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Wir feiern das Kino! Fellini 100

Vor 100 Jahren wird Federico Fellini im italienischen Ort Rimini geboren. 30 Jahre später inszeniert er seinen ersten Film und startet damit eine Karriere, die das Kino in seinen Grundfesten für immer verändern wird.

Federico Fellini © Gemeinfrei. Fotograf: Walter Albertin, World Telegram staff photographer

Federico Fellini 1965

Fellinis Werk ist ziemlich breit. Von seinen neorealistischen Anfängen mit DIE MÜßIGGÄNGER oder LA STRADA über die revolutionären Experimente der 60er wie LA DOLCE VITA oder ACHTEINHALB bis zu den opulenten Phantasmen seiner Kostümfilme wie CASANOVA oder SCHIFF DER TRÄUME. Über die 40 Jahre seines Schaffens hat sich der Regisseur ziemlich verändert in seinem Stil. Dennoch ist sein Stil unverkennbar. Bei jedem Werk sagt man sofort „Ja, das ist ein echter Fellini.“, aber woran liegt das?

Sind es die wiederkehrenden Themen? Die autobiographische Analyse von Männlichkeit, die Stadt Rom, der Zirkus, die Clowns, die Frauen? Oder ist es etwas Filmisches? Die Episodenstrukturen, die außergewöhnlichen Kostüme, die karnevalesken Ausschweifungen seiner Szenen? Alles davon stimmt, aber Fellini ist noch mehr. Fellinis Kino ist ein Kino der Magie, der Träume, aber eben auch der Menschen, der Erinnerung. Fellini ist ein Meister darin das Absurde, das Künstliche und das Surreale mit etwas grundlegend Menschlichen zu verknüpfen. Bei ihm trifft der Neorealist auf den Träumer und den Zirkusdirektor. Fellinis Kino ist ein Kino des Staunens, eines, dass die bittere Realität des Lebens durch die Augen eines Kindes betrachtet und die Magie wiederentdeckt. So sind der aus den venezianischen Kanälen auftauchende Statuenkopf in CASANOVA, der Traum am Anfang von ACHTEINHALB und der plötzlich rieselnde Schnee in AMARCORD gleichwohl magisch. Die brennende Leidenschaft und sehnsüchtige Liebe für die Frauen ist ebenso groß wie die für die Clowns im Zirkus. Sein Werk verbindet die Einfachheit mit der Fantasie, den Neorealismus mit dem Surrealismus, lässt sie eins werden.

Dadurch gelingt es Fellinis Werke zu kreieren, die schlicht der Ewigkeit angehören. Sie sind Herzstücke der Kinogeschichte, ihr Einfluss nicht überschätzbar. Besonders seine beiden Meisterwerke LA DOLCE VITA und ACHTEINHALB beanspruchen schon einen Platz für ihn im Regieolymp. Sie sind in der Mitte des Werkes und auch des Stiles. Fellini gelingt es noch immer, im neorealistischen Stil die Lebensrealität seiner Figuren zu beobachten, die Straßen Roms, die Hauspartys, bei Episoden am Strand, in katholischen Schulen. Doch verschiebt sich der Blickwinkel etwas. Im Zentrum steht nun sein Alterego Marcello Mastroianni, der Fellinis innere Welten in den Filmen erkunden darf. Es sind Erinnerungen an Rom, an den Film, an Frauen, aber auch an die dunkelsten Stunden. Das Objektive weicht stärker und stärker dem Subjektiven, ohne seine Allgemeingültigkeit zu verlieren. Der riesige Zirkus aus schönen Frauen, kostümierten Clowns und ausschweifenden Partys ist Genuss wie Gefängnis. Fellini beleuchtet das Innere, um uns seine Natur von außen erkennen zu lassen. Denn Fellinis Filme haben bei aller Pracht und Schönheit immer auch etwas Tragisches an sich. Gleichwohl stiften sie auch immer Hoffnung, feiern das Leben, singen Hymnen auf die Verrückten, die Liebe, die Freuden des Daseins.

Kurzum: Fellinis Kino ist schlicht das Leben selbst. Es sogar oft echter als das Leben selbst, möchte man meinen.