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Protest in Hannover

50 Jahre Aktion Roter Punkt

Am 1. Juni 1969 erhöhten die zu der Zeit noch überwiegend im Besitz der PreussenElektra befindlichen hannoverschen Verkehrsbetriebe die Preise massiv und ordneten die Fahrpreisstruktur neu – der Beginn der ersten großen Basisbewegung der Bundesrepublik Deutschland mit Namen "Roter-Punkt-Aktion".

Rote-Punkt-Aktion. Blockade der Straßenbahn auf dem Steintor-Kreisel, Richtung Goethestraße. Foto von Wilhelm Hauschild, vermutlich 10.06.1969. © Landeshauptstadt Hannover

Rote-Punkt-Aktion. Blockade der Straßenbahn auf dem Steintor-Kreisel, Richtung Goethestraße. Foto von Wilhelm Hauschild, vermutlich 10.06.1969.

Um bis zu 33 Prozent sollten die Preise angehoben werden, dagegen regte sich Protest. Es war die Idee zweier Studenten, die Mitglieder des Allgemeinen Studentenausschusses (Asta) der Technischen Universität in Hannover waren. Mit einem Flugblatt setzten sie die "Aktion Roter Punkt" im sogenannten heißen Juni 1969 in Gang. Außer der Kritik an den Fahrpreiserhöhungen der Üstra enthielt das Flugblatt auch konstruktive Vorschläge. "Autofahrer!", hieß es darin, "helfen Sie den Bürgern, die kein Auto besitzen. Kleben Sie sich den "Roten Punkt" an die vordere Windschutzscheibe!" Mit diesem Punkt sollten die Autofahrer signalisieren, dass sie Passanten kostenlos mitnehmen.

Bei diesem Aufruf allein blieb es nicht. Zunächst behinderten Sitzblockaden und Demonstrationen den Verkehr von Bussen und Straßenbahnen. Der Versuch, den Protest mittels Wasserwerfen und Tränengas anlässlich einer Demonstration am 10. Juni einzudämmen, schlug fehl, vom 12. bis 19. Juni stellten die Üstra den Verkehr komplett ein. Gleichzeitig wurde der "Rote Punkt" immer populärer: Immer mehr Autofahrer steckten sich das Symbol des Widerstands hinter die Scheibenwischer und nahmen ihnen teils wildfremde Menschen als Fahrgäste mit.

Schließlich solidarisierte sich auch die Stadtverwaltung Hannover mit der Bewegung und 50.000 rote Punkte drucken und verteilen. Nach elft Tagen nahm die Üstra ihre Preiserhöhung zurück und ersetzte sie durch einen Einheitsfahrpreis von 50 Pfennig pro Strecke. Ein Jahr später wurde das bis dahin private Unternehmen in einen kommunalen Dienstleister umgewandelt.