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Kinopublikum, 29. Januar 2016 © LHH

Kinopublikum, 29. Januar 2016

Erinnerungsbilder

Filmabend zu jüdischen Kindertransporten 1938/39 und Mahnmal am Opernplatz

Am 29. Januar 2016 startete die Städtische Erinnerungskultur mit einem Filmabend im Kommunalen Kino im Künstlerhaus in das neue Jahr 2016. Gezeigt wurden die Dokumentarfilme „Ein Mahnmal für die ermordeten Juden Hannovers“ und die oscarprämierte Dokumentation „Kindertransport – In eine fremde Welt" aus dem Jahr 2000.

Publikum beim Filmabend am 29. Januar 2016 © LHH

Publikum beim Filmabend am 29. Januar 2016

Mit einem Rückblick auf die Entwicklung der Erinnerungskultur der letzten Jahre führte Personal- und Kulturdezernent Harald Härke in die Veranstaltung ein. In den letzten Jahren hat sich die Erinnerungskultur in Hannover massiv verändert und weiter entwickelt. Nach den starken Verdrängungsprozessen der Nachkriegszeit besitzt die Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus heute eine neue Qualität. Orte von NS-Verbrechen, aber auch Orte des Gedenkens an die Opfer sind durch Mahnmale und Informationstafeln für die Stadtgesellschaft sichtbar geworden. Jugendlichen und anderen Bürgern wird vermittelt, welche Prozesse der Ausgrenzung und Verfolgung sich in ihrer eigenen Stadt, vor ihrer eigenen Haustür, abgespielt haben. Aus dieser Nähe entsteht eine eigene Betroffenheit und eine eigene Verantwortung für die Zukunft. Die seit 2010 tätige Städtische Erinnerungskultur, die 2014 (wieder)eröffnete Gedenkstätte Ahlem als auch das Engangement der Zivilgesellschaft in Stadt und Region Hannover mit bis zu 40 Initiativen wie dem "Netzwerk Erinnerung und Zukunft e.V." konnten gemeinsam bemerkenswerte Projekte für die Erinnerungskultur realisieren.

Auch im Jahr 2016 und den Folgejahren, so Harald Härke, wird sich die Erinnerungskultur in Stadt und Region weiter verändern, ein Spiegelbild von gesellschaftlichen Entwicklungen darstellen und aktuelle dringende Fragen aufgreifen und bearbeiten. Wie kann eine Erinnerungskultur zukünftig aussehen, wenn die direkte Vermittlung durch Zeitzeugen immer weniger wird? Wie kann Interesse an dem Wachhalten der Geschichte und an einem daraus folgernden demokratischen Lernprozess vermittelt werden, in einer Gesellschaft, die aktuelle Probleme von Krieg und Flucht mitträgt und viele neue Mitmenschen, auch aus anderen Kulturen, integrieren möchte?

Nach diesem kurzen Ausblick auf die anstehenden Entwicklungen und Herausfoderungen der Erinnerungskultur sah das Publikum im voll besetzten Kinosaal des Kommunalen Kinos im Künstlerhaus den Dokumentarfilm „Ein Mahnmal für die ermordeten Juden Hannovers“ und aus der seit Herbst 2015 laufenden Filmreihe "Erinnerungsbilder" des Kommnualen Kinos und der Städtischen Erinnerungskultur die oscarprämierte Dokumentation „Kindertransport – In eine fremde Welt" aus dem Jahr 2001.

Der Film des Lokalfilmers Horst Latzke über das Holocaust-Mahnmal am Opernplatz dokumentierte mit Originalaufnahmen die Diskussion und Planung als auch den Bau und die Einweihung des Mahnmals auf dem Opernplatz.

Als Hauptfilm sahen die zahlreichen Kinobesucher den im Jahr 2001 mit dem Oscar als „Bester Dokumentarfilm“ ausgezeichneten Film „Kindertransport – In eine fremde Welt". Der US-amerikanische Dokumentarfilmer Mark Jonathan Harris (2000) bereitet mittels historischer Filmaufnahmen, Interviews und Dokumenten das Schicksal von circa 10.000 Kindern auf, die mit Hilfe der jüdischen Kindertransporte 1938/39 vor den Nationalsozialisten nach Großbritannien fliehen konnten. Für seinen bewegenden Film interviewte er die mittlerweile erwachsenen "Kinder" der Kindertransporte, Retter, Helfer, und Pflegeeltern.

Im Anschluß an die Filmvorführung warteten auf die BesucherInnen Getränke und ein kleiner Snack. In zahlreichen Gesprächskreisen wurden die Filmeindrücke und anstehenden Entwicklungen der Erinnerungskultur debattiert.