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Station 13 - Willy-Spahn-Park: Erst Kalk, dann Obst

Hier war die Quelle von Sprudella. Die einst beliebte Obstsaftlimonade entstand von 1938 an in einer Kelterei. Sie befand sich im Gebäude des früheren Kalkbrennofens, der mit seinem hohen Schornstein weithin als Zeugnis der Industriegeschichte Ahlems sichtbar ist. Der hannoversche Unternehmer Willy Spahn und seine Frau Emilie hatten 1938 die Industriebrache gekauft, sie als erste private Gönner in eine Grünfläche veredelt und dazu noch die Marke Sprudella ins Leben gerufen. Statt die Senke, entstanden durch den Kalkabbau im 19. Jahrhundert, zuzuschütten, pflanzte Spahn Obstbäume. Saisonarbeiter pflückten die Sauerkirschen, ernteten die Äpfel, Birnen und Pflaumen. Verkauft wurde das Obst direkt dort sowie auf Wochenmärkten der Umgebung. Doch der Renner waren die Sorten von Most, Saft und Fruchtsprudel, die Willy Spahn in den 50er Jahren dann in großen Mengen an die Großbetriebe der Gegend, an Continental, VW und Geha, lieferte. Einige der Etikette sind noch erhalten. Auf der Flasche mit Apfelsaft, Marke Goldkaraffe, stand etwa: Lebenskraft durch Apfelsaft.

Da sich das kinderlose Ehepaar in der vier Hektar großen Plantage ein kleines Haus mit Terrasse und Zierbeeten schuf, waren die beiden täglich mit den Obstbäumen und deren Pflege befasst. Schon in den 70er Jahren dachten sie daran, das Stück Grün in Ahlem später allen als Park zu öffnen. 1982 übertrug das Paar der Stadt seinen Besitz als Stiftung. Bald darauf starb Willy Spahn. Nachdem 1996 Emilie Spahn mit 99 Jahren gestorben war, begann die Stadt, den wertvollen Baumbestand zu verjüngen und weitere Obstgehölze zu pflanzen.

Besonders viel Engagement verlangte die Restaurierung des in der Region einmaligen Kalkbrennofens von 1925 mitsamt dem Dachstuhl. Er ist nur zu besonderen Anlässen geöffnet und beherbergt eine kleine Ausstellung.

Begonnen hatte der Abbau des Kalks 1850, als die Gebrüder Köhne aus Hannover die erste Kalkbrennerei in Ahlem gründeten. In den vor rund 150 Millionen Jahren als Ablagerung auf dem Meeresboden entstandenen Mergel oder Kalke sind noch Versteinerung von Schnecken, Muschen und Seelilien zu entdecken. Mühsam war es, den Kalk wegzuhacken. Oft wurde gesprengt auf dem damals 16,5 Hektar großen Gelände. Die Arbeiter schaufelten das Material dann auf Kipploren. Die fuhren zum Brennofen. Den ließen die neuen Eigentümer, das Ahlemer Kalkwerk Mast & Grahlmann, vom Ingenieurbüro Ratzmann aus Hildesheim bauen. 13 Meter breit, 9,50 Meter hoch war der Ringofen, den der Berliner Erfinder Friedrich Eduard Hoffmann ersonnen hatte. Vorteil: Im geschlossenen Brennkanal aus 14 Kammern wanderte das Feuer im Kreis, das war energiesparend, musste aber rund um die Uhr betreut werden. Die Rauchgase des Kohlebrands strömten in den damals 40 (heute 34) Meter hohen Schornstein. Der Branntkalk diente als Düngemittel für die Landwirtschaft. Mit Sand und Wasser wurde er auch zu Mörtel in der Bauindustrie verwendet. Jährlich verließen rund 5500 Tonnen das Ahlemer Werk. Anfang der 30er Jahre endete der Betrieb während der Weltwirtschaftskrise. Dann kam Willy Spahn.

Der Park hat heute sieben Zugänge, die in das etwa zwölf Meter tiefer als die Umgebung liegende Gelände führen. Bänke zum Verweilen, Obst zum Pflücken und rund 1,3 Kilometer Spazierwege sind bereit.

Geöffnet von März-April 7-19 Uhr, von Mai-August bis 21 Uhr sowie Sept.-Okt. 7-19 und Nov. bis Februar 8-17 Uhr.
Buslinien 700 und 581 bis Willy-Spahn-Park.