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14. Türchen: Der Polarexpress

Alle einsteigen und ab zum Nordpol!
Der Polarexpress spielte Millionen ein, denn seine hyperrealistische Animation war technisches Novum. Wieso die Figuren einen allerdings so sehr gruseln können, dass man mit ihnen ins "unheimliche Tal" gerät, erfahrt ihr heute.

Der Polarexpress
(USA 2004, 96 Minuten) Animatiosfilm/Fantasiefilm
https://www.youtube.com/watch?v=f0oyHtZiJJs

 

Handlung

Es gibt wohl kaum ein amerikanisches Kind, das nicht an das Märchen vom Santa Claus und seinem Rentierschlitten glaubt. Nur ein kleiner Junge liegt abends wach in seinem Bett und will es genau wissen. Er lauscht in die verschneite Nacht hinaus, ob irgendwo ein Glöckchen klingt. Doch statt des Glöckchens naht ein mächtiges Brausen, und mit quietschenden Rädern kommt die schwere Lokomotive direkt vor seinem Zimmerfenster zum Stehen. Es ist der Polarexpress, und sein freundlicher Schaffner bittet zum Zusteigen. Ziel der Reise: Der Nordpol, Heimat des Weihnachtsmannes. Kino.de

Fun-Facts

Die Handlung des Films basiert auf der des gleichnamigen Kinderbuchs von Chris van Allsburg, welches genau wie der Animationsfilm sehr erfolgreich war. Wobei man es sich mit der Bezeichnung „Animationsfilm“ ein wenig zu einfach macht. Der Polarexpress wurde im Jahr 2006 im Guinnessbuch der Rekorde als erster Film aufgeführt, der vollkommen durch die Nutzung der „Motion Capture Technik“ entstand. Diese Raffinesse kam vorher allerdings schon bei der Animation des „Gollum“ aus Herr der Ringe zum Einsatz, nur wurde dieser Film ansonsten klassisch geschauspielert. Im Polarexpress schauspielerte vor allem Tom Hanks, er verkörperte ganze sechs Charaktere! Vom kleinen Jungen bis hin zum Weihnachtsmann – alles Tom. Wie das möglich ist? Tja, Motion Capture!

Aber was ist das eigentlich? Bei dieser Technik werden die Schauspieler*innen zunächst vor einem neutralen Hintergrund und mit Markierungen ausgestattet gefilmt. Ihre Bewegungen werden von einem Computer erfasst, analysiert und dann weiterverarbeitet, indem sie auf ein 3D-Modell übertragen werden. Dieses besteht aus einem virtuellen Skelett mit Gelenken, die die menschliche Gestik und Mimik imitieren. „Performance Capture“ nennt man diese spezifische Art mit der Technik zu arbeiten. Das Prinzip dürfte euch vielleicht von eurer Play Station geläufig sein, es wurde außerdem bei der Produktion von den späteren Filmen Avatar und Planet der Affen angewendet.

Ein Problem des Motion-Capture-Verfahrens ist der Effekt des sogenannten „Uncanny Valley“ (des „unheimlichen Tals“ oder auch „Gruselgrabens“). Was ist damit gemeint?
Die Akzeptanz einer animierten, tricktechnischen Darstellung menschlicher Figuren und menschlichen Verhaltens seitens der Zuschauer*innen wird immer größer, je realitätsnäher die Figuren gezeichnet sind. Der Roboter C-3PO in der Star Wars Saga kommt einem zum Beispiel noch etwas menschlicher vor, als sein Kumpel R2-D2. Im Gegensatz zu ihm der da kleiner ist und rollt, geht C-3PO aufrecht und hat humane Züge. Menschliche Formen und Bewegungen erhöhen also die Vertrautheit.

Doch interessanterweise ist es nicht so, dass diese Vertrautheit animierter Figuren mit dem Grad der Realitätsnähe wächst. Dies gilt nur bis zu einem bestimmten Punkt. Irgendwann erreicht die Realistik einer animierten Darstellung einen Perfektionsgrad, der die Figuren mit ihrem nur noch minimalen Rest von Unnatürlichkeit im Gegenteil eher unheimlich und gruselig wirken lässt. So ist leider auch beim Polarexpress.

Andere Animationsfilme umgehen dieses Dilemma, indem sie trotz ausgefeilter Technik ihre Figuren nicht „so menschlich wie möglich“ zeichnen, sondern ihnen ein wenig Künstlichkeit lassen. Menschliche Figuren behalten mit Absicht unnatürlich große Augen und wirken wie Zeichentrick-Charaktere. Oder es sind ganz andere Figuren – Monster, Wall-Es, Minions usw. – die „menscheln“. Diese Abweichungen sind entscheidend für die Wirkung, denn die Realität kann (noch?) nicht hundertprozentig imitiert werden und deshalb akzeptieren wir unterbewusst eher menschenartige als menschenähnliche Figuren.

Und warum nun „unheimliches Tal“? Es war ein japanischer Mechaniker, der dieses Paradoxon in der Rezeption von seinen Robotern aufzeigte: Die Vertrautheit und Akzeptanz wächst stetig mit der Menschenähnlichkeit, bis zum plötzlichen Bruch, wenn der animierte Mensch nahezu realistisch dargestellt wird und uns gruselt. Der japanische Wissenschaftler hat dies in Form einer Graphik dargestellt. Dort wo unsere Akzeptanz sinkt, bildet der Graph eine nach unten gehende Kurve, bildet ein „Tal“ des Gruselns – das Uncanny Valley.

Wo schauen?

Disney +