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Industriekultur im östlichen Deister

Station 4 - Kalkwerke Bredenbeck

Steinkohle war einst das Gold des Deisters, Spuren davon findet man heute fast keine.

Altes Wohngebäude © C. Stahl, Region Hannover

Wohngebäude

Vorsicht, der östliche Deister ist hohl. Das liegt an den vielen Stollen zum Abbau von Steinkohle und den Wetterschächten zur Belüftung. An einigen Stellen stehen sogar Warnschilder, so auch an den beiden großen Wohngebäuden am ehemaligen Kalkwerk Bredenbeck. Mehr ist an dem einst betriebsamen Industrieknotenpunkt nicht mehr zu sehen. Die Häuser sind in Privatbesitz und nicht zu besichtigen. In einem befand sich die Waschkaue, in der sich die Kalkbrenner nach ihrem heißen und staubigen Tagwerk reinigten. Im anderen stand die Maschinenwerkstatt.

Doch hier oben im Wald war es Ende des 19. Jahrhunderts so betriebsam wie bei Hanomag in Linden. 250 Arbeiter waren zur Blütezeit im Jahr 1900 im Einsatz. Der Abbau von Rohstoffen im Kniggeschen Forst hatte schon um 1800 begonnen. Die Freiherrn, die die meisten Anlagen betrieben, profitierten von einer geologischen Besonderheit: Kohle, Sand- und Kalkstein hatten die Erdkräfte vor Millionen Jahren auf engem Raum vereint. Der Hunger nach Rohstoffen wuchs überall in Europa in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit der Industrialisierung sprunghaft. Der östliche Deister lag zudem verkehrsgünstig - etwa für die einsetzende Massenproduktion in Linden.

1890 nahm die Eisenbahnlinie vom Kalkwerk Bredenbeck aus ihren Betrieb bis ins rund sieben Kilometer entfernte Weetzen auf. Dort gab es Anschluss an die 1872 eröffnete Bahnlinie Hameln-Hannover. Der Absatz florierte im Deister. Ständig wurden die Betriebe modernisiert. Bis 1910 ersetzen die Arbeiter die traditionellen Öfen zum Brennen des Kalks durch zwei Ringöfen. Die Schornsteine ragten 90 und 110 Meter in den Himmel und waren von weitem zu sehen - ebenso wie die Rauchfahnen. Die verfeuerte Deisterkohle stammte seit 1886 aus dem 110 Meter hinab reichenden Tiefbauschacht Karl gleich neben dem Werk. Auch entlang des Schwarzen Weges, der noch heute oberhalb des Kalkwerkes nach Osten Richtung Steinkrug führt, wurde Steinkohle aus der Tiefe gefördert. Aus dem 120 Meter tiefen Schacht August oberhalb des Kalkwerkes holten die Kumpel bis 1908 Kohle herauf.

Wer heute an den beiden Wohnhäusern im Wald steht, kann sich das Treiben von einst kaum vorstellen. Es stank nach Rauch. Von morgens sechs bis abends sechs karrten Setzer Kalksteine in den riesigen Ringöfen. Nasse Säcke, die sie sich überwarfen, sollten sie vor der Hitze schützen. Verladen auf Waggons setzte unter Stampfen und Zischen die Dampflok den Zug Richtung Bahnhof Weetzen in Bewegung. Von oben aus dem Wald ratterte derweil der Nachschub an Sand- und Kalkstein herab: An einem endlosen Drahtseil rasten Loren voller Gestein auf Gleisen hinab zum Kalkwerk, während ihre Wucht die leeren Loren auf der anderen Seite am Seil wieder den Berg hinaufzog. Bremsberg nennt sich der Abschnitt noch heute. Weil der Vorgang recht gefährlich war und oft Loren umkippten, warnte der Vorarbeiter oben am Berg die Belegschaft am Kalkwerk regelmäßig vor der einsetzenden Talfahrt. Er hatte ein Stück Schiene an einen Baum gehängt und schlug mit einem Eisenstab dagegen - der weithin hörbaren Ton ließ die Arbeiter aufhorchen und Schutz suchen.

Oben im Wald war die Arbeit genauso hart. Im drei bis vier Kilometer westlich gelegenen Fiehrbruch sowie am Specken-Brink am Deisterkamm wurde das Gestein abgebrochen. Die im Tagebau gewonnenen Stücke mussten per Hand in Loren geworfen werden. Eine Kleinbahn zuckelte mit der schweren Fracht bis zu einer Rampe am Bremsberg oberhalb des Kalkwerkes. Dort wurden die Loren an das endlose Drahtseil zur Talfahrt gehängt - und der Arbeiter schlug seinen Warnton an.

Nach dem Ersten Weltkrieg lief die Produktion kaum noch richtig an. Schon um 1910 war die Kohle im östlichen Deister versiegt; es gab kaum noch welche in ausreichender Qualität. 1924/25 schloss das einst stolze Kalkwerk, das die Freiherrn Knigge aus Bredenbeck erfolgreich betrieben hatten. Die beiden hohen Schornsteine wurden gesprengt, Gleise und Bahnverladung abgebaut. Auf dem unteren Teil der Trasse fuhr vom Bredenbecker Gut bis Weetzen bis 1951 noch eine Rübenbahn. Heute erinnern neben schmucken Bergmannsuniformen in der Heimatstube Bredenbeck noch viele Erdwälle, Gruben, Gräben und eine Abraumhalde am Weg östlich des einstigen Kalkwerkes an die reichen Rohstoffjahre.

Die Kalkwerke sind neben dem Wanderparkplatz im Wald zu finden. Auf dem Weg dorthin befindet sich rechts eine mit Bäumen bewachsene Halde. Eine präzise Karte mit Erläuterungen zum Bergbau im östlichen Deister steht am Weg, der entlang des Waldrandes führt, wenige Meter südöstlich des Sportplatzes.

Westlich des Kalkwerkes gibt es eine Verbindung zum Frauenweg. Er führt vom Kamm hinab ins Tal zum Forsthaus Richtung Bredenbeck. Hier kreuzte bis 1924 die Normalspurbahn vom Kalkwerk zum Bahnhof Weetzen. Von links kam damals eine Pferdebahn mit Kohle aus dem Stollen Gute Hoffnung. Ein Verladegleis war vorhanden, auf dem Waggons zur Aufnahme der schwarzen Fracht bereit standen.