wird – auch für Nina Doering und Philipp Peters in Seelze. "Die meisten haben schwere Schicksalsschläge hinter sich", sagt Doering, "wir wissen, wie wichtig es ist, diesen Menschen den Weg für das Leben in Deutschland zu ebnen."

Ehrenamtliche lotsen Flüchtlinge engagiert durch den Alltag

Sie unterstützen beim ersten Zurechtfnden: Integrationslotsinnen und -lotsen sind geschulte Ehrenamtliche, die Zuwanderinnen und Zuwanderer bei ihrer Ankunft in Deutschland begleiten und im Alltag oder im Umgang mit Behörden helfen. Zuvor haben sie eine Schulung mit bis zu 50 Unterrichtsstunden etwa zu interkulturellen Kompetenzen absolviert. "Für die ausländischen Neuankömmlinge sind die Lotsinnen und Lotsen eine wichtige Begleitung und auch für die Städte und Gemeinden ist diese praktische Hilfe eine sehr wertvolle Ergänzung der Flüchtlingssozialarbeit vor Ort", sagt Dorota Szymanska, Leiterin der Koordinierungsstelle Integration der Region Hannover. Die Koordinierungsstelle der Region ist Schnittstelle zwischen dem Niedersächsischen Sozialministerium, das die Qualifzierung für Integrationslotsen fnanziell fördert, den Anbietern der Schulungen wie den Volkshochschulen und den Kommunen, in denen die Ehrenamtlichen eingesetzt werden.

  • Mehr Infos zu Integrationslotsen gibt es bei den Stadtverwaltungen.

Integrationskonzept formuliert Ziele für das Zusammenleben

Was brauchen Menschen, um sich in Deutschland wohlzufühlen? Was können wir gemeinsam tun, um Chancengleichheit für alle Einwohnerinnen und Einwohner, mit und ohne Zuwanderungsgeschichte, herzustellen? Diese und ähnliche Fragen soll das neue Integrationskonzept der Region Hannover beantworten. Im ersten Schritt hat die Region im vergangenen Jahr bei Veranstaltungen Betroffene und Interessierte nach Wünschen, Anregungen und Ideen gefragt. Betrachtet wurden die Themenfelder

  • "Partizipation und Teilhabe"
  • "Wirtschaft und Arbeit"
  • "Gesundheit und Pflege"
  • "Bildung und Sprache"
  • sowie "Vernetzung"

In den Diskussionen entstanden zudem die zusätzlichen Themenfelder "Willkommenskultur", "Flüchtlinge" und "Interkulturelle Öffnung". Inzwischen sind die Ergebnisse der Workshops gesichtet, sortiert und zusammengefasst. Viele gute Vorschläge sind zusammengekommen. "Aktuell sind wir dabei, daraus konkrete Ziele zu formulieren", sagt Dorota Szymanska, Leiterin der Koordinierungsstelle Integration der Region Hannover. Anfang 2016 möchte sie in einer öffentlichen Veranstaltung das neue Konzept vorstellen. Klar ist schon jetzt: Es gibt viele tolle Initiativen, oft auf lokaler Basis. "Ein ganz wichtiger Schritt wird die Vernetzung sein", sagt Szymanska. Das Integrationskonzept ersetze nicht die Arbeit in den Kommunen: "Wir wollen den Rahmen für eine erfolgreiche Partizipation und Teilhabe vor Ort bieten."

Interview

Unbegleitete Kinder auffangen

Frau Bach, in der Region treffen immer wieder auch unbegleitete Flüchtlingskinder ein – was brauchen diese jungen Menschen?
Vor allem Fürsorge und Hilfe beim Ankommen. Die Kinder und Jugendlichen, die es bis hierher geschafft haben, sind von ihren Eltern auf den weiten Weg geschickt worden, um gerettet zu werden. Bei ihrer Ankunft sind sie oft zunächst allein, haben ihre Familien und Bezugspersonen zurücklassen müssen. Die meisten der Ankömmlinge sind zwischen 14 und 17 Jahre alt und in einer wichtigen Entwicklungsphase. Deswegen fnden wir es sehr wichtig, dass sie ein familiäres Umfeld fnden.

  

Wie leben die Kinder und jugendlichen hier?
Derzeit sind es rund 40 ausländische Minderjährige, die ohne ihre Eltern hierhergekommen sind und für die die Region zuständig ist. Fast alle wohnen bei Verwandten. Im Moment ist es noch so, dass unbegleitete Kinder und Jugendliche aus anderen Ländern gezielt hierherkommen, meist mit der Adresse von Verwandten in der Hand, die in der Region leben und den Ankömmling aufnehmen können. Das unterstützen wir sehr, wenn wir sicher sind, dass sich das Kind wohlfühlt. In der Regel übernehmen wir die Vormundschaft für diese Kinder und Jugendlichen bis zu ihrem 18. Geburtstag.

  

Wie sieht eine solche Vormundschaft aus?
Wir sind Jugendhilfeträger in 16 Kommunen der Region Hannover. Treffen unbegleitete Minderjährige in diesen Städten und Gemeinden ein, bekommen sie einen Vormund gestellt – diese Aufgabe übernehmen unsere Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter: Sie treffen sich regelmäßig mit dem Kind, kümmern sich um die richtige Schule, um die medizinische Betreuung und wie und wo das Kind untergebracht ist. Die richtige Unterkunft zu fnden wird in Zukunft allerdings sehr viel schwieriger werden.

  

Warum?
Nächstes Jahr tritt ein neues Gesetz in Kraft, das die Aufnahme unbegleiteter ausländischer Minderjähriger nach einem bundesweiten Verteilerschlüssel regelt. Das bedeutet: Es werden sehr viel mehr minderjährige Ankömmlinge werden, die gleichzeitig aber keine familiären Bindungen in der Nähe haben. Wir werden nicht umhin kommen, Jugendliche in Wohngruppen unterzubringen. Wir setzen aber verstärkt darauf, Pfegefamilien zu fnden, die diesen Kindern ein geschütztes Zuhause geben können – mit unserer fnanziellen und fachlichen Unterstützung.

  

  • Infos zu Aufgaben einer Pflegefamilie gibt die Region Hannover unter Telefon 0511 / 616 221 29