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Bücherverbrennung im Mai 1933 in Hannover. Erkennbar haben Vertreter verschiedener studentischer Verbindungen mit ihren Fahnen (links oben) Aufstellung um den brennenden Scheiterhaufen für die Bücher genommen. Abgedruckt in "Die Weltschau" vom 21.05.1933, S. 2. © unbekannt

Bücherverbrennung im Mai 1933 in Hannover. Erkennbar haben Vertreter verschiedener studentischer Verbindungen mit ihren Fahnen (links oben) Aufstellung um den brennenden Scheiterhaufen für die Bücher genommen. Abgedruckt in "Die Weltschau" vom 21.05.1933, S. 2.

Erinnerungsort

Bücherverbrennung im Mai 1933 in Hannover

Die Bücherverbrennungen in deutschen Städten waren eine Station im Prozess der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933. In Hannover erinnert eine Gedenktafel am Maschsee.

Die Freiheit des Wortes, der Kunst und der Presse wurden auf dem Weg zur Diktatur in Deutschland zerstört. Die Spitzenvertreter der deutschen Literatur emigrierten ins Ausland. Wer das Land nicht verlassen konnte, musste zwangsläufig Unterdrückung und Schreibverbot erleiden.

Bücherverbrennungen im Deutschen Reich

Am 30. Januar 1933 hatte Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler einer konservativ-nationalsozialistischen Koalitionsregierung ernannt. In den folgenden Monaten nutzten Hitler und die NSDAP die Schwäche ihrer bürgerlichen und monarchistischen Koalitionspartner, um ihre Macht brutal auszuweiten. Im Laufe des Jahres waren die Parteien, die die Weimarer Demokratie begründet hatten, verboten. Nach den Märzwahlen 1933 und nach der Einrichtung der ersten Konzentrationslager schien den neuen Machthabern die Zeit gekommen für einen breit angelegten Schlag gegen die Freiheit des Geistes.

Die „Deutsche Studentenschaft“ (DSt) vereint mit dem „Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund“ (NSDStB) trieben die „Aktion“ Bücherverbrennung voran. Erst spät schloss sich das neu geschaffene Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda (Goebbels) an. Der „Höhepunkt“ war am 10. Mai 1933: In Berlin und anderen deutschen Hochschulstädten wurden öffentlich „undeutsche“ Schriften, d. h. Werke marxistischer, jüdischer, liberaler und pazifistischer Literaten und Dichter verbrannt.

Bücherverbrennung in Hannover

Auch in der Hochschulstadt Hannover organisierten Studenten der Technischen und der Tierärztlichen Hochschule eine Bücherverbrennung am 10. Mai 1933: Die Vorbereitungen in Hannover traf ein dreiköpfiger „Kampfausschuss (…) zur Bekämpfung von Schmutz und Schund“. Als Vertreter der NSDAP gehörte ihm der Dozent Viktor C. Habicht von der Technischen Hochschule an. Der Vorsitzende Hansen vertrat die Studentenschaft der Tierärztlichen Hochschule, er war gleichzeitig Führer des NSDStB an der TiHo. Der Privatdozent Dr. Doenecke von der Tierärztlichen Hochschule war als Vertreter des Kampfbundes für Deutsche Kultur im Kampfausschuss. Er verbreitete die antisemitischen „12 Thesen wider den undeutschen Geist“.

Sogenannte „Stoßtrupps“ durchsuchten vom 26. April bis 10. Mai 1933 in „Sammelaktionen“ private und öffentliche Buchbestände nach den missliebigen Büchern und brachten ihre Beute zu Sammelstellen. Die für die Vernichtung gesammelten Bücher wurden in einem demonstrativen Marsch von der TH über die Georgstraße durch die Innenstadt und die Hildesheimerstraße zum Bismarckdenkmal in der Aegidienmasch transportiert. Hier nahmen die beteiligten Organisationen im Kreis um den Scheiterhaufen Aufstellung und warfen namhafte Werke der Weltliteratur begleitet von sogenannten Feuersprüchen in die Flammen. Zu den aus Hannover stammenden verfolgten Künstlern gehörten unter anderem auch Theodor Lessing und Karl Jakob Hirsch.

Gedenken

Im Zuge der Anlegung des Maschsees von 1934 bis 1936 wurde der Bismarckturm abgetragen und nach Kriegsende nicht wieder aufgebaut. Die abgetragenen Steine gingen verloren. Der Ort der Bücherverbrennung liegt seit 1936 unterhalb der Wasseroberfläche des Maschsees, auf der Höhe der heutigen Papageienbrücke.

An die Bücherverbrennung 1933 erinnert seit dem Jahr 2013 eine in den Boden eingelassene Gedenktafel an der Geibelbastion am Maschsee mit dem berühmten Zitat von Heinrich Heine: „Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“ Ergänzend sind in unmittelbarer Nähe zwei Informationstafeln zur Bücherverbrennung (2013) und zum Bismarckturm (2014) aufgestellt worden. Jährlich wird hier am 10. Mai öffentlich der Bücherverbrennung gedacht.

Standort der Gedenktafeln Bücherverbennung und Bismarcksäule am Maschsee © LHH (Erinnerungskultur)