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Erinnerungsorte

Jüdische Gemeinde in der Ohestraße

In der Ohestraße unterhielt die jüdische Gemeinde seit 1887 zahlreiche kulturelle und soziale Einrichtungen. Seit 1990 erinnert ein Mahnmal an die Zerstörung der jüdischen Gemeinde durch die Nationalsozialisten.

In der Ohestraße befanden sich eine Bibliothek, Schulen, Lehrerausbildung, Kindergarten sowie eine öffentliche Küche. Hier begann etwa auch der Bankier Alexander Moritz Simon, in einer von ihm gegründeten Schule mit praktischem Unterricht, bevor er im Jahr 1893 die „Israelitische Erziehungsanstalt“ in Ahlem eröffnete. 

In diesem Zentrum wohnten Angestellte der jüdischen Gemeinde mit ihren Familien. Unter anderem lebte hier von 1925 bis 1935 Israel Alter, der berühmte Kantor der Synagoge, mit seiner Frau und den Kindern. Ebenso wie der Gemeindesekretär Leopold Grünbaum, über den keine weiteren Einzelheiten bekannt sind sowie der ehemalige Rechtsanwalt Dr. jur. Arthur Kaufmann, der nach dem Berufsverbot für jüdische Anwälte seine Wohnung in der Südstadt aufgeben musste und hier einzog.

Im September 1941 wurden beide Häuser in der Ohestraße zu sogenannten „Judenhäusern“ bestimmt, in denen die noch in Hannover lebenden etwa 1600 Juden auf engstem Raum zusammengepfercht wurden, bevor sie in die Ghettos nach Riga, Warschau oder Theresienstadt und ins KZ Auschwitz abtransportiert wurden. Im Juni 1942 war die Ohestraße restlos von den entrechteten Juden geräumt. Die Gebäude wurden der Stadt übergeben, die die Häuser bis zum Kriegsende unterschiedlich nutzte. Nach dem Krieg war in den Häusern für kurze Zeit die Organisation der jüdischen Überlebenden, das „Jewish Committee Hannover“ untergebracht.

Beide Gebäude wurden 1971 abgerissen und es entstanden die Berufsbildenden Schulen eins bis fünf. Das Mahnmal wurde am 27. April 1990 eingeweiht und besteht zum Gedenken an das jüdische Leben in Hannover. Schüler der Berufsbildenden Schulen setzen sich seit 1986 auf vielfältige Weise mit dem Mahnmal und der Geschichte der jüdischen Gemeinde auseinander. 

Das Mahnmal ist als freistehendes Tor gestaltet. Es kann symbolisch für die Hauseingänge der beiden Gebäude stehen. Die Inschrift auf der Gedenktafel lautet: 

„In der Ohestraße bauten die Juden Hannovers seit 1887 kulturelle und soziale Einrichtungen auf: Schulen und Lehrerausbildung, Kindergarten und öffentliche Küche. Zentralstelle für Wohlfahrtspflege. Die Nationalsozialisten zerstörten die jüdische Gemeinde. 1941/1942 sammelte die Gestapo in den Häusern Ohestraße 8 und 9 mehr als 340 Menschen zur Deportation in die Ghettos und Konzentrationslager Warschau, Theresienstadt, Riga und Auschwitz. Zur Erinnerung an das jüdische Leben in der Ohestraße und zur Anklage des Verbrechens seiner Zerstörung wurde 1990 dieses Mahnmal errichtet“.

Vor dem Mahnmal erinnern im Fußboden „Stolpersteine“ an die Familie von Kantor Israel Alter. 

Standort: Berufsschulzentrum, Ohestraße 8, 30169 Hannover