Großer Garten

Gartentheater: Zweiter Bauabschnitt läuft

Das über 300 Jahre alte Gartentheater wird seine ursprüngliche Gestaltung zurückerhalten. Für die Dauer der Arbeiten ist es für Besucherinnen und Besucher gesperrt.

Bühne, Stich um 1735

Seit dem vergangenen Winter wird das historische Gartentheater der Herrenhäuser Gärten in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt, so nah am Original wie möglich. Die Arbeiten begannen im Dezember 2019 mit dem Zuschauerraum: Hier mussten etwa 120 Meter Hecken weichen. Im Januar wurden 12 Linden auf dem oberen Rang gerodet, die dort alten Plänen zufolge nicht hingehören. Im Frühjahr 2020 wurden dann neue Hecken und große Jungbäume aus der städtischen Baumschule gepflanzt. Die neuen Bäume erhielten wie zu Kurfürstin Sophies Zeiten einen kegelförmigen Schnitt. Ihre Anordnung gibt die einst bedeutende Sichtachse auf das Galeriegebäude frei. Im ersten Bauabschnitt wurden zudem der Orchestergraben beseitigt und die noch erhaltenen Goldenen Figuren um Repliken ergänzt.

Am 10. Dezember hat der zweite Bauabschnitt begonnen; die Arbeiten dauern voraussichtlich bis Mai 2021. Die Maßnahmen betreffen jetzt die Bühne samt Kulissen. Die Goldenen Figuren wurden zu ihrem Schutz abgebaut und für die Zeit der Sanierung eingelagert. Um dem Original von 1690 zu entsprechen, müssen die Linden auf der Bühne gerodet und ersetzt werden. Die neuen Bäume erhalten künftig wie zu Kurfürstin Sophies Zeiten einen kegelförmigen Schnitt. Der Kronenansatz liegt dann über den Hecken, so dass ein Streifen Himmel frei bleibt. Gemeinsam mit den Figuren fungieren die Linden nach der Neupflanzung wieder als wichtiges Bindeglied zwischen Zuschauerraum (Amphitheater) und Bühne.

Auch ein Teil der Hainbuchenhecken muss gerodet und neugepflanzt werden. Dadurch können zwei ursprünglich vorhandene Durchgänge durch die Kulissenhecken wiederhergestellt werden.

Auf der Balustrade der Kleinen Kaskade am Ende der langgezogenen Bühne stehen nach der Sanierung wieder vier goldene Figuren. Es sind drei Bronzerepliken der vorhandenen Figuren aus den 1970er Jahren und eine originale Bleifigur. Seit etwa zweihundert Jahren standen hier keine Statuen mehr.

heutiger Zuschauerbereich, Stich um 1735

Das um 1690 errichtete Gartentheater Herrenhausen ist nach derzeitigem Stand der Forschung das erste Heckentheater in Deutschland und von wegweisender Bedeutung für die Entstehung weiterer Gartentheater, die aber alle nicht mehr vorhanden sind. Es wurde als barocke Kulissenbühne angelegt, aber auch als Festraum, in dem gefeiert wurde. Weltweit einmalig sind seine Größe, seine reiche Ausstattung, die Verbindung von Zuschauerraum und Bühne sowie die Eingliederung in die gesamte Gartenanlage. Im 20. Jahrhundert hatte man jedoch Veränderungen vorgenommen, die sich vor allem in der Raumaufteilung und der räumlichen Wirkung ausdrücken.

Die Sanierungsmaßnahmen sind in intensiver Abstimmung mit der städtischen Denkmalpflege, dem CGL (Zentrum für Gartenkunst und Landschaftsarchitektur) der Leibniz Universität Hannover und dem Landesamt für Denkmalpflege entwickelt worden. Unterstützung leistete das Hamburger Planungsbüro Dittloff + Paschburg. Die Kosten für die Sanierung sind mit 500.000 Euro veranschlagt.

Modell vom Gartentheater, links Ist-Zustand, rechts 2020

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