An der Kamera: Sven Nykvist

Anlässlich seines Todes im Jahr 2006 beschreibt Peter W. Jansen den großartigen schwedischen Kameramann in seinem Nachruf im Berliner Tagesspiegel als „Bergmans Auge“. Und das ist keine Übertreibung.

Filmrolle und Filme

1953 sprang Sven Nykvist kurzfristig bei den Dreharbeiten von Ingmar Bergmans Abend der Gaukler ein. Der Auftakt einer künstlerischen Zusammenarbeit, die Jahrzehnte andauern sollte. 20 Filme gestalteten die beiden gemeinsam. Nach der Probe, 1983, war ihre letzte Kooperation. In seiner Autobiografie schreibt Bergmann: „Was ich am meisten vermisse, ist die Arbeit mit Sven Nykvist, vielleicht, weil wir beide von den Fragen des Lichts gefangen genommen waren...“ Gemeinsam war Ihnen auch die Auseinandersetzung mit dem Glauben, die Suche nach einem Gott, einer Erlösung, die es nicht gibt. Bergman kam aus einer protestantischen Pastorenfamilie, Nykvists Eltern missionierten im Kongo.
Sven Nykvist gilt in der Rückschau als einer der einflussreichsten Kamerakünstler der Filmgeschichte. „Die Wahrheit einer Geschichte liegt stets in den Augen einer Figur... Es ist sehr wichtig, das Licht so zu setzen, dass das Publikum erblickt, was hinter den Augen der Figur vorgeht,“ so Nykvist zu seiner künstlerischen Philosophie. Die zumeist in Schwarz-Weiß gehaltenen Bergman-Nykvist-Filme fanden nach und nach weltweit Beachtung. Auch andere Regisseure wurden auf das Kamera-Genie aufmerksam. Er drehte schließlich Filme mit Woody Allen, Volker Schlöndorff, Louis Malle, Bob Rafelson, Peter Brook, Andrej Tarkowskij, Richard Attenborough, Roman Polanski, und er inszenierte sogar Tom Hanks und Meg Ryan in Nora Ephrons Kinohit Schlaflos in Seattle.

Celebrity – für Woody Allen – war 1998 sein letzter Film.
In diesem Jahr 2022 wäre Sven Nykvist 100 Jahre alt geworden. Wir werden daran in den nächsten Monaten mit ausgewählten Werken auf unserer Leinwand erinnern!