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Vier Frauen und drei Männer stehen draußen auf einer Rasenfläche in zwei Reihen. © Stahl, Region Hannover
Ein Gebäude und das dazugehörige Gelände (inklusive Garten) von oben fotografiert. © Region Hannover

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Von Schulgarten bis Mediathek: Das Gelände und die Räumlichkeiten im Überblick.

Ein Mann mit Laptop. © Region Hannover

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Programm Gedenkstätte Ahlem

Vortrag von Prof. Dr. Wolfgang Benz

Die "Reichskristallnacht" als inszenierte Entfesselung der Gewalt ist am 8. November Thema bei der Veranstaltung der Gedenkstätte Ahlem im Haus der Region Hannover.

Vor 80 Jahren brach in der "Reichskristallnacht" am 9. November 1938 offene Gewalt gegen Juden aus – staatlich inszeniert, verübt nicht nur von fanatischen Nationalsozialisten, sondern auch
von ganz normalen Menschen, die zuvor freundliche Nachbarn und friedliche Mitbürger waren. Die entfesselte Gewalt, die sich in Brandstiftung gegen Synagogen, Plünderung von Geschäften und öffentlicher Misshandlung der Juden äußerte, war finstere Barbarei. Ihr folgte die Beraubung und Entrechtung durch die Regierung, die NSDAP und eine willfährige Bürokratie durch Tributzahlung ("Sühneabgabe") und Enteignung, womit Anfang 1939 die wirtschaftliche Existenz der deutschen Juden zerstört war. Die weiteren Schritte zur endgültigen Vernichtung nicht nur der deutschen Judenheit wurden rasch vollzogen.

In der Nacht des 9. November 1938 änderte sich alles

Zur Erinnerung an die "Reichskristallnacht" gehört die Illusion, die Mehrheit der Deutschen habe die Gewalt gegen Juden missbilligt. Auch die Legende, die Pogromtäter seien fanatische Nazis, bösartige Antisemiten, auf jeden Fall "Fremde" gewesen, nicht Nachbarn und Mitbürger, die ihrer Rohheit einmal freien Lauf lassen durften, hält sich hartnäckig. Nicht alle, die in den Novembertagen 1938 gegen Juden wüteten, sie misshandelten, verhöhnten, bestahlen und ihr Eigentum zerstörten, waren Antisemiten. Aber viele Bürger waren zu Gewalttätern geworden, die demonstrierten, wie fadenscheinig der Anschein bürgerlichen Anstands war. Die Erkenntnis darf deshalb nicht nur darin bestehen, dass Antisemitismus auch acht Jahrzehnte später lebendig ist. Die Lektion aus der Geschichte ist erst vollständig gelernt und begriffen, wenn die Diskriminierung aller Minderheiten, sei es wegen ihrer Religion oder Kultur, ihrer Herkunft oder ihrer sozialen Situation, geächtet ist.
In der Nacht des 9. November 1938 änderte sich alles: Die Pogrome, staatlich inszeniert und von der Öffentlichkeit hingenommen, beendeten das für die Juden immer mühsame Zusammenleben mit der Mehrheit der Deutschen. Die seit 1933 staatlich motivierte Diskriminierung der Juden mündete in Verfolgung und Vernichtung. Die "Reichskristallnacht" war das Fanal für alles Künftige; sie stand am Ende der Diskriminierung, mit ihr begann der Holocaust.

Wolfgang Benz

lehrte als Professor bis 2011 an der Technischen Universität Berlin und leitete dort das Zentrum für Antisemitismusforschung. Benz ist ein international anerkannter Vertreter der Antisemitismus- und Vorurteilsforschung sowie der NSForschung. Publikationen (u. a.): Der Holocaust, München 2018, Die Feinde aus dem Morgenland: Wie die Angst vor den Muslimen unsere Demokratie gefährdet, München 2016, Antisemitismus: Präsenz und Tradition eines Ressentiments, Frankfurt am Main 2015.

Veranstalterin

Region Hannover, Gedenkstätte Ahlem

Weitere Veranstaltungen

Termin(e): 08.11.2018 ab 19:00 Uhr
Ort

Region Hannover

  • Hildesheimer Straße 18
  • 30169 Hannover

Eintritt: frei

Haus der Region, Hildesheimer Straße 18, 30169 Hannover, Raum N003