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Ein Mann und drei Frauen vor einem Mahnmal. © LHH

Das Mahnmal erinnert seit 70 Jahren an die Opfer der hannoverschen KZ-Außenlager.

Gedenkfeier

70 Jahre Mahnmal für die hannoverschen KZ-Opfer

Die Städtische Erinnerungskultur der Landeshauptstadt Hannover lud am Donnerstag, den 14. September zum 70. Jahrestag der Einweihung des zentralen Mahnmals für die Opfer der KZ-Außenlager in Hannover auf dem Seelhorster Friedhof zu einer Gedenkveranstaltung mit Vortrag und Lesung ein.

Die Veranstaltung begann mit einer Ansprache von Thomas Hermann, dem Bürgermeister der Landeshauptstadt. Er spannte dabei den Bogen von der Geschichte des Nationalsozialismus zur heutigen Zeit und betonte, dass die Botschaft, die uns die ehemaligen Häftlinge hinterlassen haben nach wie vor aktuell bleibt. "Das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus ist fester Bestandteil unserer demokratischen Kultur und im öffentlichen Raum vielerorts präsent. Dennoch bleibt die Aufgabe und Mahnung von damals bestehen. Gemeinsam müssen wir wachsam sein, um rassistische und demokratiefeindliche Ideologien bekämpfen zu können. Dazu gehört auch, den vor Gewalt und Not Flüchtenden eine Heimstatt zu geben", so Hermann.

Gedenkveranstaltung 

Zur Geschichte des zentralen Mahnmals, seiner Entstehung und Einweihung, hielt im Anschluss Dr. Kreter von der Städtischen Erinnerungskultur einen Bildervortrag. Außerdem trugen eine Schülerin und ein Schüler der St. Ursula-Schule in der Südstadt ausgewählte Passagen der Ansprache vor, die Adolf Grimme, der spätere niedersächsische Kultusminister und Generaldirektor des Nordwestdeutschen Rundfunks im Jahr 1947 anlässlich der Einweihung des Mahnmals gehalten hatte. Die musikalische Begleitung der Veranstaltung übernahm die Gruppe Violin Guys. Insgesamt waren etwa 80 Besucher anwesend.

Victor Fenyes und der "Ausschuss ehemaliger Konzentrations-Häftlinge Hannover"

Ebenfalls anwesend waren Angehörige von Dr. Victor Fenyes, der als KZ-Häftling über Auschwitz und weitere Lager wie Bergen-Belsen im Jahr 1945 ins KZ-Außenlager Ahlem gebracht wurde und dem schließlich bei der Räumung des Lagers die Flucht ins bereits befreite Hannover gelang. Seine Geschichte steht stellvertretend für die vielen ehemaligen KZ-Häftlinge, die in Hannover mit ihrer Arbeit und ihrem Engagement zur Entstehung des Mahnmals beitrugen. 
Auf Initiative von Victor Fenyes und einem ehemaligen Häftling des KZ Mühlenberg, Gerhard Grande, organisierten sich die vormaligen Verfolgten im April 1945 im "Ausschuss ehemaliger Konzentrations-Häftlinge Hannover". Victor Fenyes wurde zum Vorsitzenden gewählt und übernahm später auch den Vorsitz der Nachfolgeorganisationen. In dieser Position organisierte er die Unterstützung für die durchreisenden und in Hannover ankommenden ehemaligen Insassen der Konzentrationslager und initiierte das Gedenken für die Opfer des Nationalsozialismus in Hannover. Ab 1954 arbeitete Victor Fenyes in der Entschädigungsbehörde Hannover als Sachverständiger für Haft- und Konzentrationslagerstätten in "Wiedergutmachungsverfahren". Bis zu seinem Tod 1968 engagierte er sich weiterhin für die Erinnerung an die Opfer des Holocaust. 

Das Mahnmal 

Das auf Betreiben des "Hauptausschusses ehemaliger politischer Häftlinge Hannover" errichtete KZ-Mahnmal, dessen Grundstein am 7. September 1946 im Rahmen einer großen Gedenkfeier gelegt wurde, erinnert an die 390 auf dem Seelhorster Friedhof beerdigten Toten der KZ-Außenlager Stöcken, Mühlenberg und Ahlem und die Toten der anderen hannoverschen KZ-Außenlager. Die Einweihung des Mahnmals erfolgte am 14. September 1947 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung. Das Mahnmal markiert aber nicht nur die Begräbnisstätte der Toten. Es ist ein Versprechen der Überlebenden, sich der Toten zu erinnern.

Geschrieben steht dort auf dem linken Pfeiler:

"Wir gedenken unserer ermordeten Kameraden der KZ-Lager Mühlenberg, Ahlem, Stöcken." (stellvertretend für die anderen Toten der hannoverschen Konzentrationslager in Stöcken-Conti, Misburg, Brinker-Hafen und Limmer.) Die Inschrift auf dem anderen Pfeiler appelliert an die deutsche Gesellschaft, sich der Gräueltaten der Nationalsozialisten und ihrer Opfer zu erinnern. Eine Botschaft, die heute nichts von ihrer Aktualität eingebüßt hat.