Koki Juni/Juli 2022 Programmheft

Tottori / Der Club der häßlichen Kinder

Liebe Freund*innen des Kinos im Künstlerhaus!

Es herrscht Krieg in Europa! Es herrscht Krieg im Kino.
Den Krieg auf die Kinoleinwand zu holen, ist schon immer eine ambivalente Angelegenheit gewesen. Selbst ein politisch und inhaltlich klar positionierter (und gut gemeinter!) „Anti-Kriegsfilm“ wird es nicht vermeiden können, vermittels seiner Ästhetisierungsstrategien auch Faszination fürs Grauen oder positive Bewunderung für Inszenierung, Kameraführung und Montage zu erzeugen. Hier sei nur an die quasi immersive Sequenz der Landung in der Normandie zu Beginn von Der Soldat James Ryan oder an die unendliche Kamerafahrt in 1917 erinnert.
Wir wissen um die Problematik, holen aber trotzdem, auch im Juni, den Krieg ins Kino. Es geht nicht anders!
Onoda – 10.000 Nächte im Dschungel erzählt von einem japanischen Soldaten, der ein Ende des Krieges für reine Propaganda hält; Sam Mendes‘ 1917 ist laut Kritik „der beste Kriegsfilm seit James Ryan“; For Sama liefert ergreifende Innenansichten des brutalen Krieges in Syrien; Silence Breakers erzählt von ehemaligen israelischen Soldaten, die ihre Einsätze in den besetzten Gebieten kritisch sehen und dies öffentlich machen; und mit Elem Klimows Komm und sieh haben wir eine Wiederaufnahme im Programm, auf die das Etikett „Anti-Kriegsfilm“ wohl am ehesten zu passen scheint. Der Filmkritiker Roger Ebert: „…einer der niederschmetterndsten Filme aller Zeiten. Ich kenne kaum einen anderen, der das menschlich Böse schonungsloser zeigt!“ – im Übrigen ein sowjetischer, ein russischer (!!) Film. Langes Echo dann entführt uns in die Ostukraine des Jahres 2016, bereits damals ein Kriegsgebiet.

Für die etwas andere Note in unserem Juniprogramm, die es natürlich gibt, sorgen u.a. die queeren Abende der Sommerperlen, zwei außergewöhnliche Videokonzerte (Bild und Musik live!) mit dem Ensemble Megaphon und internationalen Gästen, die feierliche Präsentation der Abschlussfilme des Masterstudiengangs Fernsehjournalismus der Hochschule Hannover – und natürlich das Filmfest für die Generationen – SEHPFERDCHEN, das Ende des Monats beginnt und mit seinem Ausklang im Juli unsere Spielzeitpause einläutet.

Wir sind dann ab 11. August wieder am Start mit unserem Sommerkino Open Air und natürlich auch mit Filmkunst im schattigen Kinosaal.

Einen tollen Sommer wünschen
Ralf Knobloch-Ziegan und das ganze Koki-Team