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Margarethe-und-Max-Rüdenberg-Platz eingeweiht © Städtische Erinnerungskultur LHH

Bezirksbürgermeister Rainer-Jörg Grube, Oberbürgermeister Stefan Schostok und Rüdenberg-Enkel Vernon Reynolds enthüllen das neue Straßenschild. © Städtische Erinnerungskultur LHH Hannover

PLATZBENENNUNG

Margarethe-und-Max-Rüdenberg-Platz in Limmer eingeweiht

Oberbürgermeister Stefan Schostok und der Bezirksbürgermeister des Stadtbezirks Linden Limmer Rainer-Jörg Grube haben am Freitag, 22. September 2017 zusammen mit Vernon Reynolds, einem Enkel der Rüdenbergs, das Straßenschild des neu benannten Margarethe-und-Max-Rüdenberg-Platzes in Limmer enthüllt.

Nach einem musikalischen Beitrag von Lars Stoermer (Saxophon) und Clara Däubler (Kontrabass) eröffnete Bezirksbürgermeister Grube die Veranstaltung. Er begrüßte die aus England angereisten Mitglieder der Familie Reynolds – Enkel, Urenkel und Ururenkel des Ehepaars Rüdenberg. Er sprach kurz über die Verfolgung von Margarethe und Max Rüdenberg als Juden im Dritten Reich sowie den Arbeiterwiderstand in Linden und Limmer. Und mit Blick auf die Bundestagswahl am 24. September erinnerte er die ca. 50 Zuhörer an die Pflicht aller Bürger, angesichts dieses schrecklichen Kapitels deutscher Geschichte besonders verantwortungsbewusst ihr Wahlrecht auszuüben.

Im Anschluss würdigte Oberbürgermeister Stephan Schostok den Bettfedernfabrikant Max Rüdenberg als Industriellen und engagierten Bürger der Stadt. Max Rüdenburg war von 1909 bis 1919 Bürgervorsteher der damals selbstständigen Stadt Linden für den Stadtteil Limmer und von 1920 bis 1925 Mitglied im Rat der Stadt Hannover. Er gehörte 1916 zu den Gründungsmitglieder der Kestner Gesellschaft. Im Jahr 1906 gründete er mit anderen Unternehmern des Stadtteils die damalige „Warteschule“ in der Brunnenstraße, in Sichtweite des neu benannten Margarethe-und-Max-Rüdenberg-Platzes. Die Einrichtung fungierte als Hort für die Kinder von Arbeiterfamilien, in denen beide Eltern arbeiten mussten und eine Versorgung der noch nicht schulpflichtigen Kinder nicht gewährleistet war. Heute befindet sich das Kinderheim Limmer in Nachfolge der „Warteschule“ im historischen Gebäude.

Vernon Reynolds, der jüngste Enkel von Margarethe und Max Rüdenberg, erinnerte an die Fluchtgeschichte seiner Familie. Ohne das aufopfernde Handeln der Großeltern hätten ihre Kinder und Enkel die nationalsozialistische Diktatur nicht überlebt. 1937 versorgten sie den Sohn Ernst und seine Frau Elisabeth mit Geld für die Reise nach Holland und die Überfahrt nach Südafrika. Nachdem ihnen in Amsterdam alles gestohlen wurde, beschloss Margarethe Rüdenberg, ihnen auf anderer Weise zu helfen. Sie fuhr mit dem Zug von Hannover nach Amsterdam – und nahm Brot und Wurst als Proviant mit. In der Wurst versteckte sie ein wertvolles Diamantarmband, das auf dieser Weise den Polizeikontrollen entging und für die Überfahrt von Ernst und Elisabeth nach Südafrika eingesetzt werden konnte. Nachdem sein Vater verhaftet worden war, kam Vernon Reynolds, damals Werner Rheinhold, 1938 mit seiner Mutter Eva und den älteren Geschwistern Peter und Marianne zu den Großeltern nach Hannover. „1938 aber war es schon schwierig, Papiere und Dokumente für eine Reise zu bekommen“, berichtete er. Mit viel Geduld gelang es Margarethe Rüdenberg, alle notwendigen Papiere für ihre Tochter und Enkel zusammenzutragen. Am letzten Tag des Jahres 1938 konnte Vernons 16jähriger Bruder Peter mit einem Kindertransport nach England fliehen, gefolgt Anfang 1939 von der 14jährigen Schwester Marianne. Der damals nur drei Jahre alte Vernon Reynolds floh im März 1939 zusammen mit seiner Mutter ebenfalls nach England. Doch damit waren die Mittel der Großeltern Rüdenberg aufgebraucht. Margarethe und Max Rüdenberg wurden im Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert. Max starb am 26. September 1942, Margarethe am 29. November 1943.

Bevor das Straßenschild von Oberbürgermeister Schostok, Bezirksbürgermeister Grube und Vernon Reynolds feierlich enthüllt wurde, trug Vivien Minto, Urenkelin von Margarethe und Max Rüdenberg, die bewegenden Erinnerungen ihres Vaters Peter Reynolds an die geliebten Großeltern vor. Sie erzählte von liebevollen und großzügigen Menschen, die gerne Zeit mit ihren Enkelkindern verbrachten und deren Haus und Garten an der Schwanenburg in Linden den Enkelkindern als eine Art „Paradies“ in Erinnerung blieben.