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Berggarten

Titanenblatt in Blüte

Selten zu sehen: Die amerikanische Verwandte der Titanenwurz blüht im Tropenschauhaus. Leider welkt der Blütenstand schon nach etwa zwei Tagen.

Blick auf die Blüten © Dr. Boris Schlumpberger

Blick auf die Blüten

Das amerikanische Äquivalent zur riesenhaften Titanenwurz (Amorphophallus titanum) wird auch Titanenblatt genannt. Bei beiden Arten wächst immer nur ein lang gestieltes Blatt aus einer unterirdischen Knolle. Stirbt es nach vielen Monaten ab, treibt die Knolle nach einer Ruhephase ein neues Blatt oder aber einen Blütenstand.

Der aufrechte Blattstiel von D. gigas kann 3,5 Meter lang werden. Der Blütenstand ist deutlich kleiner: Er wird 50 bis 80 cm lang und steht auf einem 30 bis 120 cm langen Stiel. Die braune Hülle (Spatha) umschießt einen Kolben (Spadix), der zahlreiche kleine, unscheinbare Blüten trägt. Ähnlich wie bei der Titanenwurz lockt auch D. gigas mit einem für Menschen unangenehmen Geruch Bestäuber an, die eigentlich auf der Suche nach Aas sind. Allerdings verströmt bei D. gigas die Spatha den Duft, nicht der Spadix. Leider verwelkt der Blütenstand schon nach etwa zwei Tagen.

Die Gattung Dracontium kommt mit 29 Arten in den amerikanischen Tropen und Subtropen vor. D. gigas wächst in Nicaragua und Costa Rica. Amorphophallus dagegen ist mit ca. 230 Arten in den Tropen der Alten Welt beheimatet. Dracontium und Amorphophallus gehören beide zur Familie der Aronstabgewächse (Araceae). Trotz frappierender Ähnlichkeiten sind die beiden Gattungen jedoch nicht näher miteinander verwandt, sondern haben unabhängig voneinander eine Reihe gemeinsamer Merkmale entwickelt.

Der Entdecker aus dem Berggarten

Dracontium gigas wurde 1869 von Berthold Seemann in Nicaragua entdeckt und im selben Jahr im Journal of Botany als Godwinia gigas beschrieben. Er bezeichnete sie als das hinsichtlich Blatt und Blütenstand größte bislang bekannte Aronstabgewächs, denn die Titanenwurz war zu der Zeit noch nicht bekannt. Adolph Engler überführte die Art 1879 in die Gattung Dracontium. Schon Seemann hatte auf die Ähnlichkeit zu Dracontium hingewiesen, sich jedoch aufgrund abweichender Blütenmerkmale dafür entschieden, eine neue Gattung zu beschreiben.

Seemann wurde 1825 in Hannover geboren und begann seine Laufbahn mit einer Lehre im Berggarten der Herrenhäuser Gärten, bevor er später für die britische Admiralität als Naturforscher verschiedene Kontinente bereiste. Zwei Jahre nach der Entdeckung des riesenhaften Dracontium verstarb Seemann in Nicaragua.