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Vermittlungsprogramm

"Kunst umgehen" – 2020 mit digitalem Angebot

"Kunst umgehen", das überregional beachtete Vermittlungsprogramm für Kunst im öffentlichen Raum des Kulturbüros der Landeshauptstadt Hannover, geht in sein achtes Jahr. Auch 2020 wird es von Mai bis Oktober zahlreiche Veranstaltungsangebote präsentieren, die sich mit den Zusammenhängen von Kunst und Stadtraum auseinandersetzen: Führungen, Gespräche mit Gästen, performative Eingriffe oder Diskussionen zu aktuellen Themen. 

Bis Juli gibt es das Angebot Corona-bedingt ausschließlich in digitaler Form.

Das bewährte Team der Vermittler*innen bleibt dabei unverändert: Die Bildenden Künstlerinnern Anna Grunemann und Christiane Oppermann sowie der Kulturwissenschaftler Thomas Kaestle bringen ihre ganz persönlichen Perspektiven, Kenntnisse und Erfahrungswerte in ein vielschichtiges Programm ein, das zeigt, wie viele Aspekte des öffentlichen Lebens von Kunst im öffentlichen Raum berührt werden.

Eines ist allerdings zunächst anders: Die Auswirkungen der Corona-Pandemie verändern zwangsläufig auch die Vermittlungsformate von "Kunst umgehen". Veranstaltungen mit bis zu 20 Teilnehmer*innen vor Ort im Stadtraum sind vorerst nicht möglich – vor allem, wenn es wichtig ist, nahe beisammen zu stehen, die Stimme zu erheben und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Aus diesem Grund findet "Kunst umgehen" bis Ende Juli 2020 digital statt. Auf der eigens dafür eingerichteten Webseite www.kunst-umgehen.digital finden alle Interessierten regelmäßig sonntags ab 12 Uhr neue Veranstaltungsangebote, die sich an den gewohnten Formaten orientieren – nur eben als Magazinbeiträge, zusammengefügt aus Audio-, Video-, Text- und Bildelementen. Dabei bleibt die Individualität der analogen Veranstaltungen erhalten – jede*r Vermittler*in hinterfragt die Kunst weiterhin mit eigenen Mitteln und eigenen Schwerpunkten.

Die Teilnehmer*innen können ganz in Ruhe durch Führungen, Gespräche und Performances stöbern: zu Hause am Schreibtisch oder auf dem Sofa, aber auch auf eigene Faust im Stadtraum. Sie lassen sich wie gewohnt von "Kunst umgehen" informieren und inspirieren, um sich dann eigene Positionen und Perspektiven zu suchen.

Alle digitalen Veranstaltungen sind kostenfrei zugänglich und bleiben im Archiv verfügbar.

Folgende Veranstaltungen sind im Rahmen von "Kunst umgehen" bis Ende Juli als digitale Formate für www.kunst-umgehen.digital geplant:

MAI 2020

seit Freitag, 08. Mai, digital verfügbar
Kunst umgehen: Überblick
Überblicksführung
Spezial: Eine Stadt voller Denk- und Mahnmale
kostenfrei

Die digitale Führung ist der Beitrag zu den Glänzenden Aktionstagen der VIELEN anlässlich des 75. Tages der Befreiung und des Europatages. "Kunst umgehen" ist Unterzeichner der Niedersächsischen Erklärung der VIELEN, die sich zu Kunstfreiheit, Demokratie und offener Gesellschaft und gegen Faschismus, Populismus und Instrumentalisierung bekennt. Auf diesem Spaziergang werden Denk- und Mahnmale besucht: auch solche, die zeitweilig für uns gedanklich erschaffen und neu definiert werden.


Sonntag, 17. Mai | 12 Uhr (bleibt digital verfügbar)
Kunst umgehen: Sculpture Transfer
Performative Eingriffe für Entdecker*innen
Drehbare Schrauben von HAWOLI
kostenfrei

In diesem Jahr entwickeln die Vermittlerinnen Anna Grunemann und Christiane Oppermann bei "Sculpture Transfer" performative Eingriffe und Anlässe zur Auseinandersetzung in Resonanz zu ausgewählten Objekten, die im Rahmen des Experiment Straßenkunst in den Stadtraum fanden. Der Beginn dieses bundesweit ersten großen Programmes für Kunst im öffentlichen Raum jährt sich im September zum 50. Mal. HAWOLIS Drehbare Schrauben wurden im Jahr 1971 auf dem Georgsplatz installiert.


Sonntag, 24. Mai | 12 Uhr (bleibt digital verfügbar)
GPS
Vor Ort mit Gästen
Der Reisende (www.der-reisende.org) mit Jens Sundheim
kostenfrei

Jens Sundheim reist: Seit 2001 sucht er Orte auf, an denen Webcams Bilder ins Internet übertragen. In der Rolle des Reisenden stellt er sich, stets in gleicher Pose und wiedererkennbarer Kleidung, in den Bildraum der Kamera und schaut zurück. In Bits zerlegt, erreicht der Reisende jedes vernetzte Gerät rund um den Globus. Ein Fotograf nimmt das Bild an seinem Computer auf. Die Teilnehmer*innen fragen den Reisenden: Verändert die Kamera einen öffentlichen Ort? Oder lässt sie ihn vielleicht erst entstehen?


Sonntag, 31. Mai | 12 Uhr (bleibt digital verfügbar)

Kunst umgehen: Überblick
Überblicksführung
Kunst und Bau
kostenfrei

Auch in diesem Jahr folgt das Format "Kunst umgehen: Überblick" jeweils einem Schwerpunktthema. Fokus dieser Führung ist die Korrespondenz zwischen Kunst und Gebäuden, für die sie entstanden ist. Das Konzept der sogenannten "Kunst am Bau" ist etwa 100 Jahre alt: In der Weimarer Republik schlugen Künstler*innen-Verbände vor, einen Teil der Bausumme öffentlicher Gebäude für Kunst zu verwenden. Im Lauf der Jahrzehnte entwickelte sich diese Kunst vom Ornament hin zu mehr Eigenständigkeit.

JUNI 2020

Sonntag, 07. Juni | 12 Uhr (bleibt digital verfügbar)

Kunst umgehen: Sprechstunde
Unterwegs mit Gästen
Conrad von Meding, Redakteur bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung
kostenfrei

Die Sprechstunde lädt Gäste dazu ein, ihre ganz individuellen Blicke auf den Stadtraum Hannovers zu präsentieren und zu diskutieren. Conrad von Medings Perspektiven auf Hannover sind normalerweise in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung nachzulesen, für die er seit geraumer Zeit als Redakteur vor allem über lokale Themen schreibt. Er beschäftigt sich aber auch privat gerne mit historischen und architektonischen Aspekten der Stadt. Bei einem gemeinsamen Spaziergang erzählt er davon.


Sonntag, 14. Juni | 12 Uhr (bleibt digital verfügbar)
Kunst umgehen: Forum
Positionierungen und Begegnungen
Stefan Haupt: Kunst im öffentlichen Raum und Urheberrecht
kostenfrei

Stefan Haupt ist als Jurist spezialisiert auf Urheber-, Verlags-, Internet- und Medienrecht. Er betreibt eine Kanzlei in Berlin und ist seit diesem Jahr Honorarprofessor an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. In diesen Zusammenhängen setzt er sich auch mit Kunst im öffentlichen Raum auseinander: Welche Rolle spielt die Umgebung von Objekten – ist ein falsch platzierter Müllcontainer bereits ein Rechtsverstoß? Welche Ideen und Konzepte sind geschützt, welche Veränderungen zulässig?


Sonntag, 21. Juni | 12 Uhr (bleibt digital verfügbar)

Kunst umgehen: Überblick
Überblicksführung
Kunst und Friedhof
kostenfrei

Friedhöfe sind zugleich Orte des Gedenkens und Orte der Kontemplation. Zumeist sind sie außerdem Orte der Ästhetik, nicht nur wegen ihrer großen Dichte an Skulpturen. Der Stadtfriedhof Engesohde zählt zu den ältesten Friedhöfen Hannovers. Dort befinden sich unter vielen anderen die Grabstätten von Kurt Schwitters, Georg Friedrich Laves und Dieter Oesterlen. Doch er ist auch mit Erinnerungen an zeitgenössische Kunstprojekte verbunden, die dort als behutsame Interventionen stattfanden.


Sonntag, 28. Juni | 12 Uhr (bleibt digital verfügbar)

GPS
Vor Ort mit Gästen
Statistische Säule (AT) mit Ina Weise
kostenfrei

Noch existiert die Arbeit Statistische Säule der Dessauer Künstlerin Ina Weise gar nicht – weshalb es sich auch noch um einen Arbeitstitel handelt. Die 25 Meter hohe Lichtstele ist der wohl auffälligste Teil des Gewinnerentwurfes des Berliner Landschaftsarchitekturbüros von Stefan Grieger und Norman Harzer für die Neugestaltung des Steintorplatzes. Das Konzept befindet sich im Prozess der Ausdifferenzierung. Umso interessanter dürfte sich ein offener Austausch mit der Künstlerin gestalten.

JULI 2020

Sonntag, 05. Juli | 12 Uhr (bleibt digital verfügbar)

Kunst umgehen: Sculpture Transfer
Performative Eingriffe für Entdecker
in between von Hans Breder
kostenfrei

Anna Grunemann und Christiane Oppermann agieren in diesem Format nicht nur als Vermittlerinnen, sondern auch als Performerinnen. Mit Hans Breders Plastik in between im Maschpark nähern sie sich einem weiteren Objekt, das im Rahmen des Experiments Straßenkunst in den Stadtraum fand – im Jahr 1971 noch als Außenobjekt Hannover. Nachdem es zum Opfer von Korrosion und Vandalismus geworden war, schuf der Künstler 2002 eine Neufassung in deutlich veränderter Form.


Sonntag, 12. Juli | 12 Uhr (bleibt digital verfügbar)

Kunst umgehen: Forum
Positionierungen und Begegnungen
Cornelia Sollfrank: Kunst im digitalen Raum
kostenfrei

Cornelia Sollfrank machte sich bereits in den Neunzigerjahren einen Namen als Netzkünstlerin und Vertreterin des Cyberfeminismus. Sie setzte sich immer wieder kritisch mit spezifischen Aspekten digitaler Kunst auseinander: zum Beispiel mit Autor*innenschaft und Originalität. Heute forscht und publiziert sie zu Technofeminismus und Gemeingütern (Commons). Die Teilnehmer*innen unterhalten sich mit ihr über den digitalen als öffentlichen Raum, die Wechselwirkungen von online und offline sowie über künstlerische Hacks.


Sonntag, 19. Juli | 12 Uhr (bleibt digital verfügbar)

Kunst umgehen: Überblick
Überblicksführung
Kunst und halböffentliche Räume
kostenfrei

Die öffentlichen Räume in der Stadt werden zunehmend weniger. Immer häufiger unterliegt, was zunächst öffentlich erscheint, privaten Regeln und Verboten. Auf den Lichtmasten des Ernst-August-Platzes vor dem Hauptbahnhof zum Beispiel lassen sich umfangreiche Hausordnungen der Deutschen Bahn finden. Zugleich lassen viele private oder institutionelle Räume eine bedingte Öffentlichkeit zu: Kirchen oder Museen etwa. Welche Kunst lässt sich in solchen halböffentlichen Räumen finden?


Sonntag, 26. Juli | 12 Uhr (bleibt digital verfügbar)
GPS
Vor Ort mit Gästen
Kassandra/Attische Figur (Kurt Lehmann) mit Sonja Anders (Schauspiel Hannover)
kostenfrei

In einer Nische der Schauspielhausfassade, am Kopf einer Treppe, die vom Innenhof zum Pausenfoyer führt, steht Kurt Lehmanns Kassandra, auch Attische Figur betitelt. In den Sechzigerjahren entwarf er sie für Hannovers neues Schauspielhaus – das jedoch erst 1992 eröffnet wurde. Sonja Anders ist seit der Spielzeit 2019/20 dort Intendantin. Sie ließ ganz in der Nähe der Figur eine Leuchtschrift mit einem Zitat von Euripides installieren: „Lebe und Rette“. Wir unterhalten uns mit ihr über Kunst und Theater.