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Der Brunnen in der Grupenstraße

Geschwister-Brunnen

Die Skulptur der spielenden Kinder in der länglichen Brunnenschale inmitten der Grupenstraße zwischen Altstadt und dem Platz der Weltausstellung ist eines von zahlreichen figurativen Kunstwerken von Kurt Lehmann, die das Stadtbild von Hannover seit der Nachkriegszeit prägen. Für die lebensgroße Bronzeplastik, die der Bildhauer und ehemalige Professor an der Technischen Hochschule Hannover zwischen 1955 und 1956 entworfen hat, standen seine eigenen Kinder Modell.

Ein Brunnen als moderne Straßenkunst

Der Bildhauer Kurt Lehmann (1905-2000) schuf in den 1950er und den frühen 1960er Jahren mehr als 30 Reliefs und Plastiken aus Muschelkalk und Bronze, die als Straßenkunst überall in der Stadt installiert wurden. Einige seiner Kunstwerke aus dieser Schaffensperiode waren bereits 1955 bei der "documenta 1" in Kassel zu sehen, andere sind heute beinah beiläufige Alltagskunst wie etwa die handgroßen Figuren von 1950 an den Türgriffen zum Opernhaus Hannover oder die beiden "Speerwerfer" von 1964 vor dem Haupteingang zur HDI-Arena am Maschsee.

Als Professor für Modellieren im Studiengang Architektur der Technischen Hochschule Hannover beeinflusste er in den Jahren von 1949 bis 1969 maßgeblich die künstlerische Entwicklung Hannovers beim Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg stark zerstörten Stadtbildes. Während dieser Zeit wohnte Kurt Lehmann im Hardenberg'schen Palais in der Alten Herrenhäuser Straße, für seine künstlerische Arbeit hatte ihm die Stadt direkt am Großen Garten von Herrenhausen ein eigenes Atelier mit einem Steinhof zur Verfügung eingerichtet. Dort entstand 1955 auch die Skulptur "Spielende Kinder" für den Brunnen in der Grupenstraße nach dem Abbild seiner kleinen Tochter Katharina und ihrem älteren Bruder Hans-Peter, der von 1980 bis 2001 Intendant der Staatsoper Hannover war.

Die spielenden Kinder sind einmalig

Im selben Jahr hatte Kurt Lehmann bereits seine Tochter in einer Bronzeskulptur verewigt: als "Mädchen im Regen" steht sie auf einem Spielplatz im Rosmarinhof im hannoverschen Stadtteil Calenberger Neustadt. Wie bei seinem "verspielten" Brunnen-Duett von Bruder und Schwester war es eine Alltagssituation aus seinem Familienleben, die ihn dazu inspiriert hat – wie die Schaumburger Zeitung in einem Beitrag vom 07. September 2010 berichtet: "Als er in seinem Atelier in Hannover arbeitete, sei seine Tochter während eines Regenschauers zu ihm gelaufen. Als Schutz vor dem Regen soll sie sich eine Zeitung über ihren Kopf gehalten haben." Tatsächlich stehen identische Exemplare mit genau diesem Motiv auch noch im Hamelner Bürgergarten sowie am Eingang zur Aqualon Therme in der baden-württembergischen Kurstadt Bad Säckingen sowie an der Christuskirche in Kurt Lehmanns Geburtsstadt Koblenz. Hannovers Brunnen mit der Skulptur "Spielende Kinder" indes ist einzigartig!

Kurt Lehmann und Hannovers Kunst zum Anfassen

Die Kunstwerke von Kurt Lehmann waren wichtige Wegbereiter bei der künstlerischen Entwicklung der Stadt. Im Zuge des Wiederaufbaus hatte Hannover bereits 1956 als eine der ersten Städte in Deutschland eine abstrakte Plastik im öffentlichen Raum aufgestellt: die 1,89 Meter hohe Muschelkalk-Skulptur "Große Kugelform" des Bildhauers Karl Hartung stand als Symbol für den damaligen Wunsch nach Wiedervereinigung zunächst vor der Werner-von-Siemens-Realschule am Welfenplatz im Stadtteil List und ist später an die Ecke Friedrichswall/Georgswall in der Nähe vom Aegidientorplatz umgezogen.

1970 war Hannover wiederum bundesweit Vorreiter, als der Stadtrat mit dem "Experiment Straßenkunst" und dem ersten Altstadtfest als Auftaktveranstaltung die Förderung von Kunst im öffentlichen Raum zur kommunalpolitischen Aufgabe gemacht hat. Heute verzeichnet die niedersächsische Landeshauptstadt mehr als 200 öffentliche Kunstwerke zum Anfassen von namhaften deutschen und internationalen Künstlern allein im Bereich der Innenstadt – darunter die "Nanas" von Niki de Saint Phalle und andere Kunstobjekte an der Skulpturenmeile entlang der Leine, die zwölf "Busstops"-Haltestellen für die Stadtbahnen und -busse und eben auch die mehr als 30 Reliefs und Plastiken von Kurt Lehmann, der am 16. März 2000 im Alter von 94 Jahren in Hannover starb. Sein Grabmal mit einer liegenden Frau auf einem schlichten Granitstein befindet sich auf dem Herrenhäuser Friedhof.