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Erinnerungskultur

Stolpersteinverlegung 2017

Am Donnerstag, den  7. Dezember 2017, verlegte der Künstler Gunter Demnig 24 Stolpersteine für Opfer des Nationalsozialismus aus Hannover an insgesamt 12 Orten, den letzten Wohnsitzen der Verfolgten im Stadtgebiet.

Drei Männer und eine Frau mit zwei Stolpersteinen.
© LHH

Bürgermeister Thomas Hermann bei der Stolpersteinverlegung mit Heidi Friedrichs (sie hält den Stolperstein für ihre Tante Ilse Treu in den Händen), Künstler Gubter Demnig und Bezirksbürgermeister von Ricklingen Andreas Markurth (v.l.)

Seit 2007 setzt der Kölner Künstler Gunter Demnig in Zusammenarbeit mit der Städtischen Erinnerungskultur Stolpersteine in Hannover. Die bislang 360 Stolpersteine für Opfer aus 9 Opfergruppen regen inmitten des Stadtbildes zu einer thematischen Auseinandersetzung mit den Schicksalen nationalsozialistischer Ausgrenzung und Verfolgung an. Aus den unterschiedlichen Biographien der diesjährigen Stolpersteinverlegung in Hannover seien exemplarisch folgende Schicksale genannt:

Nachdem die Rassegesetze des Dritten Reichs es ihm unmöglich gemacht hatten, seine eigene Praxis in Bingen am Rhein weiterzuführen, fand Dr. med. Otto Bloch 1940 eine Anstellung im Jüdischen Krankenhaus in Hannover. Er und seine junge Frau Lieselotte ("Lilo") wohnten auf dem Gelände des Krankenhauses; hier wurde im Juni 1941 ihre Tochter Tana geboren. Familie Bloch wurde am 31. März 1942 ins Warschauer Ghetto deportiert, wo Otto Bloch von Frau und Kind getrennt wurde. Alle drei wurden Opfer des Holocausts. Wir freuen uns besonders, dass zwei Angehörige von Lilo Bloch zu der Stolpersteinverlegung in der Ellernstr. 39 aus Israel anreisen konnten.

Bei der Stolpersteinverlegung für Regine und Max Goldschmidt in der Franz-Nause-Str. 4 waren auch Nachfahren der Familie zugegen. Die Goldschmidts betrieben ein Manufakturwarengeschäft an der Wunstorfer Str. Max Goldschmidt war Mitglied im Lindener Männer-Gesang-Verein von 1866 und im Sport-Club-Linden. Den Töchtern der Goldschmidts, Helene und Martha, gelang 1939 die Emigration nach Großbritannien. Regine und Max Goldschmidt wurden am 15. Dezember 1941 nach Riga deportiert, wo sie umgekommen sind. Helene kehrte nach dem Krieg nach Hannover zurück und heiratete ihren längjährigen Verlobten Georg Eilert.

Zwei Stolpersteine werden für Ilse und Fritz Treu vor dem Grundstück Grünlinde 16 in Ricklingen verlegt, bei der Verlegung waren Familienangehörige sowie Bürgermeister Thomas Hermann anwesend. Ilse und Fritz Treu gehörten zu jenen linken Soozialdemokraten, die 1931 die linkssozialistische SAPD gründeten. Sie wurden wegen ihrer politischen Gesinnung und auch rassisch verfolgt - Fritz Treu war jüdisch und die Kinder der Treus galten als "Mischlinge 1. Grades". Die Familie lebte seit 1939 auf dem Gelände der Gartenbauschule Ahlem. Fritz Treu wurde im Februar 1945 nach Theresienstadt deportiert. Er und seine Familie überlebten und wanderten 1951 in die USA aus.