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Planungsansicht „Rathauskontor“, RTW-Architekten © RTW Architekten

Planungsansicht „Rathauskontor“, RTW-Architekten

Vermittlung der Vergangenheit

Lernort: Die hannoversche Stadtgesellschaft und der Nationalsozialismus

Die Landeshauptstadt Hannover plant derzeit einen Lernort zur hannoverschen Stadtgesellschaft im Nationalsozialismus in zentraler Lage am Theodor-Lessing-Platz. Schülerinnen und Schülern sowie anderen Besucherinnen und Besuchern wird die Geschichte des Nationalsozialismus in Hannover einschließlich seiner Ursprünge sowie das Wirken rechtsextremer Organisationen und Denkens bis in die Gegenwart vermittelt. Der Lernort wird ein unverwechselbares Profil aus der Bündelung von historischer Darstellung und interaktiven Lern- und Workshop-Einheiten zu Demokratie und Zivilcourage erhalten. Das Wissen über die NS-Zeit in Hannover zu vervollständigen und zu vermitteln ist eine Daueraufgabe der Städtischen Erinnerungskultur.

Konzept

Ein wissenschaftlicher Beirat aus HistorikerInnen, PädagogInnen und GedenkstättenmitarbeiterInnen berät und unterstützt seit 2011 die Landeshauptstadt Hannover in der Herausformung eines erinnerungskulturellen Profils. Im September 2013 griffen die SPD-Fraktion und Fraktion Bündnis 90/Die Grünen mit dem Antrag im Kulturausschuss des Rats der Landeshauptstadt Hannover die Forderung nach einem „zentralen Dokumentations- und Lernort“ (Antrag Nr. 1912/2013) auf, die bereits seit den 1980er Jahren besteht. Das Konzept hierfür wurde am 9. Juni 2017 im Kulturausschuss der Landeshauptstadt vorgestellt und einstimmig verabschiedet.

Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats

  • Harald Härke, Stadtrat Hannover, Vorsitzender des Beirats
  • Prof. Dr. Detlef Schmiechen-Ackermann, Leibniz-Universität Hannover, Sprecher des Beirats
  • Dr. Ulrich Baumann, Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas
  • PD Dr. Andreas Brämer, Institut für die Geschichte der deutschen Juden
  • Stefanie Burmeister, Gedenkstätte Ahlem der Region Hannover
  • Klaus Farin, Stiftung Respekt!
  • Friedirch Huneke, Leibniz Universität Hannover und St. Ursula-Schule
  • Bärbel Jogschies, Staatsschauspiel Hannover
  • Dr. Horst Meyer, Netzwerk Erinnerung und Zukunft e.V.
  • Ltd. MinRat a.D. Albrecht Pohle
  • Reinhard Schwitzer, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Hannover i.R.
  • OStD Martin Thunich, Wilhelm-Raabe-Schule Hannover

Das Team der Städtischen Erinnerungskultur arbeitet nun an der konkreten Ausformung und Umsetzung des Grundlagen-Konzepts. Ein Gestaltungsbüro entwickelt erste Umsetzungsideen für die Ausstellungsgestaltung. Unter dem Motto „MITMACHEN ODER WIDERSTEHEN?“ soll die gesamte Bandbreite möglicher Verhaltensformen innerhalb einer Diktatur nachgezeichnet werden: Von den verfolgten Opfern und Widerstandskämpfern bis hin zu den Mitgliedern der „Volksgemeinschaft“, Profiteuren und Tätern.

Im Vordergrund steht hierbei die biographische Erzählung. Geschichte wird von Menschen gemacht, deren Lebenswege aber auch Entscheidungsprozesse dargestellt werden. Neben einer ersten Ebene des Kennenlernens von historischen Personen auf einer Portraitwand werden im Modul „Meine Nachbarn?“ ausgesuchte Biographien, auch durch das Zeigen von Original-Objekten, vertieft.

Mit dem Modul „Meine Welt?“ findet schwerpunktmäßig eine lebensweltliche und partizipatorische Vermittlung statt. Erst aus der Gegenwart erfolgt der Rückgriff auf die Vergangenheit. Die Belange, Wünsche, Ängste und Hoffnungen der jugendlichen Zielgruppe sollen hier ihren Platz finden und das Interesse an historischen Themen aber auch das Formulieren und Behaupten von eigenen Positionen entwickeln werden.

Neben den biographischen und lebensweltlichen Schwerpunkten erfolgt eine weitere Vermittlung durch eine topographische lokalgeschichtliche Erzählung: Die BesucherInnen erkunden ihre Stadt und erfahren so mehr über die Geschichte ihrer Straßen, Stadtteile und Orte.

(Konzept „Lernort: Die hannoversche Stadtgesellschaft und der Nationalsozialismus“ Stand: 18. April 2017)

Verortung

Der Lernort findet seinen zentralen Platz inmitten der hannoverschen Innenstadt: Das „Rathauskontor“, im Gebäude der ehemaligen Volkshochschule, wird momentan von einem Investor aufwendig saniert. Der Lernort wird seine Inhalte in sechs unterschiedlichen Modulen auf ca. 600 qm auf zwei Ebenen vermitteln, die räumlich für die BesucherInnen durch Rundläufe erschließbar sind.

(Pressemitteilung zur Standortfrage vom 10. Februar 2017)

Wichtigste Anlaufstelle im Lernort ist die Arena, die als Forum für Planspiele zur Demokratie und pluralistischen Austausch für alle Besuchergruppen offen steht.   

Der Lernort bündelt an einem zentralen Ort die Geschichte aber auch die erinnerungskulturellen Bemühungen in der Stadt Hannover. Wichtige Aufgabe ist und bleibt es dennoch, die lokalen Formen der Information und des Erinnerns sichtbar zu machen. In dem Modul „Meine Stadt?“ schafft der Lernort einen Überblick über lokale Ereignisse und Spuren bestimmter Menschen im Stadtbild. Dieser Überblick wird als Ausgangspunkt für Ausflüge zu besonderen Orten im Stadtgebiet sein.

Teilhabe und Zusammenarbeit

Der Lernort zur hannoverschen NS-Geschichte ist Teil der Stadtgesellschaft. Er soll allen Menschen offen stehen – nicht nur für einen Besuch, sondern für einen produktiven Austausch. Besonders wichtig ist daher auch die Zusammenarbeit mit anderen Bildungsinstitutionen wie der Leibniz Universität Hannover, dem Stadtarchiv und dem Historischen Museum Hannover sowie vor allem mit der Gedenkstätte Ahlem, aber auch mit den vielen zivilgesellschaftlichen Initiativen, die lokal verortet wichtige Gedenk- und Vermittlungsarbeit leisten. Viele von ihnen sind im Netzwerk Erinnerung und Zukunft e.V. organisiert, mit dem eine enge Kooperation besteht. 

Der zukünftige Lernort richtet sich in großen Bereichen auch Schul- bzw. Jugendgruppen. Daher werden von Beginn an Jugendliche in die konkrete Umsetzungsphase durch Beteiligungsprozesse eingebunden.  So arbeitet eine Gruppe von jungen Menschen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr Kultur oder Politik absolvieren, an der Gestaltung eines Jugendzimmers für den Bereich „Meine Welt?“.

Dokumente