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300 Jahre Große Fontäne Herrenhausen

Wassertechnik für die Große Fontäne 1720

Durch die Personalunion gelangt englisches Ingenieurswissen nach Hannover.

Erste Wasserspiele

Bereits die Anlage des ersten Ziergartens südlich des Schlosses ab 1764 sah Wasserspiele vor. Auf einem nordwestlich gelegenen Sandrücken legte Fontänenmeister Cadart ab 1676 ein Wasserreservoir an. Dessen Versorgung erfolgte über eine 3,2 Kilometer lange hölzerne Röhrenleitung von höher gelegenen Quellteichen im Dorf Linden. Für begrenzte Zeit konnten so der künstliche Wasserfall der Kaskade sowie kleine Wasserspiele in der Grotte betrieben werden. Die Wasserspiele wurden bis ins 18. Jahrhundert in traditioneller Form mit Gefälledruck betrieben.

Der höchste Springstrahl der Welt

Kurfürst Georg Ludwig verfolgte ab 1698 in seinem Lustgarten ein ehrgeiziges Ziel: Anstelle vieler kleiner Wasserspiele sollte ein kräftiger, hoher Springstrahl Eindruck erwecken und de Fontänen anderer herrschaftlicher Gärten übertreffen. So sprang die Fontäne im „Bassin de Encelade“ im Lustgarten Versailles zu Beginn des 18. Jahrhunderts 25 Meter hoch. Fontänenmeister Pierre La Croix legte 1700 im Südteil des erweiterten Gartens ein Brunnebecken mit mehr als 50 Metern Durchmesser für den Springstrahl an. 1718 fiel die Entscheidung zugunsten einer wasserkraftgetriebenen Pumpenanlage, um den Betrieb einer großen Fontäne zu ermöglichen.

Technik für den höchsten Springstrahl

Englische Ingenieure entwickelten im 17. Jahrhundert fortschrittliche Wasserpumpen. Seit 1714 regierte der hannoversche Kurfürst Georg Ludwig England in Personalunion. Dadurch wurde der Transfer englischer Technik zur Verbesserung der Wasserspiele in Herrenhausen erleichtert. Für eine hohe Fontäne wurden leistungsfähige Druckpumpen benötigt. William Benson erhielt 1718 den Auftrag zum Bau der Pumpenanlage in Herrenhausen.Von Benson entsandte englische Mechaniker leiteten den Bau der Herrenhäuser Wasserkunst. Dafür wurde südlich des Gartens an der Leine ein hölzernes Maschinenhaus errichtet. Hinter der Wassermaschine wurde ein fast 900 Meter langer Abflusskanal ausgeschachtet.

1718 wurden nach Vorlage eines aus London zugesandten Holzmodell 322 gusseiserne, als druckbeständig angesehene Rohre hergestellt. Sie dienten als Wasserleitung zwischen den Pumpen und der Fontäne. Bei einem Probelauf der neuen Maschine mit drei Wasserrädern 1719 erwiesen sich die Gusseisenrohre jedoch als undicht. Der Springstrahl erreichte im Beisein des erzürnten Königs lediglich eine enttäuschende Höhe von fünf Metern. Unter der Leitung eines Zellerfelder Bergwerksingenieurs wurde die etwa 550 Meter lange Druckleitung daraufhin durch eine doppelte Leitung aus Bleirohren größeren Durchmessers ersetzt. So erreichte die Fontäne 1720 bei Vollbetrieb aller inzwischen fertiggestellten fünf Wasserräder die Höhe von 35 Metern. Herrenhausen hatte damit den höchsten Springstrahl der Welt.