Das offizielle Portal der Region und der Landeshauptstadt Hannover

Dezember 2017
12.2017
M D M D F S S
27 28 29 30 1 2 3
4 5 6 7 8 9 10
11 12 13 14 15 16 17
18 19 20 21 22 23 24
25 26 27 28 29 30 31
Heute | Wochenende | kostenlos | Suche

Zuletzt aktualisiert:

Nachruf

Zeitzeuge Hank (Hans) Herzberg verstorben

Am 29. März 2017 verstarb in Chicago der 97jährige Zeitzeuge und ehemalige Hannoveraner Hank Herzberg. Er war der älteste Sohn des Dr. med. Heinrich Herzberg und seiner Ehefrau Irma (geb. Linz) aus Hannover und überlebte als einziger seiner Familie den Holocaust.

Zeitzeuge Hank (Hans) Herzberg © Familienbesitz

Zeitzeuge Hank (Hans) Herzberg

Hank Herzberg wurde als Hans Rudolf Herzberg am 19. Mai 1919 in Hannover geboren. Hank haben wir bei der Recherche für die Ausstellung „Fremde Heimat. Rettende Kindertransporte aus Hannover 1938/39“ kennengelernt.

Hank und sein Vater Heinrich Herzberg (geb. 04.06.1888) waren nach der Reichspogromnacht 1938 inhaftiert worden. Hank, der sich zu dieser Zeit für eine Arbeit in Dortmund aufhielt, wurde in das KZ Sachsenhausen bei Berlin verschleppt. Sein suizidgefährdeter Vater wurde auf die Krankenstation des Polizeigefängnisses in Hannover gebracht. Ein Bericht von Hank Herzberg über seine Verhaftung in Dortmund und die Zeit in Sachsenhausen findet sich unter: http://nordstadtblogger.de/hans-herzberg-ein-juedischer-zeitzeuge-berichtet-ueber-seine-verfolgungserlebnisse-im-november-der-nordstadt/

Während ihrer Haft organisierte Hanks Mutter Irma Herzberg (geb. 06.01.1892) die Ausreise seines elfjährigen Bruders Uli mit einem Kindertransport in die Niederlande organisiert. Der am 2. April 1927 geborene Gerhard-Ulrich Herzberg, genannt Uli, kam in der Familie des jüdischen Verlegers Isaac Keesing in Amsterdam unter, wo er sich wohl fühlte, schnell niederländisch lernte und wieder ganz normal zur Schule gehen konnte.

Im August 1941 konnte Hank über Lissabon in die USA emigrieren und hoffte, seine Eltern und Uli zu sich holen zu können.

Dr. med. Heinrich und Irma Herzberg wurden am 15.12.1941 von Hannover nach Riga deportiert, Uli wurde am 10.3.1943 von Amsterdam über Westerbork nach Sobibor deportiert. Hank überlebte als einziger der kleinen Familie.

Für Heinrich, Uli und Irma Herzberg wurden im November 2015 in Hannover Stolpersteine an ihrem früheren Wohnort in der Eichstraße verlegt. Hanks Erinnerungen und Auskünfte sind in die Ausstellung „Fremde Heimat. Rettende Kindertransporte aus Hannover 1938/39“ aus dem Jahr 2015 eingeflossen, - vor allem  seine innige Bruderbeziehung zu Uli. Die betreffenden Seiten aus dem Ausstellungskatalog (deutsch / english) können als PDF hier nachgelesen werden. Das Video eines Interviews mit Hank Herzberg aus dem Jahr 1988 kann auf der Webseite des "United States Holocaust Memorial Museum" abgerufen werden: https://collections.ushmm.org/search/catalog/irn507461

Hank diente in der US-Armee und wirkte an der Befragung deutscher Kriegsgefangenen mit. 1948 heiratete er in Chicago Ilse Nussbaum aus Dortmund, die er 1941 bei der Abfahrt aus Lissabon kennengelernt hatte. Hank und Ilse führten über viele Jahre ein Kinderbekleidungsgeschäft in Chicago. Ilse verstarb 2014. Hank Herzberg hat in seiner Autobiographie "El espejo – Der Spiegel – The mirror" (1994) über seine Erlebnisse im Dritten Reich geschrieben.

Es war uns eine Ehre und eine Freude Hank kennenzulernen. Unser Mitgefühl gilt seinen Töchtern, Enkelinnen und Urenkel.

„Und wenn wir auch heute nicht zusammen sind,
So hoffe ich doch, mein liebes Kind,
Dass wir sind später glücklich vereint,
Und dass für uns alle die Sonne wieder scheint.“
Irma Herzberg zu Ulis Bar Mitzwa in Amsterdam, April 1940